Virtual Reality Im Deutschen Museum virtuell zum Mond fliegen

Im Fahrsimulator können Besucher des Deutschen Museums nun Fahrten über den Mond simulieren.

(Foto: Florian Peljak)
  • Besucher des Deutschen Museums können künftig Virtual-Reality-Installationen nutzen - und zum Beispiel einen Ausflug zum Mond machen oder in das Innere einer Dampfmaschine abtauchen.
  • Digitale Wissensvermittlung sei eine glänzende Bereicherung der klassischen Angebote, sagt Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums.
Von Martina Scherf

Schnurstracks auf die Landekapsel der Apollo 17 zu, dann einmal scharf rechts, vorbei an der US-Flagge, die die Astronauten in den Boden gepflanzt haben, und wieder beschleunigen - da legt sich der Rover in die Kurve, ruckelt über Hügel und durch Krater, bis einem flau im Magen wird. Sand wirbelt auf, Steinchen spritzen zur Seite. Über dem Horizont leuchtet blau die Erde. Diese Mondfahrt ist ein eindrucksvolles Erlebnis, möglich gemacht durch eine Virtual-Reality-Installation samt Brille und beweglichem Sitz. Sie ist der Auftakt zu einer Reihe von VR-Projekten, die das Deutsche Museum seinen Besuchern von nun an bieten wird.

Das VR-Lab bietet derzeit neben der Fahrt mit dem Mondauto: einen Mondspaziergang - da kann man auch den legendären Golfball abschlagen, den Astronaut Alan Shephard bei der Apollo-14-Mission ins All schmuggelte; einen Besuch bei Otto Lilienthal auf dem Berliner "Fliegeberg" - per Knopfdruck kann man den Erfinder mit seinem Hängegleiter direkt auf sich zufliegen lassen; eine Innenansicht des Benz Patentmotorwagens; und eine begehbare Installation der Dampfmaschine, mit denen die Schweizer Brüder Sulzer Mitte des 19. Jahrhunderts die Textilindustrie revolutioniert haben - da steht man neben dem Schwungrad, zieht unwillkürlich den Kopf ein und staunt, wie viele Spinnräder das Ungetüm angetrieben hat. Man kann sich an verschiedene Positionen teleportieren und auf eingeblendeten Texttafeln technische Daten abrufen. Währenddessen erleben umstehende Besucher auf dem großen Bildschirm mit, was der Proband gerade macht.

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Ein Technikmuseum eignet sich hervorragend als VR-Lab, erklärt Jürgen Dudowits von der Firma VR-Dynamix, die die Simulationen programmiert hat. Wer sich für Maschinen begeistert, möchte ja wissen, wie sie im Inneren aussehen und wie sie funktionieren - das lässt sich mit Schrifttafeln oft nur unzureichend erklären. VR-Brille auf dem Kopf, Joystick in der Hand, so können Besucher nun bis in den Kolben der Dampfmaschine, deren Original in der Kraftmaschinen-Halle steht, vordringen. Allein für diese Simulation wurden übrigens 40 000 Einzelaufnahmen gemacht.

Die Erfahrungen, die das Deutsche Museum mit seinem neuen Angebot macht, sollen auch anderen Museen, die sich an dem Projekt beteiligen, zugute kommen. "Die Kunst ist es, Besucher ohne VR-Erfahrung ebenso anzusprechen wie Digital Natives", sagt Georg Hohmann, der das Projekt Museum4.0 im Hause leitet. Man könne und wolle auf keinen Fall mit Computerspielen konkurrieren, betont Generaldirektor Wolfgang Heckl. Aber digitale Wissensvermittlung sei eine glänzende Bereicherung der klassischen Angebote. "Und es harren ja noch Tausende Ikonen der Technikgeschichte in unserer Sammlung, die dadurch erlebbar würden." Der Mondsimulator soll in der neuen Raumfahrtabteilung, die 2020 eröffnet werden soll, neben dem echten Mondauto der Apollo-Mission stehen. In die Simulation haben die Programmierer zum Scherz ein paar Gimmicks eingebaut, aber das sollen die Besucher selbst entdecken.

Das VR-Lab (am Ende der Physikabteilung) ist ab 1. August geöffnet, aber nur zu bestimmten Zeiten mit Anmeldung zu besuchen: www.deutsches-museum.de oder direkt am Desk.

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