Freizeit:So kann man in München den "Día de los Muertos" feiern

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Diese farbenfrohe Parade in Mexiko-Stadt geht zurück auf den Bond-Film "Spectre". Der setzte den "Día de los Muertos" so pittoresk in Szene, dass das Tourismusamt der Stadt auf die Idee kam, den Maskenumzug zur Tradition zu erklären. (Foto: Leslie Spurlock /imago images/ZUMA Wire)

Ob mit Konzerten, Tänzen oder besonderen Speise-Ritualen - Anfang November wird der mexikanische Festtag begangen. Anders als das US-amerikanische Halloween gehört dieser fröhliche Totenkult immerhin zum Weltkulturerbe.

Von Jutta Czeguhn

"Es blüht und funkelt heut' auf jedem Grabe, Ein Tag im Jahre ist den Todten frei; Komm' an mein Herz, daß ich dich wieder habe, Wie einst im Mai", so heißt es im Kunstlied "Allerseelen" von Richard Strauss; gedichtet hat dieses zart romantische Schmachten ein Herr namens Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812 - 1864). Trauergefühle sind wohl überall auf der Welt die gleichen, doch wie kulturell unterschiedlich kann der Umgang damit sein: Während hierzulande die Menschen also still "aufs Grab gehen", in rotes Plastik gefasste Paraffinkerzen entzünden, und allgemeines Tanzverbot herrscht, stürmen sie in Mexiko die Friedhöfe, bringen Speisen für die Verstorbenen, tanzen, singen und begrüßen die Seelen zu Hause mit Blumengirlanden und Opferaltären. Kehren sie doch heim aus dem Totenreich, für einen Tag, am "Día de los Muertos", der am 2. November, aber eigentlich schon in den Tagen zuvor gefeiert wird. Nur sehr wenig hat diese Tradition, die auf indigene Kulte aus prähispanischer Zeit zurückgeht, mit dem notorisch-grellen US-amerikanischen Halloween gemein. Mittlerweile entdecken auch in München immer mehr Menschen den fröhlichen, teils auch bittersüßen Zauber und die attraktive Symbolik des Día de los Muertos, den die Unesco 2008 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen hat. Ein paar Beispiele.

Totentanz mit Latino Rhythmen

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Cumbia kommt von Cumbé, einem afrikanischen Tanz, den Sklaven nach Kolumbien brachten und der sich von dort aus über den Kontinent verbreitete. Monterrey ist die Cumbia-Metropole Mexikos, von dort stammt die Band Kumbia Boruka, die die Cumbia-Tradition pflegt, und mit Elementen aus Reggae, Dub, afrikanischer Musik, Rock und sogar Psychedelic zu einer ungemein elektrisierenden Melange mixt. Genau die richtige Musik für die Nacht der Toten. Im Ampere gibt es am Montag, 31. Oktober, ein Konzert mit Party zum Día de los Muertos. Zwei Stunden nach Mitternacht aber sollte der Spuk dann vorbei sein, denn am 1. November, dem stillen Feiertag, gilt Tanzverbot von 2 bis 24 Uhr. Nicht betroffen davon ist die Sause in der Isarpost: "Bienvenido al infierno! - Willkommen in der Hölle" heißt es schon am Samstag, 29. Oktober, wo man den Día de los Muertos kostümiert als "Halloween Latino" feiert.

Kumbia Boruka, Konzert und Party, Mo., 31. Okt., 20 Uhr, Ampere, Karten unter www.muffatwerk.de , Halloween Latino, Sa., 29. Okt., 23 Uhr, Isarpost, Sonnenstraße 24-26, Ticketlink: https://bit.ly/3LwLyfh

Mariachi-Lieder auf dem Friedhof

In Doris Dörries Dokumentarfilm "Dieses schöne Scheißleben!" spielt die Mariachi-Kapelle "Estrellas de Jalisco" am Día de los Muertos auf einem Friedhof in Mexiko City. (Foto: Matthias Bothor/Flying Moon/Senator)

