Die neue BMW-Welt:Große Emotionen

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In der BMW Welt soll dem Kunden ein unvergessliches Erlebnis bereitet werden - auf der Baustelle kann man schon einiges davon erahnen.

Alfred Dürr

Auf der zur Zeit größten und kompliziertesten Baustelle der Stadt staubt und lärmt es gewaltig. Rund 600 Arbeiter von über 150 Firmen befinden sich im Endspurt: Nach fast sechs Jahren Planungs- und Bauzeit soll im Sommer die spektakuläre neue ,,BMW Welt'' mit dem markanten Doppelkegel am Olympiapark eröffnet werden.

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Geplant ist das Wochenende vom 28 Juli. Erwartet werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Noch kann man es sich kaum vorstellen, dass in diesem großzügig angelegten, multifunktionalen Gebäudekomplex Menschen in angenehmer Atmosphäre flanieren und die teuren, glänzenden Karossen auf den Ausstellungsflächen bewundern. Die großen Emotionen, so verkündet das Unternehmen, werden sich bald einstellen.

Es sind die Gefühle, die sich nur auf eine einzige Sache konzentrieren - eben auf das neue Automobil. Man erwartet, dass bis zu 250 Kunden täglich von hier aus mit ihrem gerade gebauten Wagen wegfahren. Der Autokauf ist also kein banaler Geschäftsvorgang. Hier geht es um eine Fahrzeugübernahme, die als ,,unvergessliches Ereignis'' inszeniert wird.

Das Herzstück des ,,Erlebnis- und Auslieferungszentrums'' ist etwas erhöht mitten in dem Komplex angeordnet und in seinen Umrissen und seiner Funktion deutlich erkennbar. Auf 20 Drehscheiben und 10 festen Stellplätzen warten die Autos auf ihre Abholer.

Zuvor wurden die Fahrzeuge aus einem gigantischen und vollautomatisch gesteuerten Tiefgaragen-Lager über Aufzüge auf die Plattform befördert. Man steigt ein, startet den Motor und verlässt über eine geschwungene Rampe voraussichtlich überglücklich das Gebäude.

Zuvor haben die künftigen Besitzer der neuen Autos in der Besucher-Lounge, die hoch oben direkt unter der Dachkonstruktion des Bauwerks angeordnet ist, auf den großen Moment gewartet.

Es gehört zum Konzept des Unternehmens, dass jeder Kunde an diesem Tag ganz persönlich und individuell betreut wird. Über eine elegant entworfene Treppe - Spötter sprechen von einer ,,Himmelsleiter'' - schreitet man schließlich hinunter zur Präsentations-Plattform.

Der Sprecher der BMW Welt, Helmut Pöschl, verrät mit keinem Ton, wie genau die Übergabe-Inszenierung später einmal ablaufen wird. Auf eher scherzhaft gemeinte Vermutungen, es könne im Augenblick des Einsteigens vielleicht weißer Rauch aufsteigen und bombastische Orgelmusik ertönen, reagiert Pöschl sehr freundlich und gelassen: ,,Vorschläge dieser Art hören wir natürlich immer wieder, aber wir haben uns schon etwas einfallen lassen.''

Große Emotionen

Dass BMW enorm viel in geradezu wissenschaftliche Untersuchungen und Strategien investiert hat, um eine moderne und ausgefeilte Präsentationstechnik anzubieten, erfährt man gewissermaßen nur nebenbei. Zu Detailfragen gibt es keine Auskunft.

Spektakuläre bauliche Effekte sind dem Architekten des außergewöhnlichen Bauwerks, Wolf D. Prix vom Büro Coop Himmelb(l)au aus Wien, gewiss nicht fremd. Aber selbst er kann seine Bewunderung nicht verhehlen, wenn die Rede auf die Auto-Inszenierung kommt: ,,Man kann wirklich noch sehr viel lernen, wie man die Dinge ins rechte Licht rückt.''

