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Deutsches Museum:Herrin des schwarzen Kolosses aus Italien

Aber natürlich bleiben die Objekte das Herzstück jeder Ausstellung. "Auch der Renzo wird bleiben", sagt Menge und geht weiter zu dem großen Stahlschiff am Ende der Halle, "wo soll der auch hin"? Renzo, Baujahr 1931, ist ein schwarzer Koloss aus Italien. Er steht für den Beginn der maschinenbetriebenen Schifffahrt. Mit seiner kohlebefeuerten Dampfmaschine hat er jahrzehntelang Frachtkähne durch die Lagune von Venedig geschleppt - und damit auch die Globalisierung gefördert.

Geschichten erzählen, das ist für Daniela Menge eine Möglichkeit, Menschen für die Technik zu begeistern. Sie kann sich auch vorstellen, zu den wunderbaren Dioramen, die in den museumseigenen Werkstätten hergestellt werden, Virtual-Reality-Anwendungen anzubieten, die auf dem Handy abzuspielen sind. Eines steht in der Ausstellung zur Meeresforschung, Menge hat seine Entstehung begleitet, und zeigt den Forscher Charles Wyville Thomas an Bord der Challenger. Man könnte dabei den Wind pfeifen lassen und das Schiff zum Wanken bringen, während Thomson in der Kajüte seine Reagenzgläser befüllt. Die Reise der Challenger dauerte vier Jahre lang (1872-1876), sie war die erste globale See-Expedition und begründete die systematischen Ozeanografie.

Auf 4000 Quadratmetern werden im Deutschen Museum historische Schiffe gezeigt.

(Foto: Robert Haas)

Im Untergeschoss der Schifffahrtsabteilung wartet eine weitere Ikone des Museums: die U1, das erste U-Boot der Kaiserlichen Marine. Millionen von Besuchern haben dort schon gestanden und sich mit leichtem Gruseln gefragt, warum ein Mensch so etwas macht: sich in einem Stahlkäfig ins Meer versenken lassen, um feindliche Schiffe abzuschießen. Wolfgang Petersens Film "Das Boot" hat die unheimliche Atmosphäre an Bord eindrücklich geschildert. "Aber es geht noch schlimmer", sagt Menge und dreht sich um. Da steht ein kleines Zwei-Mann-U-Boot, ein sogenannter Seehund. "Das waren reine Selbstmordkommandos." Die Männer saßen tagelang eingezwängt auf ihrem Sitz, wie lebendige Bomben, jederzeit bereit, fürs Vaterland zu sterben. Wie hält man so etwas aus? Auch solche Fragen will die Kuratorin in Zukunft thematisieren.

Und noch ein Thema liegt ihr am Herzen: die Seenotrettung. Draußen, im Museumsgarten, steht die Theodor Heuss, ein Rettungskreuzer aus den Sechzigerjahren. Das Thema hat durch das Flüchtlingssterben im Mittelmeer heute eine neue Dimension erhalten. Und Menges Mitarbeiter Benedikt Funke, studierter Kapitän, bringt da eigene Erfahrung mit: Er hat die Iuventa , ein privates Rettungsschiff, vor der libyschen Küste gesteuert, bevor es in Italien festgesetzt wurde. Ein Dokumentarfilm hat die dramatischen Szenen an Bord der Iuventa  festgehalten.

Menge ist stolz auf ihr "kleines, feines Team", das spürt man. Neben dem Kapitän sind da noch ein Seefahrts- und ein Technikhistoriker. "Man braucht sehr viel Expertise an unserem Haus, aber dann auch jemanden, der das Fachwissen herunterbricht auf allgemein verständliches Niveau", sagt sie. Vor allem aber brennt sie selbst für ihre Themen rund um Museum und Meer. Wenn 2025 das ganze Haus wieder eröffnet wird, zu seinem 100. Geburtstag, dann kann sich die Kuratorin auch wieder stärker der Forschung widmen. Denn das gehört auch zu ihren Aufgaben: die Geschichte der Seefahrt und die Hintergründe der Exponate in der Sammlung zu erforschen. "Darauf freue ich mich schon", sagt sie.

Der Beruf ist ihr so wichtig dass sie nun schon seit Jahren in Kauf nimmt, ihre Familie, die in Kiel lebt, nur jedes zweite Wochenende zu sehen. Doch das Nordlicht wird noch länger in München bleiben. Sie hat die Stadt lieben gelernt, sagt sie, und schwärmt von den kulturellen Angeboten. "Mittlerweile mag ich sogar die Berge", sagt sie und lacht. Noch lieber aber geht sie segeln auf der Ostsee.

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