Nominierungsparteitag der SPD„Es gibt nur ein’ Dieter Reiter“

Lesezeit: 4 Min.

95,2 Prozent der Stimmen erhielt Dieter Reiter beim Nominierungsparteitag der SPD.
95,2 Prozent der Stimmen erhielt Dieter Reiter beim Nominierungsparteitag der SPD. (Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Münchner SPD nominiert Dieter Reiter mit 95,2 Prozent der Stimmen als Oberbürgermeister-Kandidat für die Kommunalwahl am 8. März 2026.
  • Reiter hatte keine Gegenkandidaten und erhielt von 104 gültigen Stimmen 99 Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.
  • In München leben heute 150 000 Menschen mehr als 2014 zu Beginn von Reiters erster Amtszeit, bezahlbarer Wohnraum bleibt zentrales Thema.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die Münchner SPD kürt den amtierenden Oberbürgermeister einmal mehr zu ihrem Kandidaten für das Amt des Stadtoberhaupts. Die Delegierten wählen ihn mit überragender Mehrheit. Vor welchen Problemen der neue OB stehen wird, klingt nur leise an.

Von Anna Hoben

Und dann betritt Dietmar Holzapfel mit umgehängtem Akkordeon die Bühne. Zusammen mit seinem Mann Sepp Sattler performt der Betreiber des Lokals „Deutsche Eiche“ im Gärtnerplatzviertel ein eigens für den Anlass geschriebenes Dieter-Reiter-Lied, zur Melodie von „Guantanamera“. Es geht so: „Er lässt die Grünen erzittern, ja selbst die Schwarzen verbittern! Die ganze Stadt kann es wittern: Dieter macht weiter! Es ist ja keiner gescheiter als unser Dieter Reiter!“ Rhythmisches Klatschen im Saal. „Ein Dieter Reiter, es gibt nur ein’ Dieter Reiter!“

Seit 21.32 Uhr am Montagabend muss man es nicht mehr nur wittern. Seitdem ist es offiziell: Der bisherige Oberbürgermeister Dieter Reiter ist auch der Oberbürgermeister-Kandidat der Münchner SPD für die Kommunalwahl am 8. März 2026. Mit einer überragenden Mehrheit von 95,2 Prozent haben ihn die Delegierten auf dem Nominierungsparteitag in der Alten Kongresshalle am Bavariapark dazu gewählt. Von 104 gültigen Stimmen erhielt Reiter, der keine Gegenkandidaten hatte, 99. Drei Delegierte stimmten mit „Nein“, zwei enthielten sich. Er wolle mit „Hirn, Herz und Handlungen“ die Stadt gestalten, hatte Reiter in seiner Rede gesagt. „Ich bin nicht perfekt, aber ich bin immer echt.“

Die ehemalige Bürgermeisterin Christine Strobl, die Reiter als Kandidat vorschlug, schloss ihre Rede mit einem Satz, den sie als „Tatsache“ ankündigte: „Der Oberbürgermeister wird auch nach dem 8. März 2026 wieder Dieter Reiter heißen.“ Das gilt vielen als äußerst wahrscheinlich; gewählt werden muss trotzdem noch. Und ein Wahlkampf steht ja auch noch an; Probleme, um die Politiker sich kümmern sollten, Themen, mit denen sie um Stimmen werben könnten, gibt es in München gerade mehr als genug.

Strobl will nur einen Punkt nennen, den aus ihrer Sicht wichtigsten: „Wir müssen weiter bezahlbaren Wohnraum schaffen und erhalten.“ Die Stadt sei eine andere als 2014, sagt Strobl, also zu Beginn von Reiters erster Amtszeit. In München leben heute 150 000 Menschen mehr als damals, es ist also eine Stadt von der Größe Regensburgs hinzugekommen. Dieter Reiter indes sei „immer noch der gleiche unprätentiöse Mensch“ wie vor knapp zwölf Jahren. Einer, der nie „das große Ganze aus den Augen“ verliere und ein „Macher“ sei.

Reiter habe gegen Widerstände die München-Zulage eingeführt, und das milliardenschwere Schulbauprogramm wäre ohne ihn nicht aufgesetzt worden, so Strobl. Er habe in finanziell guten Zeiten Entscheidungen getroffen, die auch nachfolgenden Generationen guttäten. Es ist das einzige Mal an diesem Abend, dass leise anklingt, dass in der nächsten Amtsperiode erst einmal weiterhin Sparen angesagt sein dürfte. Strobl beschreibt Reiter aber auch als Oberbürgermeister der kleinen Themen. Da könnten viele von ihm lernen, sagt sie: „Den Menschen ist oft die Situation vor ihrer eigenen Haustür wichtiger als globale Themen.“

