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Deutscher Computerspielpreis:Wenn der Dobrindt mit Darth Vader

Verleihung des Deutschen Computerspielpreises

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner taucht ein in die digitale Spielewelt - was sie nach Ansicht einiger Gamer ruhig öfter tun könnte.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Bei der Verleihung des Computerspielpreises zeigt sich, dass Politiker immer noch ein wenig mit Gamern fremdeln

Darth Vader posiert geduldig für Fotos. Ein zwei Meter hoher Super Mario wackelt über den blauen Teppich. Lara Croft und Snake, der Held des Computerspiels Metal Gear Solid mit Augenklappe, Armprothese und Knarre, beäugen aus sicherer Distanz die nahenden Politiker. Denn die sind gekommen, um zu schmusen.

Zum achten Mal wird der Deutsche Computerspielpreis am Donnerstagabend in der BMW-Welt in München verliehen. Mit dabei sind die Staatssekretärin und Präsidentin der Jury, Dorothee Bär, Bundesdigitalminister Alexander Dobrindt und die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (alle CSU). Die Fotografen knipsen drauflos, als sich Bär und Dobrindt vor der Preisverleihung von einem pinken Transformer in den Arm nehmen lassen. In den Kostümen stecken sogenannte Cosplayer, die zu Gaming-Events dazugehören wie die Boxenluder zum Motorsport. Hier, kurz vor Beginn der Verleihung, trifft die Welt der Politik das erste Mal an diesem Abend auf die Welt der Games, mit der sie seit Langem fremdelt.

Der Computerspielpreis wird von Dobrindts Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur, dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware und dem Bundesverband der Computerspieleindustrie ausgerichtet. "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gamer", eröffnet Dobrindt die Veranstaltung. Der Minister lobt die Gamer als "Innovationstreiber" für Deutschland, berichtet von seiner eigenen Leidenschaft zu Mario Kart und floskelt: "Computerspiele sind in der Mitte der Gesellschaft positioniert." Und: "Gamer sind das Epizentrum der Digitalisierung." Das klingt ein bisschen nach Naturkatastrophe.

Vor allem Dobrindt und Aigner irritieren mit ihren teilweise unbeholfenen Aussagen. Aigner schaut ungläubig von ihrem Blatt hoch, als sie selbst Computerspiele als das neue "Leitmedium" bezeichnet. Die selbsternannte "leidenschaftliche Gamerin" Dorothee Bär tut sich leichter: Sie scherzt, spielt mit dem Publikum und wirkt dabei weniger aufgesetzt. Der Aufeinanderprall der Kulturen - Gamer und Politiker - er fällt dann doch weniger heftig aus als noch vor Jahren.

Dem Deutschen Computerspielpreis geht es nach Aussage der Ausrichter darum, die "Entwicklung qualitativ hochwertiger Spiele made in Germany" zu fördern. Dazu haben sie 470 000 Euro Preisgeld in 14 Kategorien ausgelobt, so viel wie nie. Dobrindt verspricht, dass es 2017 noch einmal mehr sein werde. Der Preis wächst mit der Gaming-Branche, und die boomt.

Gewinner des Abends ist das polnische Rollenspiel "The Witcher 3: The Wild Hunt". Obwohl das düstere Game ohne Jugendfreigabe nicht aus Deutschland kommt und deshalb von allen mit Geld dotierten Kategorien ausgeschlossen ist, holt es drei Preise: bestes internationales Spiel, beste internationale Spielwelt, dazu gibt es den Publikumspreis. "Schön, dass endlich mal ein Spiel gewinnt, in dem man ein Schwert in der Hand hält", sagt der Youtuber Florian Mundt alias LeFloid, Laudator auf der Verleihung. Das ist ein kleiner Sieg für die Gaming-Szene - der Computerspielpreis war verschrien, in der Vergangenheit hauptsächlich pädagogisch wertvolle, dafür aber nicht massentaugliche Titel auszuzeichnen. Die Folge: Bisher hat kaum jemand aus der Gaming-Szene den Preis ernst genommen.

Das ist jetzt anders, der Preis dieses Jahr ist liberaler. 2012 wetterten CSU und CDU noch gegen die Auszeichnung des Ego-Shooters "Crysis 2". 2016 reichen als Voraussetzungen für eine Bewerbung die "Sicherstellung des Jugendschutzes" und "Spielspaß und Unterhaltung". Das heißt: Beinahe jedes Computerspiel, das zu 80 Prozent oder mehr in Deutschland hergestellt oder entwickelt wird, kann sich bewerben.

Bestes deutsches Spiel des Jahres ist "Anno 2205", der siebte Teil der beliebten Wirtschaftssimulations-Reihe gewinnt 100 000 Euro. Auch zwei Münchner Entwicklerteams werden ausgezeichnet: Das Spiel "Cubiverse", entwickelt von neun Studenten der Media Design Hochschule, hat das beste Nachwuchskonzept. In dem iPad-Spiel muss der Spieler Rätsel nach dem Rubik's-Cube-Prinzip lösen. "Shift Happens" aus dem Münchner Studio Klonk wurde von der Jury zum besten Kinderspiel gewählt und für das beste Gamedesign ausgezeichnet. In dem Jump-and-Run-Spiel steuern zwei Spieler die Blob-Wesen "Bismo" und "Plom". Ein bisschen gegenseitig ärgern dürfen sich die Spieler dabei, aber vor allem müssen sie kooperieren. Pädagogisch also einwandfrei. Auch in der Hauptkategorie nominiert, musste sich das Kinderspiel nur "Anno 2205" geschlagen geben.

Kritik am Preis will an diesem Abend keiner so recht äußern: "Es ist halt ein Förderpreis", sagt Peter Smits von der Youtuber-Combo PietSmiet, "Förderung ist immer eine geile Sache." LeFloid wünscht sich "weniger Politik, mehr Games" für künftige Preisverleihungen. "Man erkennt, dass von den Politikern tatsächlich die Bemühung da ist", sagt Preisträger Oliver Machek von Klonk. "Es sickert so langsam durch." Der Abend zeigt, dass sich die Politik auf die Gaming-Szene zubewegt. In den Worten Aigners: "Die Generation Game steht vor der Tür." Dabei ist sie doch eigentlich längst drin.