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Die Seen der Münchner (10):Dorado der Profi-Griller

Der Feldmochinger See ist FKK- und rollstuhltauglich - und über Rauchschwaden ärgert sich kein Anwohner

Die Geschichte des Feldmochinger Sees ist die Geschichte einer Grenze: An wenigen Orten der Stadt gibt es einen derart abrupten Übergang von städtischem Beton zu ländlicher Natur wie hier im Münchner Nordwesten. Mehrspurige Straßen münden in mäandernde Feldwege, und urbane Wohnsiedlungen weichen ländlichen Feldern. Genau in dieser Grenzregion befindet sich der Feldmochinger See, und darin liegt für viele sein Reiz.

Freunde des gebratenen Fleisches lieben den Feldmochinger See

(Foto: Foto: Catherine Hess)

Gemeinsam mit Lerchenauer und Fasanariesee bildet der Feldmochinger See das "Seendreieck" im Münchner Norden. Präziser wäre jedoch die Bezeichnung "Seenachse", denn wie auf einer geraden Fluchtlinie vom Stadtzentrum liegen die drei Gewässer hintereinander aufgereiht. Am äußersten Ende dieser Achse befindet sich der Feldmochinger See. Doch das hält viele Badelustige nicht davon ab, den längeren Weg vorbei an den anderen beiden Gewässern in Kauf zu nehmen, um bis zum Feldmochinger See zu gelangen.

Das mag daran liegen, dass der Fahrradweg von den meisten Wohngebieten im Münchner Norden zum Feldmochinger See über Wiesen und Felder führt und somit allen Radlern das ultimative Gefühl einer erfolgreichen Stadtflucht vermittelt. Zudem lockt der See, der in den 30er Jahren angelegt wurde, mit weitläufigen Liegeflächen. Sie betten sich in eine künstliche Landschaft mit zahlreichen Bäumen und Hügeln auf einer Gesamtfläche von rund 20 Fußballfeldern. Hier rennen Kleinkinder und Jugendliche ihren Fußbällen hinterher, während gemütlichere Badefreunde Sonne tanken. Im Norden ragt zudem ein Steg in den See, der dank einer speziellen Vorrichtung auch Rollstuhlfahrern den Zugang zum Wasser erleichtert.

Ein Mekka des kultivierten Grillens

Zwei weitere Vorzüge des Feldmochinger Sees hängen mit dem Naturbiotop im Süden des Gewässers zusammen. Erstens liegen dort die Frischwasserquellen, aus denen sich der See speist und die zusammen mit dem Abfluss über einen Bach zu der guten Qualität des Wassers beitragen. Gleichzeitig befindet sich neben dem Biotop am Südwestufer ein FKK-Bereich, der dank der Bepflanzung vor unerwünschten Blicken recht gut geschützt ist.

Doch was neben all diesen Besonderheiten viele Menschen dazu verleitet, regelmäßig zum Feldmochinger See zu pilgern, ist eine andere Qualität: Hier ist das Münchner Mekka des kultivierten Grillens. Während Hobbygriller an der Isar meist nur mickrige Würstchen brutzeln, sind am Feldmochinger See die wahren Profis unterwegs. Einige unter ihnen schrecken nicht einmal davor zurück, gesamte Schweine aufzuspießen und über einem Feuer zu braten. Während an anderen Münchner Gewässern die feinsten Rauchschleier bereits verärgerte Anwohner auf den Plan rufen, scheinen hier im Grenzgebiet der Münchner Felder selbst die schwärzesten Qualmsäulen geduldet zu werden.

© SZ vom 09.09.06
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