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Renovierung:Warum das Deutsche Museum ein Problemfall ist

Sanierung des Deutschen Museums in München, 2019

Bis zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2025 wollte das Deutsche Museum die Sanierung geschafft haben - ob das gelingt, ist jedoch sehr fraglich.

(Foto: Florian Peljak)

Steigende Kosten, Zeitplan in Gefahr: Die Sanierung von Münchens berühmtestem Museum läuft aus dem Ruder. Woran liegt das? Ein Überblick über das Projekt.

Das Deutsche Museum in München ist in aller Welt bekannt, etwa 1,5 Millionen Menschen besuchen es jedes Jahr. Und bis zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2025 sollte es eigentlich gründlich saniert werden. Doch diese sogenannte Zukunftsinitiative läuft aus dem Ruder: Das Geld reicht nicht, das Architekturbüro ist insolvent, der Zeitplan obsolet. Ein Überblick über die Hintergründe und die Geschichte dieses Großprojekts.

Die Jahrhundert-Sanierung

Drei große Probleme hat das Deutsche Museum, rein baulich gesehen: Es steht auf einer Sandbank in der Isar; das Gebäude ist alt, es wurde 1925 fertiggestellt; und im Zweiten Weltkrieg wurde es zu weiten Teilen zerstört, danach nur notdürftig wiederhergestellt und seitdem nie mehr richtig saniert. Die Folge: Immer wieder steht Wasser im Keller, Brandschutz, Sicherheits- und Klimatechnik sind völlig veraltet. Deshalb einigen sich der Bund und der Freistaat Bayern 2010 auf die "Zukunftsinitiative Deutsches Museum", die 400 Millionen Euro kosten soll. Dass die Sanierung ein Jahrhundertprojekt wird, ist von Anfang an klar. Trotzdem geht die Museumsleitung anfangs davon aus, alles mit dem eigenen Team organisieren zu können und bis zum 100. Geburtstag des Museums im Jahr 2025 fertig zu sein.

Rasch wird klar: Die Dimension des Projektes haben alle unterschätzt, allein die notwendigsten Ertüchtigungen verschlingen schon einen Großteil des Geldes. Für den Bau wird ein Generalbevollmächtigter engagiert, ein externes Controlling eingesetzt. Dutzende neue Mitarbeiter werden eingestellt, für das Sammlungsmanagement, für die Logistik des Umzugs, für die Planung der neuen Ausstellungen. Bis zum Sommer 2016 sind Tausende Exponate - bis hin zu Flugzeugen - verpackt und abtransportiert. Die Sanierung soll in zwei Etappen erfolgen, so dass immer eine Hälfte des Museums für Besucher offen bleibt.

Deutsches Museum, Umbau, Renovierung

400 Millionen Euro sollte die Sanierung ursprünglich kosten, jetzt ist die Rede von mindestens 600 Millionen Euro.

(Foto: Florian Peljak)

Schon bald laufen Zeitpläne und Kosten aus dem Ruder. Trotz mehr als 1000 Probebohrungen erweist sich der Beton - das Deutsche Museum war eines der ersten Stahlbetongebäude in Deutschland - an vielen Stellen als zu schwach. Zu allem Übel explodieren die Baukosten bundesweit. Im April 2019 geht auch noch das Architekturbüro, das die Sanierung geplant hat, in die Insolvenz. Bald darauf verspricht der Freistaat eine Nachfinanzierung von 150 Millionen Euro - dies sei aber "das letzte Wort".

Im Juni 2019 schließlich beschließt das Museum: Zunächst einmal wird nur der erste Bauabschnitt fertiggestellt, und zwar bis 2021 und damit zwei Jahre später als geplant. Für den zweiten sollen verschiedene Varianten geplant werden, wie man diesen Teil des Museums vielleicht auch nur in kleinen Abschnitten sanieren kann. Was am Ende dann machbar ist, wird man sehen; selbst das berühmte Bergwerk steht nun zur Disposition. Von einem Kostendeckel redet keiner mehr, von einer Eröffnung im Jahr 2025 auch nicht.