Äußerst effektvoll stellt sich zum Beispiel der breite Boulevard dar, der sich quer durch den Komplex zieht und über den die Besucher flanieren. Immerhin 850000 Gäste pro Jahr werden erwartet. Sie erleben eine Mischung aus Werbung, Information und Unterhaltung.

Hier geht es sowohl um Autos, Motorräder, Teile und Zubehör wie auch um Innovations- und Technologiethemen. Gezeigt werden, so heißt es bei BMW, umweltschonende alternative Antriebe und die intelligente Vernetzung von Auto und Umwelt.

Auch an die Kinder von technikbegeisterten Eltern ist gedacht. ,,Es wird hier aber keinen Spielplatz für die Kleinen geben'', erläutert Helmut Pöschl beim Baustellen-Rundgang. Der Anspruch ist etwas höher: ,,Junior Campus'' heißt der eigenständige Erlebnisbereich, der für Sieben- bis 13-Jährige sowie für Schüler der zweiten bis zur siebten Jahrgangsstufe gedacht ist. Mit interaktiven Medien und gestützt auf Erkenntnisse aus der Kinder- und Jugendforschung will man das Thema Mobilität anschaulich vermitteln.

Wer sein Wissen vertiefen möchte, kann dies in dem theaterähnlichen Veranstaltungsforum tun, das sich im zum U-Bahnhof gewandten Teil der BMW Welt befindet. Hier konzentrieren sich die Bauarbeiten nun auf die Möblierung. Im Auditorium haben bis zu 800 Personen Platz für Konferenzen und Konzerte, für Ausstellungen, Kino und Bankette.

Deutliche Konturen hat jetzt auch der Restaurantkomplex in der BMW Welt angenommen. Insgesamt vier Kategorien wird es geben - vom schnellen Essen im Bistro oder im Coffee-Shop über gehobenere Kategorien im internationalen Restaurant bis hin zur exklusiven Business Lounge und zum Private-Dining-Bereich.

Betreiber dieser Sektion ist das Wiener Unternehmen Do&Co. Angefangen hatte es 1981 in der österreichischen Hauptstadt mit einem Delikatessenladen, inzwischen ist man weltweit mit 2000 Mitarbeitern in den Geschäftsfeldern Restaurants, Event- und Airline-Catering tätig. Seit sechs Jahren hat Do&Co in München einen Stützpunkt.

Bauleiter Frank Haake bleibt angesichts der komplizierten Baustelle mit ihren innovativen Tragwerkskonstruktionen bemerkenswert gelassen. Immerhin hat er nicht nur das Heer von 600 Bauarbeitern zu koordinieren, sondern er muss auch dafür sorgen, dass rund 20000 Einzelpläne für insgesamt 1145 Räume und Flächen möglichst reibungslos in die Tat umgesetzt werden.

In den Logistikzonen der Untergeschosse - 60 Prozent der BMW Welt liegen unter der Erde, 40 Prozent darüber - läuft schon der Probebetrieb für den sogenannten Tagesspeicher, in dem die Autos aufbewahrt werden, für die Werkstätten und die Waschstraße. 60 Fahrzeuge - alles freilich etwas ältere Modelle - sind im Übungseinsatz. Später werden 250 Neuwagen in der Speicheranlage sein.

Dass die BMW Welt mit ihren verschiedenen Anforderungen und ihrer futuristischen Gestaltung gut funktionieren wird - da ist sich Architekt Wolf D. Prix ganz sicher. Der Bau mit seiner Mischung aus Marktplatz und Veranstaltungsort sei richtungsweisend für das neue Jahrhundert.

,,Vom Raumprogramm, der Technik und der Form sind hier Grenzen erreicht. Noch mehr Innovation geht einfach nicht.'' Ein Aspekt ist ihm ganz wichtig: Die Städte verlören immer mehr an öffentlichem Raum. Deswegen sei die Offenheit der BMW Welt von grundsätzlicher Bedeutung: ,,Bei unseren Projekten muss die Architektur für alle zugänglich sein, nur dann ist sie für die Menschen auch wirklich attraktiv.''

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