Deutsches Museum:Tante Ju wird eingehüllt

Deutsches Museum: Die alte Tante Ju ist für den Transport zu groß. Andere Flugzeuge ziehen in die Flugwerft nach Schleißheim um.

Die alte Tante Ju ist für den Transport zu groß. Andere Flugzeuge ziehen in die Flugwerft nach Schleißheim um.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Vom 18. Oktober an sind weite Teile des Deutschen Museums für Besucher geschlossen.
  • Grund ist die Großsanierung des gesamten Komplexes.
  • Geöffnet bleiben zunächst noch unter anderem das Bergwerk, das Planetarium sowie die Abteilungen für Astronomie und Schifffahrt.

Von Martina Scherf

Jahrelang wurde geplant, jetzt wird es ernst: Das Deutsche Museum wird saniert und schließt dazu vom 18. Oktober an die Hälfte seiner Ausstellungsfläche. In zwei Bauabschnitten wird nicht nur das Sammlungsgebäude auf den neuesten Stand gebracht, auch fast alle Ausstellungen werden neu konzipiert.

"Das ist ein Jahrhundertprojekt", sagte Generaldirektor Wolfgang Heckl. Angesichts der vielen Exponate, die ausziehen müssen - Flugzeuge, Klaviere oder tonnenschwere Dampfmaschinen -, aber auch wegen des Denkmalschutzes, veralteter Technik und des begrenzten Budgets sicher keine Übertreibung.

Abschied bei der Langen Nacht der Museen

Trotzdem: In zehn Jahren, zur 100. Geburtstagsfeier des Hauses am 7. Mai 2025, soll die Modernisierung abgeschlossen sein. Die Lange Nacht der Museen am 17. Oktober ist für die Liebhaber des Deutschen Museums vorerst die letzte Gelegenheit, von einigen Ikonen Abschied zu nehmen.

Dann schließen sich hinter der historischen Luftfahrt die Rolltore. Hinter der Abteilung wird alles leer geräumt. Während die Messerschmidt 262, das Serien-Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, mit einigen anderen Maschinen in die Flugwerft Schleißheim umzieht, wird die alte Tante Ju während der Bauarbeiten eingehüllt: Sie ist für einen Transport schlichtweg zu groß.

Geschlossen werden auch die Bereiche Drucktechnik, Fotografie, Kraftmaschinen, Modelleisenbahnen, Musik, Optik, Raumfahrt, Telekommunikation, Textil, Tunnelbau. Bis 2019 soll dieser Abschnitt fertig sein, dann werden die Besucher dort unter anderem von modernsten Robotern begrüßt werden.

Das Bergwerk, die Astronomie, das Planetarium, die Schifffahrt und zahlreiche weitere Bereiche bleiben zunächst noch zugänglich: "Das ist immer noch viel mehr, als die Besucher an einem Tag anschauen können", sagte Heckl. Auch das Zentrum für neue Technologien, Heckls persönliches Steckenpferd, mit der Nanotechnologie, dem gläsernen Forscherlabor und dem Sonderausstellungsbereich bleiben zugänglich. Ein äußerer Verbindungsgang auf Stelzen wird die Besucher dorthin führen.

Wie aufwändig allein die Räumung wird

Neun Monate, so Heckl, dauert allein die Räumungsphase, 25 neu eingestellte Mitarbeiter kümmern sich nur um die Logistik. Die alten Depots auf der Museumsinsel sind schon weitgehend geräumt, 10 000 Quadratmeter Lagerfläche wurden an verschiedenen Orten angemietet.

Man arbeite an einer Finanzierung, um auf dem erworbenen Grundstück in Erding doch noch ein zentrales Depot zu errichten und die teuren Mietkosten sparen zu können, erklärte Dieter Lang, der die Generalsanierung managt. 445 Millionen Euro stehen insgesamt zur Verfügung, das werde für die beiden Bauabschnitte reichen, so Lang. In der Kalkulation seien sowohl ein zeitlicher als auch ein finanzieller Puffer von 20 Millionen Euro eingeplant.

Was im zweiten Bauabschnitt alles ansteht

In fünf Jahren beginnt der zweite Bauabschnitt. Am Ende werden 31 der insgesamt 50 Ausstellungen völlig neu gestaltet. Wie derzeit in der Sonderausstellung Anthropozän soll künftig der Fokus auch mehr auf gesellschaftliche Fragen gerichtet sein, auf Chancen und Risiken der Technik. Klassiker wie das Bergwerk oder die Kraftmaschinenhalle bleiben erhalten, "das sind Dinge, die unsere Besucher lieben, die darf man nicht grundlegend verändern", so Heckl.

Ein wichtiger Punkt ist der Hochwasserschutz. Alle paar Jahre standen die Keller des Museums unter Wasser. Deshalb wird als erstes die Ufermauer saniert. Auch wird das auf Pfählen gebaute Haus unterirdisch einbetoniert, damit ihm in Zukunft kein Isarwasser mehr etwas anhaben kann. Einige Bäume entlang der Mauer müssten leider gefällt werden, so Lang.

Man versuche aber nach Absprache mit Naturschutzvertretern, so viele wie möglich zu erhalten, darunter vier alte Kastanien. Dazu werde extra der Verlauf der Dichtwand geändert. Nach Abschluss der Arbeiten würden neue Bäume gepflanzt.

Das Museum will nicht nur innerlich moderner und transparenter werden, es will sich auch mehr zur Isar und zur Stadt hin öffnen. Nicht aufgegeben sind deshalb die Pläne, die Außenanlagen der gesamten Insel und das Bibliotheksgebäude zu erneuern sowie das Forum an der Ludwigsbrücke zu einem Zukunfts- und Dialogforum zu machen. Dazu braucht es aber erst noch weitere großzügige Spender.

© SZ vom 26.09.2015/sekr
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