Die komplizierte Trägerstruktur und Finanzierung

Das Deutsche Museum ist eine etwas komplizierte Angelegenheit, das fängt schon mit seinem Namen an: Offiziell heißt es nämlich "Deutsches Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik". Es ist keine staatliche Einrichtung, sondern eine sich selbst verwaltende Anstalt des öffentlichen Rechts, die von der Staatsregierung beaufsichtigt wird. Das Land Bayern zahlte im vergangenen Jahr - die Zukunftsinitiative nicht mitgerechnet - etwa 25 Millionen Euro an Zuschüssen, knapp acht Millionen Euro kamen vom Bund. Knapp 20 Prozent seiner Ausgaben, etwa acht Millionen Euro, erwirtschaftet das Haus nach eigenen Angaben selbst: durch die Eintritte oder Spenden. Traditionell pflegt es enge Verbindungen zur Industrie, was immer wieder auch Kritik auslöst, etwa wenn einzelne Firmen als Sponsoren von Ausstellungen auftreten.

Reichlich komplex sind die Entscheidungsstrukturen: An der Spitze des Hauses steht ein Generaldirektor. Seit 2004 ist das der Physiker Wolfgang Heckl, auch bekannt als Buchautor und langjähriger Co-Moderator des Sonntags-Stammtisches im Bayerischen Fernsehen. Der Generaldirektor wird von einem zehnköpfigen Verwaltungsrat bestimmt und braucht auch dessen Zustimmung für alle möglichen administrativen Angelegenheiten. Der Verwaltungsrat wiederum wird von einem Kuratorium gewählt, dem derzeit etwa 300 Menschen angehören.

Wolfgang M. Heckl im neuen VRlab im Deutschen Museum in München, 2018

Seit 15 Jahren leitet Wolfgang Heckl das Deutsche Museum - hier sitzt er an einem Fahrsimulator in dessen Virtiual-Reality-Lab.

(Foto: Florian Peljak)

All diese Strukturen machen ein Riesenprojekt wie die Sanierung nicht einfacher - zumal dann nicht, wenn die Kosten stark steigen und geklärt werden muss, wer sie übernimmt. 2010 war es dem umtriebigen Heckl gelungen, für die Sanierung 40 Millionen Euro an Spenden einzutreiben - das war die Voraussetzung dafür, dass Bund und Freistaat Geld zusagten. Inzwischen aber werfen dem Museumschef manche vor, die Sanierung nicht im Griff zu haben und das Ausmaß der Probleme zu verschleiern oder schönzureden.

Ein Museum von Weltrang

Vermutlich war das Deutsche Museum einmal das bedeutendste Technikmuseum der Welt. Sein Gründer Oskar von Miller wollte Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik wecken, bei allen Bevölkerungsschichten. Das zeigt sich etwa an den Experimenten zum Mitmachen in vielen Abteilungen. Zugleich trägt das Haus bis heute Meilensteine der Technikgeschichte zusammen - zuletzt präsentierte es zum Beispiel einen der ersten Transistoren der Welt. Darüber hinaus ist es bekannt für einige, nahezu ikonenhafte Exponate: das U-Boot U1 zum Beispiel, der Faradaysche Käfig, das Fischer-Segelschiff Maria - und nicht zuletzt das begehbare Bergwerk.

Das Problem: Seit Jahrzehnten wird belächelt, dass viele Experimente immer wieder kaputt sind; die Präsentation der Exponate ist oft sperrig, Teile der Ausstellung sind inhaltlich veraltet. Kritiker werfen dem Haus deshalb seit Langem didaktische Mängel vor: Es habe den Anschluss an andere bedeutende Technikmuseen der Welt verloren. Heckls erklärtes Ziel ist es, nicht nur das Gebäude zu sanieren, sondern auch dessen Inhalte zu modernisieren. Wie viel Geld dafür innerhalb der Zukunftsinitiative übrig bleibt, ist fraglich.

Eines der bekanntesten Exponate ist das Segelschiff Maria, mit dem einst in Hamburg-Finkenwerder Heringe gefangen wurden.

