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Die Fantastischen Vier:Clever kodierte Kiffer-Fantasie

Jetzt und Vier: Fanta 4 in München

Troy, so troy: Die Fantastischen Vier beim Konzert in der Olympiahalle.

(Foto: Ralf Dombrowski)

Was für eine Party: Die Fantastischen Vier rappen in der ausverkauften Olympiahalle wenig Neues - doch Hauptsache, die Fans sind glücklich.

Vierzig plus, mindestens. Eltern mit Kindern, korrekt mit Gehörschutz ausgestattet. Olympiahalle, bis auf ein paar Restplätze ausverkauft. Das passt zusammen. Schließlich waren die Fantastischen Vier schon in den frühen Neunzigern nicht die bösen Buben vom sozialen Brennpunkt, die sich den Frust der Verlierer von der Seele reimten, sondern Party-Kumpel aus dem Schwäbischen, die Spaß am Wort und an Beats hatten, die zum Mitwippen einluden.

Nachdem sie sich während des vergangenen Jahrzehnts eine Zeit lang solistisch verwirklicht und daraufhin wieder erfolgreich zusammengefunden hatten, bespielen sie ausdauernd die großen Hallen als Platzhirsche des deutschen Hiphop mit der Aura der Pioniere.

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Sie haben ja auch einiges bewirkt. Als hierzulande das Verseschmieden noch belächelt wurde und der Mainstream des Pop in grellbunten Gymnastikklamotten durch Berlin hüpfte, texteten Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Y Lyrics über gehörnte Lover und dezenten Rauschmittelkonsum, die es allen Unkenrufen der Deutsch-Pop-Verächter in die Hitparaden schafften.

Sie waren die ersten hierzulande, die vom damals noch relevanten Video-Clip-Sender MTV zu deren erfolgreichen "Unplugged"-Sessions geladen wurden, und sie schafften es mit der Akronym-Hymne "MfG" sogar in den Deutschunterricht, wo zeitgeistbewusste Lehrer ihre Zöglinge die Abkürzungen entschlüsseln lassen.

So rappen Fanta 4 längst aus der Mitte der Gesellschaft, und haben auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert Spaß daran, auf der Bühne die Sause zu machen. Insgesamt 34 Stücke in gut zwei Stunden, das bedeutet Maßarbeit und reibungsloses Entertainment mit Tendenz zum Medleyhaften. Als Start von Teil zwei ihrer "Vier und Jetzt"-Tour nach der Weihnachtspause turnen Michi Beck, Smudo und Thomas D behände über das Podium, leisten sich Gags wie den DJ-Anfang des Konzerts auf der Bühnenzunge inmitten des Publikums mit fingiertem vorzeitigen Schluss. Sie lassen die Konfetti-Kanonen knallen und jagen dann weiter durch ein Programm mit reichlich Hits zum Hüpfen und gelegentlichen Nachdenkpausen.

Neues ist wenig dabei, einzelne Songs wie das rockige "Endzeitstimmung" oder das smarte "Eines Tages", für das auch der Sänger der Vorgruppe Seven noch einmal auf die Bühne kommen darf, deuten an, wohin es mit den Schwaben gehen könnte. Vor allem aber sind die Hits gefragt, Lieder wie die clever kodierte Kiffer-Fantasie "Tag am Meer", das lakonische "Danke", der "Die Da"-Nachschlag "Sie ist weg" oder auch die schulterklopfenden "Picknicker".

Lediglich als Thomas D den "Krieger" auspackt, ändern sich die Vibes für ein paar Minuten von Jubeln zur Nachdenklichkeit, von hip zu deep. Die Momente aber sind schnell vorbei und es wird weiter gefeiert, bis hin zu den obligatorischen Einschwör-Phrasen der Zugabe: "Die Fantas sind in der Stadt, wir machen uns ein bisschen breiter und hören Hiphop, troy, so troy". Die Eltern sind glücklich, die Kinder kommen auf den Geschmack und die Fantastischen Vier haben einmal mehr viel erreicht. (Nächstes Konzert: Tollwood Sommerfestival, 10. Juli 2017)

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