Deutsches Museum Lohnenswertes Wagnis

Ein Hingucker - noch aber ohne Brandschutz-Zulassung: der provisorische Eingang fürs Deutsche Museum. Visualisierung: Architekten Schmidt-Schicketanz & Partner/3F Studio, nuur.nu

(Foto: )

Die innovative Fassade für den provisorischen Eingangsbereich begeistert

Von Sebastian Krass

Eine 700 Quadratmeter große Fassade aus dem 3-D-Drucker, die einen Teil des Deutschen Museums verhüllt - was da wohl der Denkmalschutz sagt? Matthias Pfeil, Chef des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, ist der Erste, der nach der Vorstellung der Pläne in der Sitzung der Stadtgestaltungskommission ans Mikrofon geht: "Ich finde diesen provisorischen Zugang zum Museum spannend, auch weil es ein Pilotprojekt der TU München ist. Und dem Denkmal tut das überhaupt nicht weh." Es ist die erste von mehreren freundlichen bis begeisterten Reaktionen aus der Kommission: Es sei doch "fantastisch, wenn man da etwas Neues ausprobieren kann", sagt der Architekt Manfred Kovatsch.

Wenn im Jahr 2020 der erste Bauabschnitt der Generalsanierung abgeschlossen ist und der zweite beginnt, wird der bisherige Haupteingang zum Museum wegfallen. Deshalb plant das Museum einen provisorischen Eingangstrakt zur Corneliusbrücke hin. Das Vorhaben ist für 15 Jahre beantragt, eigentlich aber soll die Generalsanierung im Jahr 2025 abgeschlossen und damit auch das Provisorium hinfällig sein. Der Anbau soll mit plastisch geformten und lichtdurchlässigen Platten verkleidet werden, die im 3-D-Drucker hergestellt werden. Die Technik stammt von dem Unternehmen 3F Studio, das aus der TU München hervorgegangen ist.

Den Entwurf für den Anbau hat das vom Architekturbüro Schmidt-Schicketanz angefertigt. Weil die Fassade so prominent gelegen ist, beschäftigte sich die Stadtgestaltungskommission damit. Auch die Stadträte im Gremium bewerteten das Vorhaben positiv. Bettina Messinger (SPD) wollte nur wissen, ob die helle Fassade bei starker Sonneneinstrahlung unangenehme Reflexionen auslösen könnte. Herbert Danner (Grüne) fragte, ob die Gefahr bestehe, dass die direkt an der Isar gelegene Fassade von Algen und Moosen bewachsen wird wie die Wärmedämmung von Häusern. Zur möglichen Blendung sagte Moritz Mungenast von 3F Studio: "Es ist ein glänzendes Material, aber wir können steuern, wie sehr es glänzt. Es wird um eine Abwägung gehen zwischen einer Fassade, die auffallen, aber nicht unverträglich werden soll." Eine Gefahr von Bewuchs sieht Mungenast nicht: "Es wird eine ziemlich glatte Oberfläche, die man normal reinigen kann."

Am Ende begrüßte die Stadtgestaltungskommission das Projekt einstimmig und ermutigte die Planer, "so viel mit dem Material zu spielen wie möglich und zulässig". Zwei Vorbehalte gibt es aber: Die brandschutzrechtliche Zulassung für die Fassade steht noch aus. Für den Fall, dass das nicht klappt, planen die Architekten parallel mit einer gläsernen Fassade. Außerdem sucht das Deutsche Museum nach Spendern für die Fassade. Wie hoch der Bedarf ist, könne man aber nicht sagen, da die Kosten noch berechnet würden, erklärt ein Sprecher.