Dok-Fest München:Filme für Schulklassen und Familien

Lesezeit: 2 min

Die 12-jährige Anne leidet am Tourette-Syndrom. Der Film "Anne fliegt" ist geeignet für die Unter- und Mittelstufe und erzählt nicht nur von den Nöten, sondern auch von den schönen Momenten im Leben von Anne. (Foto: Dok-Fest München)

"Schule des Sehens": In einem Online-Kinosaal laufen Filme, und es gibt Videoseminare für Schulklassen. Premiere hat eine Doku über Lehrer aus Leidenschaft.

Von Barbara Hordych

Wenn Anne in der Turnhalle in der Warteschlange steht, dreht sie sich mehrmals um die eigene Achse. Wenn sie mit ihren Freundinnen im Supermarkt Butter einkauft, leckt sie plötzlich die Tür des Tiefkühlregals an. "Ich habe eine Störung im Gehirn und Tics; ich muss mich immer drehen oder etwas anlecken", sagt die 12-Jährige bei einem Referat vor ihrer neuen Schulklasse. Bis sie soweit ist, ihre Situation erklären zu können, war es ein weiter Weg. Aber einer, der wichtig ist und sich für sie lohnt.

Denn wenn Anne, die Protagonistin des Dokumentarfilms Anne fliegt den Mut aufbringt, vor ihren neuen Mitschülern offen über ihre neurologische Erkrankung Tourette-Syndrom zu sprechen, nimmt sie eine große Hürde. Sie will nicht wieder nachgeäfft und ausgelacht werden wie in ihrer alten Schule, also nimmt sie ihre Mitschüler mit in ihre komplizierte Welt. Ebenso tauchen die Zuschauer in die Nöte, aber auch in die schönen Momente im Leben des Mädchens ein.

"Der Film ist ein Paradebeispiel, das zeigt wie man kunstvoll, auf Augenhöhe und mit Einbeziehung der Sicht der Protagonistin über Tourette erzählen kann", sagt Maya Reichert. Die HFF-Dozentin und Leiterin der Dokumentarfilmschule beim Dok-Fest hat mit ihrem Team den Kurzfilm der niederländischen Filmemacherin Catherine von Campen deutsch synchronisiert - im regulären Dok-Fest-Programm läuft die niederländische Originalversion mit englischen Untertiteln.

Er ist einer der drei altersgerecht gestaffelten Filme, die im Online-Kinosaal der Schule des Sehens bei "Dok-Education" zu sehen sind, dem Bildungsbereich des Dokumentarfilmfestivals. Mit ihnen soll der Blick für die mediale Darstellung von Wirklichkeit geschärft werden.

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Wie funktioniert die "Schule des Sehens"? "Sie ist in einem Baukastensystem gegliedert, das Lehrkräfte ganz individuell für ihre Klasse wählen können", sagt Reichert. Alle drei Filme und die dazugehörigen Unterrichtseinheiten eignen sich für den Einsatz im Klassenzimmer, im Distanzunterricht oder als Hausaufgabe. In Modul 1 können die Lehrkräfte mit ihren Schülern einfach "nur" den Kurzfilm anschauen. Einen Blick hinter die Kulissen kann man in Modul 2 in Videoseminaren mit den Filmemachern werfen. Modul 3 enthält Begleitmaterial für die Nachbereitung durch die Lehrkraft. "Bei ,Anne fliegt' geht es beispielsweise um die Frage, darf man über diese Erkrankung lachen?" Und in Modul 4 "Persönliche Begegnung" trifft man am 15. Mai die Filmemacher im digitalen Raum zu einem Live-Gespräch. Daran nehmen nicht nur Catherine von Campen, sondern auch die Filmemacherinnen Eefje Blankevoort und Els van Driel teil.

Sie haben den Film über die Brüder Jano & Shiro (NL 2020) gedreht, die sich auf die gefährliche Flucht von Syrien in die Niederlande begeben und sich selbst dabei filmen. Dort angekommen, erfährt Shiro (15) als Minderjähriger viel Unterstützung, während Jano (18) im Auffangzentrum für Erwachsene warten muss. Der Film ist eine Episode aus dem Langfilm Shadow Game, der seine Deutschlandpremiere in der Festivalreihe "Dok-Panorama" hat. Darüber hinaus gibt es Praxis-Angebote wie einen Online-Live-Kameraworkshop (8. Mai) und einen Youtube-Workshop mit Ilka Knigge vom BR-Kanal "PlanetB" zum Thema Nachhaltigkeit (16. Mai).

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Am 9. Mai präsentieren sich die Filmemacher von Teachers For Life, der ebenfalls im Festivalprogramm läuft. Gemeinsam mit der Achtsamkeitsforscherin Britta Hölzel behandeln sie in einer von Maya Reichert live im Deutschen Theater moderierten Matinee das Thema: Was brauchen Lehrkräfte, um guten Unterricht machen zu können? In Zeiten von Pandemie und Distanzunterricht beeindrucken die Begegnungen mit "Lehrern aus Leidenschaft" umso mehr. Sie zeigen, wie wichtig Persönlichkeitsbildung und Beziehungsarbeit beim Lernen sind.

Dok-Education und die Schule des Sehens , bis 31. Juli, Programm unter dokfest-muenchen.de

© SZ vom 06.05.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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