Diskriminierung:Vom schwierigen Kampf gegen rassistische Worte

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"München ist subtil rassistisch" vom 19. April:

Sprachkorrekte Heucheleien

"Sprache schafft Wirklichkeit", sagt Jiréh Emanuel, und er hat damit recht. Aber ich glaube nicht, dass die Ächtung bestimmter Worte an Diskriminierung irgend etwas ändert. Nun sagt man statt des N-Worts Schwarze/r oder Farbige/r. Was, bitte, ist daran weniger diskriminierend? Kamala Harris, die amerikanische Vizepräsidentin, wird gerne so genannt, dabei ist ihre Haut kaum dunkler als die einer Spanierin. Wozu überhaupt ist es nötig, solcherart Klassifizierung ständig im Munde zu führen? Spricht man von Putin als Russe Putin, von Söder als Franke Söder, von Boris Johnson als blonder Premier oder von Sebastian Kurz als brünetter Kanzler? Mitnichten. Es sollte überhaupt keine Rolle spielen, ob einer blond, brünett, Franke, Farbiger, Schwarzer oder sonst irgendwas ist. Das wäre schon mal ein erster Schritt, und man kann nur darauf hoffen, dass es durch die Zuwanderung irgendwann normal sein wird, dass im Kindergarten, in einer Klasse, auf der Uni auch Menschen mit dunklerer Hautfarbe vertreten sind. Durch Verordnen oder durch Verbote bestimmter Wörter schafft man es nicht, Diskriminierung zu beenden. Allenfalls schafft man Heuchler/-innen. Renate Seitz, München

Mitnehmen statt überfordern

"Rassistische Sprachmuster zu entfernen" wird gewiss nicht zu der besseren Welt führen, die sich der im Artikel porträtierte Münchner Musiker mit aller Berechtigung wünscht. Entwertungen und Beleidigungen angemessen entgegenzutreten, ist eine Sache, "subtilen Rassismus" mit "Ächtung" eines Wortes entgegenzutreten - weitere zu ächtende Worte werden folgen - jedoch eine andere. Die sprachpolitische Handlungsausrichtung der für Diversität aktiven Menschen wird nicht zu mehr gegenseitiger Achtung führen, sondern unser Miteinander schrittweise verminen und damit leider Kräften im Rechtsaußen Zulauf verschaffen, wenn Menschen, die sich zu Unrecht angegriffen fühlen, die Sinnhaftigkeit nicht mehr begreifen. Wir täten besser daran, uns die vielen Situationen realer Diskriminierung, die im Artikel angesprochen werden, zur Veränderung vorzunehmen und mit Eingriffen in die Alltagssprache zu warten, bis vielleicht die Mitte der Gesellschaft innerlich so weit ist, auch mitzugehen. Wörter als "niveaulos" zu kritisieren sollte reichen; muss man sie gleich verbieten? Michel Marpert, Weingarten

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