Genervt von den Touristen, die gerne mal die Dirndl-Puppen vor ihrem hübsch dekorierten Laden umarmen, um sich mit der Puppe und auch dem "No Photos"-Schild fotografieren zu lassen. Aber beherzt, wenn es um ihre neue Dirndl-Kollektion geht, die inspiriert ist von ungarischer Folklore, und von der Natascha Späth gerade druckfrisch die neue Modebroschüre in der Hand hält. Anouk et Emile heißen das Modelabel und auch der Laden der Designerin, die vor sechs Jahren noch mit selbst entworfenen Wiesn-T-Shirts von Geschäft zu Geschäft lief, um sie zu verkaufen. Inzwischen exportiert Natascha Späth auch nach Österreich, das hippe Modeversandhaus Conleys hat Anouk et Emile ins Sortiment aufgenommen - die 36-Jährige ist froh, dass sich die Dinge so entwickelt haben. Sie hat keine Modeschule besucht, aber den Kunst-Leistungskurs in der Schule, der es ihr heute leichtfallen lässt, Entwürfe zu zeichnen. Sie stöbert dann in Istanbul auf Basaren nach Stoffen und Bordüren und lässt die Dirndl in der Türkei produzieren.

Auch Dirndl für Mädchen, an die sich Späth damals zuerst gewagt hatte. Die Kindertracht in den Läden war "dunkel, schwer und spießig", erinnert sie sich. Der Münchner Designerin ist genau das Gegenteil gelungen: bayerische Kleidchen, mit bunten Vichy-Karos und verspielten Applikationen und Stickereien wie Bambis oder Kätzchen. Dazu gibt es bunte Tüchlein, Haarspangen und kleine, verzierte Taschen. Alles also für den wählerischen Nachwuchs.

12. September 2012, 14:412012-09-12 14:41:54 © SZ vom 12.9.2012/afis