Anders als im Bond-Film "Spectre", wo sich 1500 von Maskenbildern herausgeputzte Komparsen auf Mexico-Citys Plaza de la Constitución zum chic choreografierten Totentanz einfinden, zeigt die Münchner Regisseurin Doris Dörrie in ihrem großartigen Dokumentarfilm "Dieses schöne Scheißleben" (2014) den Día de los Muertos ganz frei von Pathos oder Folklorekitsch. Sie erzählt vom harten Leben der Mujeres Mariachi, Frauen, die sich in der von Machismo und Konkurrenzkampf geprägten Welt der Mariachi-Musik täglich behaupten und abmühen, ihre Kinder durchzubringen. In einer der eindringlichsten Szenen dieses Films folgt die Kamera den Mariachi-Kapellen am Tag der Toten auf den Friedhof, wo die Menschen die Gräber putzen und schmücken, sich zum Essen und Tequila-Trinken einfinden. Hinter scheinbar ausgelassener Fröhlichkeit blickt Dörrie dort auf tiefste Verzweiflung, als die Kapelle für eine Mutter spielt, die über dem Grab ihres Kindes beinahe zusammenbricht. Ein kaum zu ertragender Moment, auch für eine der Mariachi-Sängerinnen, die sich im Gehen bei der Trauernden und ihrer Familie entschuldigt: "Wir wollten Sie nicht traurig machen mit unserer Musik."

"Dieses schöne Scheißleben!", Filmdoku, Doris Dörrie, 2014, bei Streamingdiensten und als DVD erhältlich

Süße Schädel

Alles bereit für den Festtag: Schaufenster des Mercado de México, ein Geschäft für Feinkost und Kunsthandwerk aus Südamerika in Neuhausen. (Foto: privat)

Sie sind aus Schokolade mit Zuckerglasur, die "Calaveras". Immer zum Día de los Muertos bereitet Maria de Lourdes González Merino die süßen Totenköpfe für die treue Kundschaft, die bei ihr im Mercado de México in Neuhausen einkauft. Auch die Tamales stehen bereit, sie sind aus Maisteig und werden wie Knödl gegart. Oder Mole, ein Gericht aus verschiedenen getrockneten Chilis und Schokolade. González Merino, die das Feinkostgeschäft seit 2009 betreibt, ist selbst überrascht, wie viele gerade junge Menschen aus Mexiko, die hier fern ihrer Familie leben, die alten Traditionen an diesem besonderen Tag pflegen.

Mercado de México, Feinkost und Kunsthandwerk aus Mexiko und Südamerika, Schulstr. 38, Mo. geschlossen, Di. - Fr. 9 - 16 Uhr, Sa. 10 - 16 Uhr, www.demexico.de

Speisen in jenseitiger Gesellschaft

Im vegetarischen Restaurant Blitz auf der Museumsinsel lassen es sich alle Gäste gut gehen, auch die fröhlichen Skelette an der Wand. (Foto: Stephan Rumpf)

Fröhlich blicken sie von der Wand herab auf die Teller der Gäste, bunt gewandete Skelette, sie scheinen sich prächtig zu amüsieren, zechend und plaudernd. Und das nicht nur am "Tag der Toten". Im Blitz Restaurant auf der Museumsinsel speist man das ganze Jahr über in trauter Nachbarschaft zu dieser jenseitigen Karnevals-Truppe, die aller Vergänglichkeit trotzt. "Da wir ein Restaurant sind mit lateinamerikanischer, vegetarischer Küche, haben sich die Calaveras angeboten, die werden ja grundsätzlich nicht nur am Día de los Muertos verwendet", erkärt Gastronomin Sandra Forster das attraktive Dekor ihres Restaurants, das längst schon Einzug gehalten hat in die Alltagskultur und mit dem Schrecken des Makabren spielt. Ein spezielles Menü serviert man am 1. und 2. November im Blitz übrigens nicht.

