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Die Woche von:Claudia Koreck

Kultur- und Freizeittipps der Traunsteiner Singer-Songwriterin - vom Schafkopfen in prominenter Runde über einen Besuch der Bavaria-Filmstudios bis zum Konzert von Willy Michl. Ein Gastbeitrag.

Claudia Koreck

Freiheitsliebend: die bayerische Sängerin und Songschreiberin Claudia Koreck.

(Foto: Gunnar Graewert)

Donnerstag, 6. August

Meine Woche startet mit einem Spaziergang im Nymphenburger Schlossgarten. Wie damals, als ich meinen Mann Gunnar Graewert kennengelernt hatte, der unter anderem in München aufgewachsen ist. Mittlerweile sind wir Eltern von zwei Kindern. Als unsere Tochter vier Jahre alt war, haben wir uns das Schloss angesehen. Sie ist bestimmt eine halbe Stunde in der prächtigen Halle gestanden und hat in ihrem Kleid getanzt, als wäre sie auf einem Ball. Das war sehr süß, und dieser Erinnerung möchte ich gerne wieder einmal nachgehen. Zum Ausklang fahren wir noch in die Innenstadt auf ein Glas Wein im Kleinen Kameel, ein bisserl sitzen, ratschen und "Leute schauen".

Freitag, 7. August

Heute ist für mich ein besonderer Tag. Mein Album Auf die Freiheit wird veröffentlicht. Über ein Jahr haben wir auf diesen Tag hingearbeitet. Die derzeitigen Einschränkungen durch Corona treffen uns Künstler mit voller Wucht, wie viele andere auch. Viele Auftritte wurden abgesagt, und wir wissen nicht, ob wir im Herbst auf Konzerttournee gehen können. Trotzdem denke ich, dass Musik gerade jetzt wichtig ist und die Menschen gute Energie gebrauchen können. "Auf die Freiheit" ist eher ein sonniges Album, feiert das Leben in all seinen Farben und die Musik in verschiedenen Stilrichtungen. Jeder Song klingt anders und eigen und es hat so viel Spaß gemacht, musikalisch auch für mich eher ungewohnte Facetten zeigen zu können.

Samstag, 8. August

Heute freue ich mich auf einen "verschlenderten" Vormittag, besuche ein paar Klamottenläden in der Hohenzollernstraße, danach meinen Lieblingsladen Kadoh in der Sendlinger Straße. Dort finde ich eigentlich immer etwas Hübsches für daheim. Dann Mittagessen im Bratwurstherzl hinterm Viktualienmarkt und danach noch ein paar Schmankerl mitnehmen. Obwohl ich nicht schwanger bin, liebe ich die großen Essiggurken, nehme eine Tüte mit und koste schon eine auf der Fahrt. Da könnt i mi glatt neileng...

Sonntag, 9. August

Am Sonntag heißt's "Auf die Oide". Nein, das ist bei weitem nicht so primitiv, wie es sich liest. Ich treffe mich in geselliger Runde im Wirtshaus in der Au zum Schafkopfen, ein sehr anspruchsvolles Spiel. Meine Lieblingsrunde wäre mit Hannes Ringlstetter, Marcus H. Rosenmüller und Michael Leopold von Sky. Er veranstaltet gemeinsam mit Thomas Müller jedes Jahr ein "Benefiz"-Schafkopfen. Der Erlös geht an die Nicolaidis Young Wings Stiftung in München, die trauernde Kinder, Jugendliche und Erwachsene begleitet.

Montag, 10. August

Heute geht's mit den Kindern in die Bavaria-Filmstudios. Das gab's schon zu meinen Kinderzeiten als Ferienprogramm. Man musste allerdings im Morgengrauen auf der Matte stehen, um noch einen Platz zu ergattern. Kaum zu schaffen für uns damals. Aber einmal haben sich unsere Eltern ans Herz gefasst und sind mit uns in aller Herrgottsfrüh hingefahren und es hat geklappt. Ich habe es geliebt! Am faszinierendsten fand ich die Kulisse zur "Unendliche Geschichte", eines meiner Lieblingsbücher und Filme. Mein Sohn und ich haben das Buch gerade gemeinsam gelesen und den Film angeschaut. Den Drachen Fuchur in der Filmstadt zu bewundern, wird für ihn sicherlich ein Ferienhighlight sein.

Fuchur 'Die unendliche Geschichte'

Michael Endes "Die unendliche Geschichte" gehört zu Claudia Korecks Lieblingsbüchern, das sie gerade mit ihrem Sohn noch einmal liest (Filmszene mit Noah Hathaway als Atreju mit dem Drachen Fuchur).

(Foto: dpa)

Dienstag, 11. August

Heute Abend is ois Blues! Es spielt auf: der wunderbare Willy Michl im Innenhof des Deutschen Museums. Auf seinen Konzerten weiß man ja nie, was einen erwartet. Willy als Mensch verkörperte für mich schon immer die Freiheit an sich, weil er stets dem Ruf seines Herzens folgt. Als ich einmal recht down war ob der scheußlichen politischen Lage und mir das Schreiben positiver Lieder schwer fiel, sagte er zu mir, dass man nicht den Schmerz der ganzen Welt auf sich laden kann. Da würde man daran kaputt gehen. Das hat mich ermutigt, mir in meiner Musik alles zu erlauben. Deshalb hab' ich ihm auf dem neuen Album auch den Song "Indianer" gewidmet. Mal schauen, welche Weisheiten der Willy seinen Fans heute mit auf den Weg gibt.

Mittwoch, 12. August

Die Woche lassen meine Familie, zu der auch unser Hund "Marty Mc Fly" gehört, und ich mit einem Spaziergang im Ostpark ausklingen. Wir reisen sozusagen zurück in die Zukunft, denn wir haben lange in Ramersdorf gewohnt. Als unser Sohn noch klein war, ist er mal in kompletter Montur in den Hachinger Bach gefallen, weil er einem selbstgebautem Schifferl hinterherlaufen wollte. Ich hab mich so erschreckt und ihn dann völlig durchnässt heimgetragen, aber Timmi fand's recht witzig. Diese Stelle werde ich ihm heute mal zeigen. Brotzeit nehmen wir uns mit von der Bäckerei Haggenmüller. Ich habe nie bessere Brezn, Semmeln oder Brot gegessen. Seit wir im Chiemgau leben, vermisse ich diese Bäckerei fast mit am meisten.

Zur Person

"Auf die Freiheit" heißt das neue Album von Claudia Koreck, das am 7. August auf dem eigenen Label Honu Lani Records erscheint. Es ist das inzwischen zehnte Studioalbum der Traunsteinerin, auf dem sie sich experimentierfreudig wie noch nie zeigt: Die stilistische Bandbreite reicht von der funky Disco-Nummer über Gypsy-Folk bis zum Trompeten-Reggae-Schelmenstück. Für Herbst ist eine Tour geplant (aktuelle Infos dazu unter www.claudiakoreck.com). Zuletzt hatte Koreck mit Kinder- und Weihnachtsplatten auf sich aufmerksam gemacht, das jüngste Studioalbum war "Holodeck" von 2017. Der Durchbruch war der Singer-Songwriterin, die auf Bairisch, Deutsch und Englisch singt, bereits 2007 mit ihrem Debüt "Fliang" und der gleichnamigen Hit-Single gelungen. Claudia Koreck, Jahrgang 1986, lebt mit ihrem Mann, dem Produzenten Gunnar Graewert, und ihren zwei Kindern in der Nähe von Traunstein.

© SZ vom 06.08.2020

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