bedeckt München

Doch Hochhäuser in München:Nach oben offen

Abschied vom Bürgerentscheid: Die Rathausfraktionen wollen wieder Hochhäuser erlauben, die höher als 100 Meter sind. Viele Investoren dürften sich nun freuen.

Dominik Hutter

Eine Stadt will hoch hinaus: Das 100-Meter-Limit aus dem Hochhaus-Bürgerentscheid von 2004 wird im Rathaus inzwischen als Auslaufmodell betrachtet. Anträge für höhere Bauten, so machen Politiker von SPD, Grünen und FDP deutlich, sollen künftig nicht mehr apodiktisch abgelehnt werden - viele Gebäude gewännen erst durch eine bestimmte Größe an architektonischer Qualität.

"Ein solcher Beschluss kann nicht für alle Zeiten gelten", sagte Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker über den Bürgerentscheid, der rein formal schon seit Ende 2005 nicht mehr bindend ist. Geht es nach der FDP, soll der Georg-Brauchle-Ring den Anfang machen: Fraktionschef Michael Mattar kann sich neben dem - vor dem Bürgerentscheid gebauten - 146 Meter hohen "Uptown"-Turm, der derzeit eher verloren auf weiter Flur steht, weitere Hochbauten vorstellen. Mattar besteht darauf: "Die 100-Meter-Marke gilt nicht mehr."

Auch SPD-Fraktionsvizechefin Claudia Tausend steht dem Drang nach Höherem aufgeschlossen gegenüber. "Ich persönlich habe absolut Sympathie für Hochhäuser", versichert die Politikerin. Allerdings sei es nicht sinnvoll, Planungen am grünen Tisch zu machen. Man könne erst dann abschließend über den Fall der 100-Meter-Grenze diskutieren, wenn ein Investor konkrete Planungen einreiche. Was nach Auskunft des Planungsreferats bislang nicht der Fall ist. Derzeit gebe es lediglich Planungen für ein Hochhaus an der Siemensallee/Baierbrunner Straße sowie für ein Ensemble am Vogelweideplatz im Münchner Osten.

Keines dieser Gebäude kratzt aber an der Höhenmarke, die sich an den Türmen der Frauenkirche orientiert. Der Blick auf die gotischen Türme, da sind sich die Politiker einig, wird freilich auch in Zukunft unverbaut bleiben. Hochhäuser sind in der Altstadt ebenso tabu wie in Schwabing, Haidhausen oder anderen gewachsenen Stadtvierteln.

Mattars Favoritenadressen für neue Wolkenkratzer sind neben dem Georg-Brauchle-Ring der Bereich der Passauer Autobahn sowie die Parkstadt Schwabing. In Moosach, das räumt der FDP-Mann freimütig ein, geht es freilich noch um etwas anderes: Zu verhindern, dass die Stadtwerke dort einen Busbetriebshof errichten. "Flache Kisten" wären das, so Mattar, die der Adresse nicht gerecht würden.

Tausend fühlt sich bei der Standortsuche an den vom Stadtrat beschlossenen Hochhausplan von 1995 gebunden. "Der ist nach wie vor gültig", betont die Planungsexpertin. In dem Papier sind die Altstadtviertel, gewachsene Ortskerne und auch bedeutende Sichtachsen explizit von jeder Hochhausplanung ausgenommen.

Als gut geeignet gelten dagegen Stadteinfahrten sowie große Kreuzungspunkte am Mittleren Ring. Als Freibrief für beliebige Investorenarchitektur wollen die Stadträte ihre Sympathiebekundungen nicht missverstanden wissen. "Es soll aber nicht allein um die Höhe, sondern in erster Linie um die architektonische und ökologische Qualität gehen", fordert Benker.

Und Tausend findet: Sollte in München wieder ein neues Hochhaus errichtet werden, "darf es ruhig schöner werden als Uptown Munich".

© SZ vom 03.09.2011/wib
Zur SZ-Startseite