Diebstahl in München Die Masche mit den Arabern

Ein Juwelier in der Neuturmstraße ist von diesen beiden Trickdieben ausgeraubt worden.

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Der Goldschmied hat sie für hochkarätige Kundschaft aus Arabien gehalten und sie freundlich bedient. Das wurde ihm zum Verhängnis: Ein Gaunerpärchen hat dem Münchner Juwelier Schmuck im Wert von 185.000 Euro gestohlen.

Von Susi Wimmer

Ja, der Auftritt der Betrüger sei schon perfekt gewesen, sagt Thomas Jirgens: Sehr gut gekleidet, das Pärchen, sie machten Glauben, sie seien "shopping assistents" einer gutbetuchten Persönlichkeit aus Arabien. Vielleicht aus dem Königshaus, sie sprachen nur immer von "my lady".

Als sie die "Juwelenschmiede" an der Neuturmstraße verließen, verschwand mit ihnen ein 160 000 Euro teurer Brillantring sowie ein Diamant im Wert von 25 000 Euro. Thomas Jirgens wurden die Knie weich, als er den Verlust bemerkte. Der Goldschmied war einem europaweit agierenden Gaunerpärchen aufgesessen: ein 37-jähriger Mann aus Marseille und seine 47-jährige Schwester.

Jetzt will Jirgens seine Kollegen weltweit vor dem flüchtigen Duo warnen. Ein Interview? Ja, dazu sei er schon bereit, sagt Jirgens. Die Stirnhaube mit den vorgespannten Vergrößerungsgläsern behält er auf dem Kopf, beugt sich über seinen lichtbestrahlten Arbeitsplatz und feilt an einem Musterring. Er will weitermachen, den entstandenen Schaden ausgleichen, "eineinhalb Jahre umsonst gearbeitet".

Der Brillantring war ein besonderes Stück, "eines meiner Babys", sein bislang größter Brillant mit 10,03 Karat, gelb schimmernd, aus Israel. Jirgens ist nicht nur Gold- und Silberschmied, sondern auch Diamantgutachter und Gemmologe. Er reist viel, besucht Messen und ist immer auf der Suche nach besonderen Steinen. Der "Spiral Sun Diamond Ring" war so ein extravagantes Exemplar.

"Wir freuen uns immer über ausländische Gäste"

Die Diebe kamen am Montag gegen 10:45 Uhr in den Laden. Sie gaben die hochkarätige Kundschaft, "man hat ihnen die Araber schon abgenommen", sagt Thomas Jirgens. Obwohl, im Nachhinein betrachtet, hätte ihn das schlechte Englisch stutzig machen können. Er selbst bediente sie. "Wir freuen uns immer über ausländische Gäste", sagt er. Gleich gegenüber liegt das Hotel Mandarin Oriental, wo schon mal Mitglieder der saudiarabischen Königsfamilie Al-Saud absteigen sollen.

Doch dieses Geschwister-Pärchen war alles andere als blaublütig. Die zwei ließen sich ein ums andere Schmuckstück zeigen, hielten Jirgens auf Trab, einer lenkte ab, der andere schlug zu. "Es ist so wie bei diesem Hütchen-Spielertrick", sagt Jirgens, "du schaust auf die Hütchen, während er sie verschiebt, und bemerkst nicht, dass dir ein anderer in der Zwischenzeit die Brieftasche klaut".

Der Betrüger gab Jirgens das Schmuckschächtelchen mit dem Ring zurück, schloss es vor seinen Augen. Und vermutlich zog er an der von Jirgens abgewandten Seite mit einem Finger den Ring flugs heraus. Jirgens jedenfalls schloss ein leeres Schächtlein in den Tresor. Das Paar verabschiedete sich, wollte am nächsten Morgen wieder da sein. Minuten später bemerkte Jirgens den Verlust.

Kriminaloberkommissar Rainer Schink ist trotzdem der Meinung, das Jirgens "alles richtig" gemacht hat. Die Ware in der Juwelenschmiede sei sehr gut gesichert, die Videoüberwachung vorbildlich. Die Täter allerdings seien echte Profis gewesen. Zuletzt hatten sie Anfang 2014 in Düsseldorf zugeschlagen, sie waren auch schon in Mainz, Reutlingen, Augsburg sowie im europäischen Ausland aktiv.

Schink geht davon aus, dass hinter der Bande mehrere Köpfe stecken, die den Verkauf des extravaganten Ringes schon vorbereitet haben. "Er wird wohl in Einzelteile zerlegt und verkauft." Jirgens ist ein gläubiger Mensch. "Gott gibt und Gott nimmt", sagt er. Lamentieren will er nicht. Er glaubt an den göttlichen Ausgleich.