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DJ Chuck Herrmann:Die Überbewertung des Glockenbachviertel

sueddeutsche.de: Und einmal sind Sie Chuck Berry begegnet...

Herrmann: Chuck Berry war mein Idol. Ich habe immer viele Songs wie "Roll over Beethoven" oder "Sweet little Sixteen" gesungen und aufgelegt. Ein Konzertveranstalter dachte 1990, es wäre doch ein Gag, Chuck Berry und Chuck Herrmann an einem Abend im Schlachthof auftreten zu lassen. Wir hatten gerade unseren Soundcheck auf der Bühne und dann kam Berry herein. Er sagte: "Hello, I'm Chuck." Und ich: "I'm Chuck, too." Dann wollte er noch ein Gitarren-Plektrum von mir, weil er keines dabei hatte. Er saß im Publikum, als wir gespielt haben, unsere Musik hat ihm scheinbar gefallen.

sueddeutsche.de: Wird das Nachtleben in München nie langweilig?

Herrmann: Nein, überall in der Stadt ist etwas los. Mir gefällt nur nicht, dass das Glockenbachviertel so aufgeputscht wird. Seit Jahren schon hört man: Nur im Glockenbachviertel ist es toll, sonst nirgends. Vielleicht war das Glockenbachviertel einmal hip, als es noch nicht in der Zeitung stand. Damals waren die Bhagwan, die rot angezogenen Indien-Fans, in dem Viertel. Aber heute... Ich bin sicher, eines Tages wird Schwabing wieder boomen. Die Fraunhoferstraße kann doch nicht mit dem Leopoldboulevard konkurrieren!

sueddeutsche.de: Sie sind 68 Jahre alt - wie lange werden Sie noch auflegen?

Herrmann: Zwei, drei Jahre mache ich sicher noch. Meine Rente ist nicht so toll. Und außerdem brauche ich das Gefühl. Wenn ich einmal drei Tage nicht auflege, dann zieht es mich wieder nach München. Denn hier tobt das Leben und dann fühle ich mich wohl.

Seit Anfang der siebziger Jahre legt Chuck Herrman neben Rock'n'Roll auch Salsa auf. Außerdem bringt er mit seiner mobilen Diskothek Musik auf Privat- und Firmenfeste - Hits aus den fünfziger Jahren bis zu den Chart-Erfolgen heute. Die Gitarre hängte Herrmann 1994 an den Nagel, nachdem ich 32 Jahre lang als Sänger, Musiker, Bandleader in ganz Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien aufgetreten ist. Zwölf Jahre lang arbeitete er bei der "Jazzwell Plus" als Moderator für Fifties und Latin-Music, und heute noch einmal im Monat bei "Radio Lora".

© sueddeutsche.de/pfau
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