Diana Iljine:Eine Frau soll Filmfest-Chefin werden

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Diana Iljine, die als Filmeinkäuferin unter anderem für den BR gearbeitet hat, wird offenbar Andreas Ströhls Nachfolgerin beim Filmfest.

Susanne Hermanski

Das Gerücht kursiert schon seit dem Eröffnungsabend der Berlinale, Anfang Februar: Diana Iljine soll die Nachfolge von Andreas Ströhl als Geschäftsführerin der Internationalen Münchner Filmwochen GmbH antreten und damit Chefin des Filmfests München werden. Doch erst am morgigen Mittwoch, um 10 Uhr, wird der Name offiziell bei einer Pressekonferenz im Rathaus bekannt gegeben.

Diana Iljine ist in der Öffentlichkeit bislang ein unbeschriebenes Blatt und auch in der Filmszene eher wenigen Leuten ein Begriff - im Gegensatz zu so manchem der acht Mitbewerber, die ebenfalls im Rennen um die begehrte Position waren. Die zum Teil schon eigene Festivals veranstaltet haben oder jahrzehntelang zu den wichtigeren Namen in der Branche gehören. Iljine hat bislang vor allem als freie Beraterin für Medien und als Film-Einkäuferin für Sender wie den Bayerischen Rundfunk gearbeitet.

Dieser ist neben der Stadt München und der Spio, der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft, Gesellschafter der Filmwochen. An der Entscheidung, deren Bekanntgabe so lange auf sich warten ließ, waren also neben Oberbürgermeister Christian Ude auch Staatsminister Georg Fahrenschon, Steffen Kuchenreuther, der Kino-Betreiber und Spio-Präsident, und Stefan Wittich in Vertretung des Intendanten des Bayerischen Rundfunks beteiligt.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Diana Iljine hat auch für das ZDF, bei Premiere und RTL II gearbeitet, häufig an Positionen, die großes Verhandlungsgeschick und Durchsetzungskraft erfordern. Ihre Kontakte zu Produzenten hat das Auswahl-Gremium offenbar als zentrales Kriterium angesehen. Im Jahr 2000 hat sie gemeinsam mit Klaus Keil das Buch "Der Produzent - Das Berufsbild des Film- und Fernsehproduzenten in Deutschland. Versuch einer Definition" veröffentlicht. Vor drei Jahren hat die 46-Jährige dann ein Zusatzstudium an der Steinbeis Hochschule Berlin aufgenommen, um ihr Management-Know-How zu vertiefen. "Ich möchte Kenntnisse und Methoden, die ich seit Jahren beruflich anwende, auch theoretisch fundieren und erweitern", sagte sie damals.

Außerdem betonte sie, sich im Studium mit der "digitalen Distribution von Filmen im Internet" auseinandersetzen zu wollen. Ein Thema, das heute auch das Geschäft eines Filmfest-Chefs tangiert. Denn neben dem Spaß des Publikums steht der Verkauf von Verleihrechten im Vordergrund jedes Festivals - und was man im Netz sehen kann, muss man nicht an Ort und Stelle einkaufen.

Eine Bemerkung am Rande: Diana Iljines Vater, Nicolas V. Iljine, hat in den achtziger Jahren kurz fürs Münchner Filmfest gearbeitet - zwischen einer Position als Pressechef der Lufthansa Osteuropa und seiner Zeit als Repräsentant des Guggenheim-Museums in Venedig. Ein gewisses Händchen für die öffentlichkeitswirksame Präsentation von Kunst könnte Diana Iljine durchaus mitbekommen haben.

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