Blitz Restaurant, Museumsinsel 1, Öffnungszeiten: Di. - Sa., 18 - 1 Uhr, Telefon 38 01 26 560, www.blitz.restaurant

Fiesta mexicana am Hasenbergl

Pan de Muerto ist ein traditionelles Gebäck, das am Día de los Muertos als Gabe an die Verstorbenen gereicht wird. Die Verzierung soll an Fingerknochen erinnern. (Foto: Fernando Camacho/imago images/Eyepix Group)

Mexikanerinnen und Mexikaner, die ihre Wurzeln zur Heimat nicht verlieren wollen, haben 1997 den Mexikanisch-Deutschen Kreis in Bayern, Círculo Mexicano-Alemán de Baviera, gegründet. Der Verein, der auch deutsche Mitglieder willkommen heißt, pflegt die Traditionen des Landes und lädt in diesem Jahr am 6. November ins Kulturzentrum 2411 an der Blodigstraße 4 im Hasenbergl. Dort, im 3. Stock, wird der Día de los Muertos gefeiert mit allem, was dazu gehört: Ein geschmückter Heimaltar mit Opfergaben für die Verstorbenen wird aufgebaut sein. In mexikanischen Haushalten führen von dieser "offrenda" stets lange Ketten aus leuchtend orangefarbener Tagetes durch die Zimmer bis zur Haustür, als Wegweiser für die Seelen der Toten, die heimkehren sollen. Ganz wichtig sind an diesem Tag die traditionellen Speisen, auch davon wird man im Kulturzentrum einige servieren, "pan de muerto" (Totenbrot) etwa, süße Hefebrötchen, dekoriert mit zwei sich kreuzenden Fingerknochen aus Teig. Zur Totenfeier gehören auch Musik und Tanz. Im Haus im Hasenbergl treten das Trio Las Calaveras und die Volkstanzgruppe des Mexikanisch-Deutschen Kreises auf. Außerdem wird die Skelettdame "La Catrina", die zu jedem Día de los Muertos gehört, dem Fest einen Besuch abstatten.

Tag der Toten, Feier des Mexikanisch-Deutschen Kreises in Bayern, 6. Nov., 15 Uhr, Kulturzentrum 2411, Blodigstraße 4, Nichtmitglieder 13 Euro (Erwachsene), 6 Euro (Kinder bis zwölf Jahre), Anmeldung per Whatsapp an 0178/2910990, Infos unter www.circulo-mexicano.de . Weiteres Event in München: "Der Tod in Mexiko", mythologische Geschichten, Musik und Moderation, typisches Essen, Sa., 29. Okt., 19 Uhr, Lutherkirche Giesing, Bergstr. 3, Anmeldung Telefon 537102

Frida und der Tod

Der Tod ist sehr präsent im Werk der mexikanischen Künstlerin. Die Ausstellung "Viva Frida Kahlo - Immersive Experience", hier bei der Eröffnung in Mexiko City, hat Mitte Dezember im Münchner Utopia Deutschlandpremiere. (Foto: Vincent Isore/IMAGO/IP3press)

"La Catrina" - im großen Wandgemälde "Traum von einem Sonntagnachmittag in der Alameda Central" des Maler Diego Rivera sieht man sie grinsend stehen, gleich neben Riveras Frau Frida Kahlo, die bekanntlich ein besonderes Verhältnis zum Tod hatte, nachdem bei einem Verkehrsunfall eine Metallstange ihren Körper durchbohrte. Immer wieder taucht die schaurige Dame auf in Kahlos Werk: "la muerte", im Spanischen ist der Tod weiblich. Berühmt ist jene Fotografie, auf der man die Künstlerin in ihrem Krankenbett sieht, einen bemalten Totenschädel mit ihrem Namen darauf in die Kamera haltend. Dorthin, nach Mexiko in Kahlos berühmte Casa Azulin Coyoacán, entführt die Besucherinnen und Besucher als 360-Grad-Erlebnis die Schau "Un Viva Frida Kahlo", die erste immersive Inszenierung ihrer Werke. Deutschlandpremiere ist am 15. Dezember im Utopia München.

Viva Frida Kahlo - Immersive Experience, 15. Dez. bis 10. Feb. 2023, Utopia München, Heßstr. 132, Mo. bis So. 10-21, Infos unter www.utopia-munich.com

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