Deutsches Museum Sanierung wird sich verzögern

Große Baustelle: Die Gebäude, in denen sich das Deutsche Museum befindet, werden aktuell generalsaniert.

(Foto: Florian Peljak)
  • Der Oktober 2020 sei als Termin für das Ende der Generalsanierung "gefährdet", teilt das Deutsche Museum nach einem Treffen mit dem insolventen Planungsbüro mit.
  • Offenbar gibt es "Differenzen über Honorarforderungen" von SSP. Das Museum macht das Büro für Kostensteigerungen bei der Vergabe von Aufträgen verantwortlich.
  • Die Bauarbeiten werden mit 600 Millionen Euro um 150 Millionen Euro teurer kommen als geplant. Wie die Summe finanziert werden soll, ist noch offen.
  • Landtagsabgeordnete fragen bereits, ob Generaldirektor Wolfgang Heckl noch zu halten ist.
Von Sebastian Krass

Ursprünglich sollte der erste von zwei Abschnitten der Generalsanierung im Jahr 2019 fertig werden, dann war die Rede von Mai 2020, zuletzt von Oktober 2020. 19 neue Dauerausstellungen von Luft- und Raumfahrt bis zu Musik und Gesundheit sollten dann im Deutschen Museum zu sehen sein. Aber nun, nach der Insolvenz des Planungsbüros Schmidt-Schicketanz und Partner (SSP), die seit einer Woche bekannt ist, wird auch das wohl nichts. "Der Termin ist gefährdet", erklärt das Museum am Donnerstag.

Vorangegangen war ein erstes Treffen von SSP und seinem Insolvenzverwalter Axel Bierbach mit dem Deutschen Museum. Denn die Insolvenz des Münchner Architekturbüros SSP, das auch Sanierung und Umbau der Münchner Hauptfeuerwache und die Weiterentwicklung und Neugestaltung des Dombergs in Freising koordiniert, hängt nach Auskunft Bierbachs mit Problemen beim Projekt Deutsches Museum zusammen. Es gebe "Differenzen über Honorarforderungen". Nach dem Termin erklärt das Museum, das Gespräch sei "positiv und konstruktiv verlaufen. Die Gefahr, dass es zu einem Stillstand auf der Baustelle kommt, ist abgewendet". Ohne "Friktionen" werde es gleichwohl nicht weitergehen, deshalb wird es wohl auch mit dem Termin Oktober 2020 nichts, "aber wir haben die Hoffnung, dass wir die Auswirkungen der Insolvenz klein halten können".

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Weiter ins Detail gehen, wie eine künftige Zusammenarbeit mit SSP aussehen könnte, will das Museum nicht. Der Insolvenzverwalter erklärt, er sei "zuversichtlich, dass die laufenden Gespräche zu einem konstruktiven Ergebnis führen werden". Sorgen, was aus den anderen Projekten wird, wenn SSP und Deutsches Museum sich doch nicht einigen, tritt Bierbach entgegen: "Es wird mit Sicherheit eine Sanierungslösung für SSP geben. Es besteht nicht die Gefahr, dass das Büro geschlossen werden muss." Die übrigen Projekte könnten "problemlos weitergeführt werden". SSP hat 44 Angestellte und beschäftigt zehn freiberufliche Architekten.

Aus einem vertraulichen Controlling-Bericht von Ernst & Young zur Generalsanierung von Oktober 2018 geht hervor, dass das Museum SSP für Verzögerungen und Kostensteigerungen bei der Vergabe von Aufträgen verantwortlich macht. Die Ausschreibungen für Holztüren und Holzfenster etwa mussten angepasst werden. Letztlich wurde der Auftrag für die Türen 300 Prozent teurer als im Budget vorgesehen, bei den Fenstern war es ein Plus von 50 Prozent. Nach Ansicht des Museums habe SSP die Probleme nicht in den Griff bekommen, heißt es in dem Bericht. Das Museum wiederum erklärt, SSP habe wegen höheren Aufwands Honorar nachgefordert, das müsse man prüfen.

Im Raum steht auch die Frage: Wie kann es sein, dass in Zeiten des Baubooms ein etabliertes Büro wie SSP Insolvenz anmelden muss? Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Verena Osgyan, kündigt an, man werde einen Fragenkatalog einbringen. Die Fraktion will unter anderem wissen, welchen Anteil das Museum an den Turbulenzen habe und ob andere beteiligte Unternehmen auch Probleme hätten.

Aus dem Landtag ist die Frage zu hören, ob der Chef des Museums, Generaldirektor Wolfgang Heckl, noch der Richtige sei. Seine Verdienste um die Popularität des Museums seien unbestritten, heißt es von Abgeordneten hinter vorgehaltener Hand. Aber die Probleme mit der Sanierung stünden in Heckls Verantwortung. Seine Informationspolitik der Politik gegenüber sei dürftig. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) erklärt, er habe nach Bekanntwerden der Insolvenz "einen Prüfbericht von Ernst & Young Real Estate angefordert, den ich zeitnah erwarte. In diesem Bericht erwarte ich mir auch Aufklärung über das wirtschaftliche Zusammenwirken und die Einhaltung bestehender Verträge zwischen Architekturbüro und Deutschem Museum".

Unklar ist zudem, wie die seit Februar bekannte Kostensteigerung der Generalsanierung von 450 Millionen auf derzeit geplante 600 Millionen Euro finanziert werden soll. Sibler sagt, er sei in Gesprächen mit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Deren Sprecherin gibt sich reserviert: Der Bund unterstütze das Museum "im Rahmen einer einmaligen außerordentlichen Sonderfinanzierung" mit 180 Millionen Euro. "Dieser Betrag ist vertraglich gedeckelt und kann nicht erhöht werden. Über die Konsequenzen der Kostensteigerungen wird derzeit im Verwaltungsrat beraten." Der Verwaltungsrat ist auch für die Personalie des Generaldirektors zuständig. Der Vorsitzende des Gremiums, Wolfgang Reitzle, war nicht zu erreichen, sein Vize Axel Cronauer auch nicht.

Ganz fertig soll die Generalsanierung im Jahr 2025 werden, zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Museums. Ob dieser Termin zu halten ist, das wagt im Moment niemand zu prognostizieren.