Normalerweise legen die DJ Alicea und DJ Yugo in Nachtclubs oder auf Festivals auf. Die beiden sind fester Bestandteil im Münchner Club Rote Sonne. Doch am Donnerstagabend führt sie ein besonderer Open-Air-Rave auf den Marienplatz. Organisiert hat den die Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bayern (DGB). Die möchte mit ihrem jährlichen Jugendprogramm die Bühne aufwärmen, bevor es am nächsten Tag mit einer Demonstration heraus zum 1. Mai geht.
Das musikalische Begleitprogramm der Jugendorganisation ist ein fester Bestandteil der Aktionen am ersten Mai. In den letzten Jahren fanden am Nachmittag und Abend nach der Demo Konzerte statt. Die Idee für den Rave entstand aus einem Wunsch der Ehrenamtlichen aus der DGB-Jugend, viele von ihnen seien Techno-affin, sagt der Hauptamtliche Matthias Langgartner am Telefon. Von 19 bis 22 Uhr wird am Donnerstag auf dem Marienplatz getanzt.
Der Kontakt zu den DJs kam über die Rote Sonne zustande. DJ Alicea und DJ Yugo legen zusammen auf, „Back to back“. Für den Abend haben sie sich vorgenommen, die Musik an die besondere Stimmung auf dem Marienplatz anzupassen. „Wir werden einen Open-Air-Sound spielen, der eher groovy klingt und sich langsam aufbaut“, sagt Alicea, „wir werden uns am Sonnenuntergang orientieren, aber keinen Weltuntergangs-Dark-Techno spielen.“ Gemeinsam mit ihrer Kollegin wird sie Hard House auflegen, Trance: Stile, die im Moment vor allem bei jüngeren Techno-Fans beliebt sind. „Wir wollen Optimismus verbreiten“, sagt Alicea.
Sie ist eine der spannendsten Akteurinnen in der Münchner Techno-Szene. Alicea ist nicht nur DJ, sondern auch Bookerin in der Roten Sonne. Dort hat sie ihre Veranstaltungsreihe „Lucid Glow“ etabliert. Auf ihrem eigenen Label Telur veröffentlicht sie Musik; erst vergangene Woche erschien die „Jackdaw EP“ gemeinsam mit DJ Schott. Ihre DJ-Sets sind lebendig, Alicea ist zu Hause in den Genres House, Techno und Trance – darin hat sie viele Gemeinsamkeiten mit ihrer Kollegin DJ Yugo, mit der sie die Leidenschaft für dieselben Genres teilt. Damit ist sie auf der ganzen Welt unterwegs. Neben Gigs in Europa hat sie auch in New York und Mexiko aufgelegt, im deutschsprachigen Raum ist sie in renommierten Clubs vom Tresor in Berlin bis zur Pratersauna in Wien unterwegs.
Kernzielgruppe der DGB-Jugend sind Auszubildende und junge Berufstätige
Auf einem Gewerkschafts-Rave aufzulegen, passt du Aliceas Haltung. Sie ist im queer-feministischen Wut-Kollektiv organisiert und glaubt daran, Musik mit politischer Aufmerksamkeit zu verbinden. „Für einen guten Zweck zu tanzen, ist das Friedlichste, was man machen kann“, sagt sie im Hinblick auf die Jugendorganisation, die sich für faire Arbeitsbedingungen und -rechte bei Auszubildenden und jungen Berufsanfängern kümmert.
Auf dem Marienplatz wird es Getränke und Infostände geben, etwa vom Azubiwerk, um über bezahlbares Wohnen in München zu informieren. Die Kernzielgruppe der DGB-Jugend sind Auszubildende und junge Berufstätige. „Jeder junge Mensch ist willkommen“, sagt Langgartner, „der Best Case wäre natürlich, wenn sie von unseren Themen angefixt werden und am nächsten Tag auf die Demo kommen. Wir wollen zeigen, wie cool Gewerkschaft auch sein kann.“ Außer politischer Aufmerksamkeit soll der Rave aber auch ein Geschenk an die Ehrenamtlichen der DGB-Jugend sein: „Wir wollen ihnen etwas zurückgeben, weil sie das ganze Jahr für uns im Einsatz sind.“
Raveolution / Laut. Stark 26, Marienplatz, 19–22 Uhr, 30. April

