Deutsches Theater Rot-Grün will die Bühne behalten

Stadt soll die Musical-Bühne weiter betreiben und das Gebäude mit der Summe "100 Millionen minus X" sanieren.

Von Jan Bielicki

Das Deutsche Theater bleibt in städtischer Hand. Nach zähen Verhandlungen will die rot-grüne Rathausmehrheit die sanierungsbedürftige Musicalbühne nun doch nicht verkaufen, sondern unter der Regie der Stadt weiter betreiben - und von 2008 an einen Betrag von, so Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), "100 Millionen minus X" in die Sanierung des Gebäudekomplexes an der Schwanthalerstraße stecken.

SPD und Grüne wollen im Ratsplenum der nächsten Woche den Vorschlag von Kommunalreferentin Gabriele Friderich ablehnen, das Theater und seine Nebengebäude an den Unterhaltungskonzern Stage Entertainment abzugeben. Die deutsche Tochter des holländischen Unternehmens hatte bei der vom Stadtrat beschlossenen Ausschreibung des Theatergeländes das günstigste Angebot abgegeben.

Allerdings habe das Bietverfahren auch klargemacht, dass "eine kostenneutrale Lösung auch bei einem Verkauf nicht möglich ist", erklärte Ude. Denn die Stadt hätte bei diesem Geschäft nicht nur ihre Immobilien übertragen, sondern noch Geld dafür drauflegen müssen, dass der Konzern die Bühne mit mindestens sechs Großproduktionen im Jahr weiterführt.

30 Millionen von der Stadt?

"Man müsste 30 Millionen dafür draufzahlen, dass sich jemand das Haus schenken lässt", rechnete Ude vor. Für die rot-grünen Stadträte ist das zu viel: "Wenn wir Geld in die Hand nehmen müssen, wollen wir unser Haus auch behalten", sagte SPD-Fraktionschef Helmut Schmid. Außerdem fürchteten die Stadträte, dass die Stage, die auch das Radstadion im Olympiapark übernehmen und zur Musicalbühne umrüsten will, womöglich nicht auf Dauer zwei Theater in München betreiben wolle.

Wie viel die Sanierung des maroden Hauses die Stadt genau kosten wird, will die Ratsmehrheit nun prüfen lassen. "Eine ganz seriöse Zahl, was das kostet, haben wir nicht", räumte Ude ein. Allerdings sollen die Kosten erheblich unter jenen knapp 140 Millionen Euro liegen, die Experten des Baureferats 2002 festgestellt hatten.

Damals hatte der OB eine Schließung des Traditionshauses angekündigt. Gegen das drohende Ende hatten damals Theaterfreunde mobil gemacht und mit einem Bürgerbegehren gedroht. Nun will die Stadt ihrem damals nur durch provisorische Maßnahmen vor der feuerpolizeilichen Schließung bewahrten Haus eine deutlich abgespeckte Aufmöbelung bescheren und auf einen eigens verstärkten Bühnenturm, auf Drehbühne, Orchestergraben und eine eigene Küche verzichten.

Übernahme des Radstadions

Der aus Brandschutzgründen geschlossene Silbersaal soll aber "in die Wiederbelebungsmaßnahmen eingeschlossen werden", verspricht der grüne Bürgermeister Hep Monatzeder. Für den Theaterbau allein rechnet man in der Stadtspitze mit rund 68 Millionen Euro. Für die Renovierung der Nebengebäude wird sich die Stadt auch nach einem Mitinvestor umsehen.

Die Bürgerinitiative "Freunde des Deutschen Theaters" begrüßte die Entscheidung. Deren Vorsitzender Hermann Memmel versprach, die Theaterfreunde würden sich bemühen, "einen finanziellen Beitrag zu leisten". Auch der CSU-Fraktionsvize Richard Quaas sprach "von einem guten Ergebnis, das man freilich früher hätte haben können". Andrea Friedrichs, die Intendantin des Theaters äußerte sich "mehr als erleichtert, dass das Damoklesschwert eines Verkaufs nicht mehr über uns hängt".

"Das ist schade für die Stage Entertainment", bedauerte dagegen deren Unternehmenssprecher Stephan Jaekel. Er sei jedoch "zuversichtlich", dass sein Unternehmen und die Stadt schon bald den Vertrag zur Übernahme des Radstadions unterzeichnen könnten.