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Die Stadt und ihr Fluss - Teil 2:Reißende, reizende, reiche Isar

Mönche flohen vor den Hunnen dorthin, wo München heute steht - die Stadt verdankt ihre Entwicklung dem Fluss und seinen Stadtbächen.

An Münchens Anfang steht die Isar. Möglicherweise gleich zweimal: Aus einem "Rettungshügel" nahe ihrem Westufer wurde nach mündlicher Überlieferung einst eine erste Siedlung. Die wiederum verdankt einer Isarbrücke den Aufstieg zu Markt und Stadt. Vom Einfluss der Isar auf München und vom Wandel, dem sie auf ihrem Durchzug selber ausgesetzt war und ist, handelt unsere Flusskreuzfahrt durch die Jahrhunderte.

Beliebter Treffpunkt der Isarschiffer, aber auch "In-Lokal" von Schauspielern, Adeligen und Studenten war seit dem 18. Jahrhundert das Gasthaus "Zum grünen Baum" an der Unteren Isar-Lände.

(Foto: Repro: Stadt München)

Als nach der Niederlage des bayerischen Heeres unter Markgraf Luitpold anno 907 bei Preßburg die Hunnen über Bayern herfallen, breiten sie sich mit ihren kleinen Rössern rudelweise im Gebiet zwischen Isar und Amper aus.

Flucht aufs Petersbergl

Auch im Kloster Schäftlarn, das damals schon 150 Jahre alt ist, sieht man sich zu Sicherheitsvorkehrungen genötigt. Ein Teil der Mönche macht sich mit dem Kirchenschatz nordwärts auf den Weg. Nach ein paar Stunden bietet sich ihnen in der Isartalödnis eine kleine Erhebung mit schützenden Höhlen als Flüchtlingslager an - unser heutiges Petersbergl.

Schäftlarn brennen die Hunnen nieder; auch im nahen Sendling, Giesing und Haidhausen - München existiert ja noch nicht - wüten sie. Das Versteck auf dem Petersbergl aber bleibt unentdeckt. Und nach ihrer Rückkehr um 913 beschließen die Mönche, das bisherige Notquartier zu einer "Filiale" auszubauen, um die herum sich bald Bauern ansiedeln. "Ze den Munichen" - bei den Mönchen, nennt man das Dorf.

Rund 250 Jahre später lässt Herzog Heinrich der Löwe die Föhringer Isarbrücke niederbrennen und in München zwischen 1156 und 1158 (in Höhe der heutigen Ludwigsbrücke) eine neue errichten. Sie bringt dem Ort das bisher in Föhring zu Gunsten der Freisinger Bischöfe ausgeübte Markt- und Münzrecht, mit dem die lukrativen Zolleinnahmen aus den Reichenhaller Salztransporten verbunden sind.

Sichere Festungsmauern

Die neue Stadt braucht Wirtschaftskraft, die sich nicht allein aus Brücken- und anderen Transitzöllen ergibt. Und Sicherheit. Für die sorgen Festungsmauern mit zwei Bachringen, von Isarwasser gespeist. Deren Spuren belegen ursprünglichen Umfang und erste Erweiterung Münchens. Bei den folgenden Expansionen, beginnend an der Wende zum 19. Jahrhundert, sind dann die Zeiten von Wall und Graben vorbei.

Zunächst umschloss der innere Ring die leonische Stadt, so benannt nach ihrem Gründer, Heinrich dem Löwen. Doch drinnen wird es bald zu eng. Die neuen Häuser an der Neuhauser und Sendlinger Gasse, im Tal und an der heutigen Dienerstraße kommen bereits außerhalb zu liegen; ebenso die nach dem Bürgeraufstand von 1385 den Alten Hof ablösenden Bauten der neuen Residenz.

Der zweite, äußere Schutzring wird fällig, vom Hofgartenrand verläuft er über den heutigen Maximiliansplatz, den Stachus und die Sonnenstraße zum Sendlinger Tor; von dort zum Isartor und um das Kosttor herum, die "Neufeste" einschließend, zum Ausgangspunkt zurück.

Bauboom verändert Flusslandschaft

Diese Gräben vor den Stadtmauern entsorgen auch die Abwässer. Mit den Nebenarmen der Isar bilden sie ein Netzwerk, das die Stadt mit Energie versorgt, das Mühlen, Eisenhämmer und Sägewerke antreibt, Brunn- und Pumpanlagen fürs Trinkwasser bedient. Im Zug des Baubooms, der Ende des 19. Jahrhunderts einsetzt, werden die Stadtbäche mehr und mehr überwölbt. Das Altstadtbild verändert sich dadurch, denn sie tauchen nur mehr an wenigen Stellen auf - wildromantisch etwa auf einer kurzen Strecke bei der Pfistermühle.

Energie aber liefert die Isar nun vor allem in Form von Strom, dank der Kraftwerke und Kanäle. Der in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts beginnende U- und S-Bahnbau bringt für fast alle diese Wasserläufe das Aus. Übrig bleiben zunächst nur die Bachläufe durch den Englischen Garten, der - Rumford hin, Sckell oder Werneck her - ohne die Wasserspenden der Isar überhaupt nicht denkbar wäre.

Ebenso bedeutsam wie jeder der Stadtbäche ist für München die Isar-Hauptader. Ein erster Beleg, wonach es schon Ende des 7. Jahrhunderts dort Floßverkehr gegeben hat, findet sich im Bericht des Freisinger Bischofs Arbeo (746-783) über das Leben des heiligen Emmeram.

Nach seinem Martertod vorübergehend in Aschheim beigesetzt, wurde sein Leichnam nahe dem heutigen Emmeram-Steg in Oberföhring zum Weitertransport nach Regensburg auf ein Isar-Floß verfrachtet. Flößbar ist die "Tochter des Karwendels" bereits von Scharnitz und Mittenwald aus - bis die Kraftwerke des 20. Jahrhunderts die Startplätze nach weiter unten verschieben.

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