bedeckt München 10°

Die Anklageschrift:Potentielle Zeugen - und potentielle Helfer

Also steigen wenig später die vier Schüler, die Frau vom Bahnsteig sowie L. und Sch. in die S7. Die Schüler setzen sich in ein Viererabteil, daneben die Angreifer. Ihnen direkt gegenüber nimmt Dominik Brunner Platz. Die späteren mutmaßlichen Mörder reden laut übers Abzocken und Überfallen, wollen den Schülern Angst machen. Da mischt sich Brunner ein, und bekommt zu hören, dass ihn das einen Dreck angehe.

So geht das wohl mehrere Minuten, Brunner habe nicht beleidigt oder provoziert, sagt ein Schüler. Sch. und L. herrschen ihn an, er solle nicht so dumm gucken. Brunner entgegnet, er schaue hin, wo er wolle. Der 50-jährige Manager aus Niederbayern ist wohl auf dem Rückweg vom Müllerschen Volksbad, will wieder in seine Zweitwohnung in Solln. Irgendwann droht er, die Polizei zu rufen, die anderen lachen, er steht auf, geht zum Türbereich und wählt die 110. Laut, so dass alle Umstehenden es hören, bittet er Beamte nach Solln. Er bietet den verängstigten Schülern an, sie könnten weiter als bis zu ihrer Station Siemenswerke fahren. Mit ihm bis Solln, zum Schutz. Sch. und L. bleiben auch sitzen bis Solln, hören noch Musik.

16.10 Uhr. Die folgenden Sekunden entscheiden über das Leben von Dominik Brunner. Mehrere Zeugen erklären, dass er nach dem Aussteigen Jacke und Tasche in einem Wartehäuschen weglegt und dann eine Kampfhaltung einnimmt. Er ist es wohl auch, der den ersten Schlag setzt, ins Gesicht von Markus Sch. Zeugen sagen, dass die beiden mutmaßlichen Täter schon aggressiv aus dem Zug ausgestiegen seien, dass sie wieder und wieder vom Schlagen geredet hätten, und dass sie in aggressiver Pose auf Brunner zugegangen seien. Der Lokführer scheint der einzige zu sein, der die beiden jungen Männer als ruhig wahrgenommen hat. Als Sch. getroffen wird, ist erst einmal für einige Sekunden Ruhe. Die Jugendlichen beraten sich, was sie nun tun sollen, so wertet es die Staatsanwaltschaft. Brunner muss nun, so laut, dass es auch der Lokführer hörte, gesagt haben, dass man gleich alles mit der Polizei klären werde. Jedenfalls hält der Zugführer den Ärger für ausgestanden und fährt los. Mit in der Bahn viele potentielle Zeugen - und potentielle Helfer.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema