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Die Wiesn-Chefin:Endlich mal ohne Dirndl

Gabriele Weishäupl

27 Jahre lang war Gabriele Weishäupl Leiterin des Münchner Fremdenverkehrsamts und damit auch Wiesn-Chefin. Der Bayerische Rundfunk zeigt heute einen Film über sie.

(Foto: Frank Leonhardt/dpa)

Das Bayerische Fernsehen porträtiert Gabriele Weishäupl

Der Fluch der Prominenz besteht oft darin, für alle Ewigkeit mit einer Nebensache in Verbindung gebracht zu werden. Das ist auch der Fall bei Gabriele Weishäupl, die 27 Jahre lang die Fremdenverkehrschefin von München gewesen ist und damit auch oberste Chefin des Oktoberfests. Gabriele Weishäupl gilt seither als fleischgewordenes Dirndl, weil sie dieses Kleidungsstück als Marketingwerkzeug entdeckte. Sie ist also nicht unschuldig daran, dass junge Frauen heute blöd angeredet werden, wenn sie nicht im Dirndl auf die Wiesn gehen. Und das, obwohl Weishäupl selber als junge Frau "immer in Jeans" dorthin ging.

Insofern ist es schön, dass das Dirndl im Porträt des Bayerischen Fernsehens, das Susanne Fiedler in der Reihe "Lebenslinien" über sie gedreht hat, nur sehr am Rande vorkommt. Etwa als Zitat aus der Abiturzeitung. "Phantasievoller Vamp im Dirndl", wurde sie charakterisiert, und: "Begabt auf der ganzen Linie." Die junge Gabriele, aufgewachsen in Aicha vorm Wald als einzige Tochter eines Landarztes, ging zum Studieren nach München. Zeitungswissenschaften, Philosophie und Geschichte, eigentlich wollte sie ins Feuilleton einer Zeitung. Aber ihre Studienjahre waren in vielerlei Hinsicht spannend, und sie hat es wohl auch krachen lassen, wenn man die spärlichen Andeutungen von ihr und ihren Freundinnen richtig deutet.

Es folgte eine beachtliche Karriere - erst als Boulevardreporterin, als Dozentin an der Uni, und schließlich als Leiterin des Fremdenverkehrsamts. "Die kluge Gabi stellte 40 Männer kalt", titelte die Bildzeitung damals, denn im Bewerbungsverfahren trat sie als einzige Frau an und gewann. Überhaupt war die selbstbewusste Gabi früh emanzipiert und ließ sich den Schneid nicht abkaufen - offenbar auch nicht von Fernsehreporterinnen. Denn: Was sie nicht erzählen will, das erzählt sie eben nicht. Das gilt auch für Susanne Fiedler. Ist das ein Manko für den Film? Eher nicht. Allerdings hätte man gern ein paar Stimmen von den selbstbewussten Männern gehört, mit denen die resolute Gabi beruflich so zu tun hatte. Einzig der ehemalige Wiesnwirt Peter Inselkammer senior kommt ausführlicher zu Wort. Das lässt vermuten, dass sie sich nicht nur Freunde gemacht hat unter den Wirten der großen Zelte. Die reagierten übrigens eher ablehnend auf den jüngsten Vorschlag der kleinen Zelte, wieder einen nicht parteipolitisch gebundenen Wiesn-Chef zu berufen.

Lebenslinien: Ich war die Wiesnchefin.

© SZ vom 24.09.2018 / fjk
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