„Er ist stets ehrlich und offen, lässt für die Zukunft uns hoffen“ – Dietmar Holzapfel intonierte ein Lied, das den Oberbürgermeister ins rechte Licht rücken sollte.
„Er ist stets ehrlich und offen, lässt für die Zukunft uns hoffen“ – Dietmar Holzapfel intonierte ein Lied, das den Oberbürgermeister ins rechte Licht rücken sollte. (Foto: Stephan Rumpf)

Apropos Sparen und folgende Generationen: Die Vorsitzende der Münchner Jusos und deren Spitzenkandidatin für die Stadtratswahl, Paula Gundi, spricht in ihrer Rede über das ambivalente Lebensgefühl junger Menschen. Die Stadt habe für sie „verdammt viel zu bieten, aber man muss es sich auch leisten können“. Dass sie und viele andere junge Münchnerinnen und Münchner nicht daran dächten, wegzuziehen, liege auch daran, dass die SPD seit Jahrzehnten gute Politik für sie mache, Gundi nennt als Beispiele das Azubiwerk und das Haus der Schülerinnen und Schüler. Reiter und die Jusos seien „vielleicht nicht immer einer Meinung, aber wir wissen dich an unserer Seite – und du uns hoffentlich auch, wenn es um die wichtigen Dinge geht“.

Christine Strobl, Paula Gundi, Bürgermeisterin Verena Dietl, die als Moderatorin gemeinsam mit dem Münchner SPD-Chef Christian Köning durch die Veranstaltung führt – es sind an diesem Abend vor allem Frauen, die Reiter mit Anerkennung bedenken. Zusammen mit der früheren Bürgermeisterin Gertraud Burkert seien es „vier Generationen von Frauen, die hinter unserem Oberbürgermeister Dieter Reiter stehen“, sagt Dietl. Doch Strobl widerspricht ihr später in einem Punkt: „Ich bin gelegentlich auch vor den Oberbürgermeistern gestanden, das geht auch.“

Standing Ovations für den Oberbürgermeister – dass die Münchner SPD hinter ihrem Kandidaten steht, wurde beim Nominierungsparteitag sehr deutlich.
Standing Ovations für den Oberbürgermeister – dass die Münchner SPD hinter ihrem Kandidaten steht, wurde beim Nominierungsparteitag sehr deutlich. (Foto: Stephan Rumpf)

Aber nicht nur vor und hinter sich, auch links und rechts hat Reiter Frauen zur Seite – im Publikum sitzt auf der einen seine Frau Petra, auf der anderen seine Mutter Franziska. „Das war mal interessant“, sagt die 95-Jährige später auf die Frage, wie sie den Abend gefunden habe. Reiter selbst vermutet, seine Mutter habe noch nie „so viel Positives über mich gehört“. Er wirkt nach so viel Lob fast ein wenig geplättet, als er schließlich, von Dietl als „Hauptact“ angekündigt, die Bühne betritt. Es beinhalte ja immer ein Restrisiko, die Jusos reden zu lassen, sagt er, aber die Rede von Gundi habe er „grandios“ gefunden. „Eigentlich brauch’ ich nichts mehr sagen“, sagt Reiter, „es ist schon alles gesagt, und besser krieg’ ich’s nicht hin.“

Dann spricht er freilich doch 50 Minuten lang und erntet am Ende Standing Ovations. Er rekapituliert den Weg von seiner ersten Kandidatur („Ich hatte bis zum letzten Tag Zweifel, ob es gelingen kann, Christian Ude nachzufolgen“) bis heute, über Markantes wie die Schließung der Bayernkaserne 2014 und die Ankunft Hunderttausender Geflüchteter 2015 bis zu den anderen globalen Krisen wie der Corona-Pandemie, die seine bisherige Amtszeit geprägt haben.

Reiter erklärt sein Politikverständnis, das vom direkten Kontakt mit den Menschen, etwa in Bürgersprechstunden, geprägt ist („So muss man in Zukunft Politik machen“). Er sagt, dass er es nicht möge, wenn seine Mitbewerber „die Stadt schlecht machen“ – auch die Münchner würden das nicht mögen, trotz ihres Hangs zum Granteln. Und immer wieder lobt er auch zart die Partei zurück, die ihn zuvor so ausgiebig gelobt hat. München, sagt Reiter, stehe wegen der SPD gut da. Nun gehe es darum, das im Wahlkampf klarzumachen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Stadtbevölkerung
:Wie München wächst und wo künftig die Jungen wohnen

In 20 Jahren könnten in München mehr als 1,8 Millionen Menschen leben. Der neue Demografiebericht zeigt, wohin es neue Einwohner zieht, woher sie kommen – und welche Viertel langsam altern.

SZ PlusVon Hanna Eiden, Sebastian Krass und Katja Schnitzler

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: