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Diskussion im Rathaus:"Wir sagen, was wir wollen!"

Bei der Mädchenkonferenz im Rathaus diskutierten Kinder und junge Frauen lebhaft mit Vertreterinnen aus der Politik.

(Foto: Catherina Hess)

Was bei Münchens Mädchenkonferenz gefordert wurde

Vielleicht ist das ja das Erfreuliche an dieser Mädchenkonferenz, die bisher erste ihrer Art in München: dass es Diskussionen gab, Meinungsverschiedenheiten. Dass Themen angesprochen wurden, die so komplex sind, dass man nicht mal eben eine Lösung finden kann. Denn eines wurde klar am Freitagnachmittag im Rathaus: den Mädchen und jungen Frauen ging es um etwas.

Die Idee der Konferenz, die jedem Mädchen ab zehn Jahren offen stand, das kommen wollte: die jungen Teilnehmerinnen tragen ihre Anliegen direkt den Politikerinnen vor. Die wiederum antworten direkt, und jeweils eine von ihnen übernimmt das Anliegen als Patin, kümmert sich also um das Thema. Dafür hat die Politikerin dann drei Monate Zeit - anschließend will man sich noch mal austauschen.

Die 85 Teilnehmerinnen, die sich nun im Großen Sitzungssaal des Rathauses trafen, waren diskussionsfreudig, lebhaft - und hatten keine Scheu, auch zu widersprechen. Debattiert wurde viel über Frauenschwimmbäder, es ging um Straßenlaternen und Mädchentreffs, um Plastikverpackungen, Barrierefreiheit und darum, "dass Männer oft die krasseren Jobs bekommen". Eine Mädchen-Treff-Gruppe hatte für die Konferenz ein Video gedreht und sich dafür verrückt verkleidet. "Ich lieb' mich einfach selber", sagte darin ein kleines Mädchen im lila Einhorn-Kostüm. Und Dritte Bürgermeisterin Christine Strobl riet: "Frauen erleben von außen oft viel Druck, wie sie sein sollen und wie nicht. Lasst euch von niemandem etwas vorschreiben. Ihr sollt euren Weg gehen."

Den Anlass für die Veranstaltung mit dem Motto "Hört uns zu! Wir sagen, was wir wollen!" boten drei Jubiläen: 100 Jahre Frauenwahlrecht, 30 Jahre Kinderrechtskonvention und ebenfalls 30 Jahre Münchner Fachforum für Mädchenarbeit. Das Fachforum und die Gleichstellungsstelle hatten die Konferenz organisiert.

"Redet so, wie wir es verstehen, redet kurz und knackig", wünschten sich die beiden Moderatorinnen von den anwesenden Politikerinnen zu Beginn. Und dann redeten vor allem die Mädchen. Besonders viel sprachen sie über den Wunsch nach Frauenschwimmbädern. "Es soll ein Ort sein, wo alle Frauen sich für nichts schämen müssen", forderten die Mädchen. Nicht für ein Kopftuch, nicht für ihren Körper. Ein Ort, wo sie keine Angst vor Belästigung haben müssten. SPD-Stadträtin Anne Hübner antwortete darauf: "Ich wünsche mir ein München, wo sich die Mädchen etwas trauen und sich keine Gedanken machen müssen, wo sie mit Jungs schwimmen gehen können." Ob getrennte Schwimmbäder die richtige Lösung seien, wisse sie nicht. Bürgermeisterin Strobl schlug vor, die Schulschwimmbäder nachmittags nur für Mädchen und ihre Mütter zu öffnen.

Da meldete sich ein Mädchen zu Wort, sie gehöre zum Islam, sagte sie. Für ihre Mutter sei das auch ein Problem mit dem Schwimmen gehen. Eine andere ergänzte, das habe religiöse Gründe. "Wir wollen uns nicht vor Männern ausziehen." Es gebe im Müllerschen Volksbad zwar Frauenschwimmzeiten, aber da sei es immer zu voll. "Ich muss jetzt widersprechen", ging SPD-Bezirksrätin Irmgard Hofmann dazwischen - und wurde grundsätzlich: Man könne in einer Stadt nicht für jeden ein eigenes Fleckchen schaffen. "Was meines Erachtens fehlt, ist der Mut zu sagen, ich gehe jetzt mit Kopftuch und Burkini schwimmen." Es gehe darum, dass Mädchen diesen Mut entwickeln können. Eine junge Frau ergänzte, dass es doch auch eine Damensauna gebe und wo denn das Problem sei. SPD-Stadträtin Verena Dietl will das Anliegen übernehmen, und Grünen-Stadträtin Anja Berger sagte: "Ich wünsche mir, dass ihr euch für nichts schämt, schon gar nicht für euren Körper."

Das Anliegen der 19-jährigen Ajla von der Wilhelm-Busch-Realschule wirkte dagegen einfach: Sie möchte Polizistin werden. Doch als sie sich für ein Praktikum bewerben wollte, sei sie immer wieder an neue Ansprechpartner verwiesen worden, habe verschiedene Gründe gehört, warum das nicht gehe. Nun sagte sie: "Ich glaube, der einzige Grund ist, dass ich ein Mädchen bin." SPD-Bezirksrätin Hofmann bot ihr daraufhin an, gemeinsam mit ihr zur Polizei zu gehen. "Bei mir sagt man nicht so schnell nein", versprach Hofmann - das zumindest habe sie in den 40 Jahren, die sie für die Rechte von Frauen kämpfe, geschafft. "Sollen wir das machen?" "Ja", sagte Ajla. "Guad, dann mach ma des."

Ein Gruppenfoto zum Abschluss und eine Frage an die Leiterin der Gleichstellungsstelle, Nicole Lassal: Hätte sie sich für diesen Nachmittag ein bisschen weniger Religion und etwas mehr Frauenrechte gewünscht? "Mir ist es wichtig, dass Mädchen dazu ermutigt werden, ihre Anliegen einzubringen. Die müssen nicht meinen Wünschen entsprechen", antwortete sie. Wichtig sei, dass die Mädchen sich trauen, für ihre Überzeugungen einzustehen. "Insofern", sagte Lassal, "sind das Frauenrechte."