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Deutsches Theater:Rette es, wer kann

Das Deutsche Theater hofft auf das Begehren der Bürger.

Jetzt also ein Bürgerbegehren: Mit so viel Widerstand gegen die Schließung des Deutschen Theaters haben der Oberbürgermeister und seine Kulturreferentin wohl nicht gerechnet. 27.000 Münchner will die Initiative "Rettet das Deutsche Theater" in den nächsten Wochen zu einer Unterschrift bewegen.

Das erscheint durchaus möglich - schließlich hat sie erst vor kurzem 60.000 Fans des Theaters für eine Unterschriften-Aktion mobilisiert. Und auch wenn davon viele aus dem Umland kamen, das bei einem Münchner Bürgerbegehren nicht mitstimmen darf, scheint der Optimismus von Ex-Bürgermeister Winfried Zehetmeier und seinen Mitstreitern diesbezüglich nicht übertrieben zu sein.

Ob bei einem darauf folgenden Bürgerentscheid allerdings zehn Prozent der Münchner Wahlberechtigten, also 90.000 Menschen, für den Erhalt des Deutschen Theaters plädieren werden? Wer weiß. Wenn die Bürger dieser Stadt sich ein teures Fußballstadion leisten mögen, haben sie vielleicht auch noch etwas Kleingeld für das Deutsche Theater übrig.

Allerdings haben sich die Zeiten geändert, und ob heute angesichts der städtischen Finanzmisere ein zweites Mal für ein Stadion gestimmt würde, scheint fraglich. Außerdem sind die Aufwendungen für das Deutsche Theater nur schwer abzuschätzen und kommen in der Fragestellung des Bürgerbegehrens daher auch leider nicht konkret vor: Sind die Schäden tatsächlich so harmlos, wie von Theater-Seite dargestellt, reichen also tatsächlich drei Millionen Euro für ein paar Notreparaturen?

Und was macht man in ein paar Jahren, wenn dann eine Generalsanierung ansteht, die - trotz aller Unterschiede - natürlich doch eine Kostenexplosion wie bei der Kammerspiel-Sanierung befürchten lässt?

Auch wenn diese Fragen nicht eindeutig zu beantworten sind: Das Bürgerbegehren kommt dennoch zum richtigen Zeitpunkt. Denn damit dürfte es für OB und Stadtrat schwer werden, im Juli allzu beiläufig ein jähes Ende des Theaters zu beschließen. Jede weitere Denkpause wäre schon ein Erfolg.

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