Was läuft in München an Shows?Auf hohen Hacken ins Musical-Abenteuerland

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Das Musical „Kinky Boots“, in dem ein Provinz-Schuhfabrikant auf Hochhackiges für Travestiekünstler umschwenkt, kommt ins Deutsche Theater.
Das Musical „Kinky Boots“, in dem ein Provinz-Schuhfabrikant auf Hochhackiges für Travestiekünstler umschwenkt, kommt ins Deutsche Theater. (Foto: Pamela Raith)

Das Deutsche Theater zeigt in der neuen Spielzeit das Musical „Kinky Boots“ mit Musik von Cindy Lauper, Film-Adaptionen wie „Pretty Woman“ und viele Tribute-Shows von Cher bis Elvis, ein Popstar spielt auch live seine Hits.

Von Michael Zirnstein

Nicht nur Girls wollen ab und zu einfach mal Fun. Auch deswegen ist das Deutsche Theater, der Show-Palast der Stadt München, ein „Erfolgsmodell“, wie dessen Geschäftsführer Thomas Linsmayer bei der Präsentation der neuen Spielzeit sagt. Es braucht dieses einzige Musical-und-mehr-Gastspielhaus weit und breit, damit 300 000 Menschen im Jahr sich für zwei, drei, vier Stunden in eine andere Welt entführen lassen können – zum Beispiel bald in das Stück Kinky Boots, salopp übersetzt „Schlampenstiefel“ (von 28. Oktober bis 9. November).

Das Musical über einen Schuhfabrikanten in der englischen Provinz, der sich aus der Pleite rettet, indem er auf Hochhackiges für Travestiekünstler und Transpersonen umschwenkt, ist den Mainstream-Musical-Besuchern vielleicht nicht so geläufig wie neulich „Cats“, aber es hat es in sich. Zum Beispiel Musik von Cindy Lauper – „Girls just wanna have fun“, wer erinnert sich nicht an ihren Gute-Laune-Hit aus den Achtzigerjahren, oder an „Drove All Night“, „True Colors“, „Time After Time“ ... Aber „Kinky Boots“ kommt ganz ohne diese Zugnummern aus. Die 72-jährige New Yorkerin hat neue Stücke eigens für das Musical geschrieben.

Das sei völlig anders, als meist autobiografischen Pop zu komponieren, schrieb sie nun dem Presseteam des Deutschen Theaters auf dessen gesammelte Fragen hin zurück. „Im Musical kann man in unterschiedlichen Stilen und Stimmen schreiben, weil man für verschiedene Figuren komponiert (...) Dadurch entwickelte sich der Sound. Während des Casting-Prozesses musste ich außerdem an die Stimmlagen anderer denken, an das, was ihre Figuren gerade durchmachen, wie der Song die Handlung voranbringen kann und viele weitere Dinge, an die ich beim Schreiben für mich selbst gar nicht denke. Deshalb gibt es zwar einige Songs, die ‚nach mir‘ klingen, aber insgesamt eine große Vielfalt.“

Lauper meisterte ihre neue Herausforderung so gut, dass man ihr 2013 dafür den Tony Award (die höchste Auszeichnung der Musical-Branche)  verlieh – als erster Frau, die in der Sparte „Beste Originalmusik“ alleine gewann. Und derlei ist ihr, die 2022 den „Girls Just Want to Have Fundamental Rights Fund“ zur Förderung der Rechte und Gesundheit von Frauen gründete, durchaus wichtig. So wie auch die soziale Botschaft von „Kinky Boots“. Es gehe um „Akzeptanz, darum, Menschen so zu lieben, wie sie sind und nicht so, wie man sie haben möchte.“ Bei all dem hofft Lauper aber auch, dass das „Feelgood Musical“, das schon am Broadway und im West End gefeiert wurde, die „Menschen glücklich macht. In unserer Welt passiert gerade so viel, dass man manchmal einfach nur abschalten, sich unterhalten lassen und Freude empfinden möchte“.

In diesem Sinne – Unterhaltung mit Haltung – hat das Deutsche Theater 2025/2026 noch etliches zu bieten. Zum einen eine Menge Musicals, die (wie „Kinky Boots“) auf Filmen basieren: das Töpferscheiben-Epos Ghost - Nachricht von Sam (7. bis 12. Oktober), den Bee Gees-Disco-Stürmer Saturday Night Fever (14.-26.10.), die Rotlicht-Romanze Pretty Woman (12.11.-14.12.), das von Whitney-Houston-Soul getragene The Bodyguard (17.12.-4.1.) oder die Nonnen-Nummer Sister Act. Während Der Da Vinchi Code zwar auch auf einen Film (und das Buch von Dan Brown) zurückgreift, aber als Theaterstück gezeigt wird, ohne Tanz und Gesang (21.4.-3.5.).

Aber bitte mit Sahne: Der Komiker Volker Heissmann singt die Schlager von Udo Jürgens.
Aber bitte mit Sahne: Der Komiker Volker Heissmann singt die Schlager von Udo Jürgens. (Foto: Werner Sonst)

Gesungen wird noch genug, von lebenden Stars wie Chris de Burgh (solo am 3.11.) oder Swing-Meister Tom Gaebel (11.2.), aber auch in schier endlos vielen Tribute-Shows für die Dubliners („Seven Drunken Nights“, 20.10.), Fleetwood Mac (22.2.), Cher (24.2.–8.3.), Phil Collins (2.3.), Michael Jackson (17.-21.3.), Aretha Franklin (30.3.), Elvis (31.3.-2.4.), Tina Turner (5.4.) und die Beatles (15.-19.7.), und man darf gespannt sein, was der Komiker Volker Heissmann aus den Schlagern von Udo Jürgens macht (10.2.).

Zu zweit ins Abenteuerland: Das „Pur“-Musical erzählt eine bewegende Familiengeschichte.
Zu zweit ins Abenteuerland: Das „Pur“-Musical erzählt eine bewegende Familiengeschichte. (Foto: Jochen Quast)

Ein richtiges Musical hingegen entspinnt sich in Abenteuerland um die Songs von Pur (6.-18.1.). Da wird man von „Funkelperlenaugen“ unterhalten oder schunkelt zu „Lena“, natürlich wird es auch mal Pur-mäßig nachdenklich („Ein graues Haar“). Aber dass man sich bei der „bewegenden Geschichte über Familie, Freundschaft und den Mut, das Leben neu zu entdecken“, am Ende „Allein vor dem Spiegel“ wiederfindet, das kann einem bei diesem Publikumsmagneten im Deutschen Theater sicher nicht passieren.

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