(Foto: Robert Haas)

Gleichwohl ist das Deutsche Museum ein Publikumsmagnet: Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 1,45 Millionen Besucher, davon allein 977 000 in die Ausstellungsräume auf der Museumsinsel. Die Flugwerft Schleißheim besuchten 103 000 - sie wurde 1992 als Dependance für die Luft- und Raumfahrt gegründet. Das Verkehrszentrum, die 2003 eröffnete Außenstelle in den Hallen der früheren Messe auf der Theresienhöhe, zählte etwa 126 000 Besucher. Auch in Bonn gibt es noch eine Dependance, eine weitere in Nürnberg ist in Planung.

Das Haus und seine Geschichte

Das Deutsche Museum steht inmitten der Isar - dort, wo 1158 der bayerische Herzog Heinrich der Löwe eine Brücke baute, um am lukrativen Salzhandel teilzuhaben, und damit die Stadt München gründete. Über Jahrhunderte diente die Insel als Holz- und Kohlelager, später kam eine Militärkaserne dazu. Zur Zeit der deutschen Reichsgründung um 1871 war die Kohleninsel der größte Floßhafen Europas. Dann hatte Oskar von Miller die Idee für ein nationales Technikmuseum, wie es London und Paris schon haben. Von der Stadt München bekam er 1903 die Kohleninsel als Baugrund. Der Ingenieur, der maßgeblich zur Elektrifizierung Bayerns beigetragen hat, fand vermögende Förderer in Industrie und Politik und band sie in die Verantwortung für das Museum ein.

Den Architektenwettbewerb gewann der Münchner Gabriel von Seidl. Seine Pläne wurden allerdings durch immer neue Wünsche Oskar von Millers mehrfach geändert. Erst 1925 wurde das Deutsche Museum dann mit einem riesigen Festakt eröffnet - der Erste Weltkrieg hatte das Projekt gebremst. Das U-Boot U 1 zog ein, Flugzeuge und Lokomotiven. 1931 konnte man die erste Fernsehsendung im Museum verfolgen. Zum ihm gehören auch eine Bibliothek und ein Kongresssaal. Denn Miller wollte nicht nur Geräte zeigen, sondern auch die wissenschaftliche und öffentliche Auseinandersetzung mit Technik befördern.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte 80 Prozent der Gebäude, der Wiederaufbau ging langsam voran. Im Oktober 1947 öffnete eine erste Sonderschau: 50 Jahre Dieselmotor. In den folgenden Jahren kamen nach und nach neue Abteilungen hinzu, 1978 erreichte die Besucherzahl die Rekordhöhe von 1,5 Millionen. Ein Rückblick in Bildern.

Das Umfeld des Museums

Ludwigsbrücke in München, 2019

Die Ludwigsbrücke und der Bereich vor dem Kongresssaalgebäude (links) werden umgestaltet. Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Platz, zwei Autospuren entfallen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Sanierung des Deutschen Museums ist an sich schon ein gigantisches Projekt, sie lässt sich aber nicht isoliert von der Umgebung betrachten. Seit Jahren und Jahrzehnten wird in München debattiert, wie es mit der innerstädtischen Isar weitergeht: Wird sie an den Uferanlagen besser zugänglich gemacht, werden diese zumindest teilweise renaturiert, kommt ein Isar-Flussbad, wird der Verkehr auf der sogenannten Isar-Parallelen reduziert, der großen, am Westufer entlang laufenden Straße? Diese und viele weitere Fragen sind weitgehend ungeklärt - bis auf eine: Vor dem Museum wird die Ludwigsbrücke deutlich umgestaltet, zulasten des Autoverkehrs, zugunsten von Radfahrern und Fußgängern.

Dort stellt sich noch eine weitere, völlig ungelöste Zukunftsfrage des Deutschen Museums: das Kongresssaal-Gebäude. Bis zur Eröffnung des Kulturzentrums Gasteig 1985 wurde es als großer Konzertsaal genutzt, später wurde es zum "Forum der Technik", diente als Kino und Planetarium. Seit 2010 besitzt das Museum das Haus wieder. Heckl will daraus einen repräsentativen Eingangsbereich für sein Museum machen, ein "Forum der Zukunft", das Zukunftstechnologien präsentieren und auch ein Ort der Debatte sein soll. Diese Idee wird aber vermutlich dem Sparzwang zum Opfer fallen. In dem Gebäude ist derzeit der Club "Blitz" untergebracht.

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