Pedro F. und seine Komplizen überließen nichts dem Zufall, wenn es darum ging, lohnende Beute zu machen. Akribisch und geradezu generalstabsmäßig spionierten sie potenzielle Opfer aus, um dann schnell und professionell zuschlagen zu können.
Die zeitweise aus fünf Mitgliedern bestehende Bande, zu der F. gehörte, hatte sich darauf spezialisiert, die Anlieferung und Abholung von Paketen bei Edelmetallhändlern und Luxusgeschäften in deutschen Städten auszukundschaften. Zwei Mitglieder der Bande wurden bereits zu Haftstrafen von jeweils knapp sechs Jahren verurteilt. Seit Montag muss sich nun Pedro F. vor der 9. Strafkammer am Landgericht München I verantworten.
Die Staatsanwaltschaft legt dem 60-Jährigen schweren Bandendiebstahl sowie besonders schweren Diebstahl zur Last. Insgesamt geht es um vier Fälle zwischen Herbst 2019 und Januar 2023. Den ersten Coup landeten F. und die beiden schon verurteilten Bandenmitglieder laut Anklage am 20. September 2019 in München.
Am Nachmittag jenes Tages hatte das Trio den Fahrer eines Paketdienstleisters ins Visier genommen, der bei einem großen Edelmetallhändler in Trudering 19 Pakete abgeholt hatte. Unbemerkt folgten sie ihm in einem Mietwagen nach Aschheim, wo der Fahrer erneut stoppte, um eine Pause zu machen. Obwohl er dazu in seinem Wagen geblieben war, drangen F. und einer seiner Komplizen auf unbekannte Weise in den Lieferraum des Fahrzeuges ein und stahlen daraus insgesamt sechs Pakete. Darin verpackt waren Gold- und Silbermünzen. Den Wert der Beute beziffert die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage auf knapp 131 000 Euro.
Außer in München war die Bande noch in Frankfurt am Main, Köln und zuletzt in Erding aktiv. Auch bei der Tat in Erding hatten es F. und seine Mittäter auf die Fahrerin eines Paketdienstleisters abgesehen, die bei einem Edelmetallhändler Pakete abgeholt hatte. Nachdem die Fahrerin kurz nach 16 Uhr am 27. Januar 2023 bei dem Unternehmen 18 Pakete in ihr Fahrzeug verladen hatte, folgten ihr F. und ein weiterer Mittäter. Als die Botin erneut stoppte, um ein weiteres Paket abzuholen, schlugen F. und sein Komplize zu. Wie es ihnen gelang, in den Lieferwagen einzusteigen, ist nicht bekannt.
Jedenfalls, so die Anklage, hätten die Täter „gezielt“ die 18 Pakete des Edelmetallhändlers entwendet und seien dann geflüchtet. Die Beute in diesem Fall: Gold-, Silber- und Platinmünzen im Wert von knapp 105 000 Euro. Bei den weiteren Diebstählen in Frankfurt am Main und Köln erbeuteten F. und seine Komplizen Schmuck beziehungsweise Armbanduhren, unter anderem der Marke Rolex. In den beiden Fällen betrug der Wert der Beute insgesamt knapp 124 000 Euro.
Nach Verlesung der Anklage kam es zum Prozessauftakt am Montag auf Initiative des Verteidigers von Pedro F., Rechtsanwalt Maximilian Richter, zu einem Rechtsgespräch mit dem Vorsitzenden der Kammer, Richter Christian Daimer, und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Pedro F. hat für eine der Taten aus der Diebstahlserie, die er mit seinen Komplizen begangen hat, bereits eine von einem Schöffengericht am Amtsgericht Frankfurt am Main verhängte Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten abgesessen. Für den Fall eines umfassenden Geständnisses im Hinblick auf den jetzigen Prozess sicherte die Kammer ihm eine Haftstrafe zwischen drei Jahren und drei Jahren und neun Monaten zu. Der 60-Jährige nahm das Angebot an. Das ursprünglich auf acht Verhandlungstage angesetzte Verfahren dürfte sich damit erheblich verkürzen.

