Der richtige Rahmen für das erste Date Lokal-Termin

Banale Fragen oder lange Gesprächspausen sind das Letzte, was man sich für ein erstes Kennenlernen wünscht. Acht Bars und Restaurants, in denen Atmosphäre und Speisekarte einen entspannten Abend garantieren

Ein bissl was geht allerweil, logisch: ein bissl was essen, ein bissl was trinken, und dann sehen wir weiter. So weit die Theorie des Münchner Datings. In der Praxis ist das aber sehr viel komplizierter, wenn man sich nicht gerade Franz Münchinger schreibt und Monaco Franze heißt. "Date" bedeutet ja, dass man sich noch nicht so gut kennt, denn dann würde man ja einfach "was essen" beziehungsweise "was trinken gehen".

Wählt man für sein Date ein zu feines Restaurant, fühlt sich der andere möglicherweise zu befangen, um sein Herz zu öffnen. Oder aber, er / sie erwartet gleich eine Art Heiratsantrag und kichert den ganzen Abend bloß blöd herum, weil er / sie immer an den Nudelsketch von Loriot denken muss. Lädt man ins Burgerlokal, dann weiß man zwar gleich, ob das Gegenüber Vegetarier ist, wird vielleicht aber auch allzu schnell als Geizkragen oder als Berufsjugendlicher abgestempelt.

Das ideale Restaurant ist deshalb ein Lokal wie die Goldmarie in der Schmellerstraße. Es gibt dort moderne Regionalküche mit Südtiroler Einschlag, aber nicht so gehoben, dass man darüber gescheit daherreden muss. Zur Not kann man auch nur ein Bier oder einen Wein trinken. Sollte man im Lauf des Abends feststellen, dass man sich ja gar nichts zu sagen hat, kann man immer noch den Leuten an den anderen Tischen zuhören, denn der Geräuschpegel deckt wohlig selbst peinliche Pausen zu. Die Goldmarie passt aber auch dann, wenn sonst alles passt zwischen zwei Menschen. Insofern ist sie einfach das ideale Dating-Lokal. Franz Kotteder

(Goldmarie, Schmellerstraße 23, Telefon 51 66 92 72)

Geduldsprobe

Das erste Date ist ja meist so entspannt wie die Behandlung beim Zahnarzt. Ein bisschen spannend ist der Mensch da gegenüber, sonst würde man nicht diesem fast Fremden persönliche Dinge erzählen. Wohlfühlen sollte sich das Gegenüber und man selbst natürlich auch. Doch der Ort sagt etwas aus über Geschmack, Charakter und Stilgefühl des Auswählenden.

Das Nage und Sauge ist so ein Wohlfühlort und eignet sich sogar zum ersten und, wenn's blöd läuft, letzten Charaktertest. Reservieren? Geht nicht. Also zeigt sich gleich, wie geduldig, entspannt und spontan der potenzielle neue Lieblingsmensch ist. Denn Warte-Drinks an der Bar sind nach 19 Uhr normal, dass man sich zu anderen Gästen setzt manchmal auch. Das kleine Lokal in der Mariannenstraße im Lehel ist gemütlich, verwinkelt und vor allem entspannt. Mittlerweile wird es von den Besitzern des Hey Luigi betrieben, auch dort gibt es eine kleine Karte mit Gerichten, die es in München nicht an jeder Ecke gibt. Burger und Burrito? Fehlanzeige. Braucht es auch gar nicht. Dafür sitzt man im Fenster am kleinen Bollerofen oder im Sommer draußen. Das Stimmengewirr überlagert angenehm alles, man fühlt sich ungestört, gerade weil drumherum geplaudert und geprostet wird. Und wenn es gut lief und der Mensch auch nach der Rechnung noch spannend wirkt, ist es nicht weit zum Spaziergang an der Isar. Fällt das Gegenüber durch, liegt das Lokal so zentral, dass beide in jede Himmelsrichtung flüchten können. Anna Günther

Susi und Strolch, die beiden Disney-Hunde, wussten schon 1955 in romantischer Zweisamkeit Spaghetti zu verspeisen.

(Foto: Imago)

(Nage und Sauge, Mariannenstraße 2, Telefon 29 88 03).

Lockermacher

Bei einer Verabredung kann ja gerade am Anfang viel schiefgehen. Man ist nervös, einer muss ohnehin erst einmal warten. Dann die Begrüßung, das aus dem Mantel Helfen holpert vielleicht und wird abgelöst von einer umständlichen Bestellung: Was nimmst du? Weiß nicht. Wenn dann auch noch eine aus der aufgeregt sprachlosen Not geborene Herum-Äherei losgeht, braucht man einen resoluten Barmann, der dazwischen geht. "Gin? Wodka?" "Süß?" So fragt Clayton Gomez in seiner kleinen Bar "Mister Mumbles" in der Klenzestraße 5 die Gäste. Ruhig, freundlich, aber bestimmt. In den nächsten Minuten, bis die Getränke serviert werden, kann man sich dann auch noch einmal ein paar Unsauberheiten beim Kennenlernen erlauben. Denn klar ist: Egal, was die beiden Gäste in dieser New-Orleans-Bar bestellen, sie werden ihre wahre Freude an den Drinks haben, sodass der Abend allerspätestens nach dem ersten Schluck beschwingt verläuft. SZ

(Mister Mumbles, Klenzestraße 5, Telefon 954 41 61 79).

Tarnung

Es soll Menschen geben, die Dates furchtbar finden. Die von dem Begriff so abgeschreckt sind, dass sie das gerade eingefädelte Treffen am liebsten gleich wieder absagen würden. Nur um nicht in den Verdacht zu geraten, dass das, was sie da vorhaben, Date genannt werden könnte. Wer zu dieser Spezies zählt, der bekommt beim Wort "Date-Lokal" das Gruseln. Zweisamkeit, Kerzenschein, Rosen - auf keinen Fall!

Aber irgendwo muss man sich ja treffen. Warum also nicht in der Südstadt an der Thalkirchner Straße auf ein billiges Bier und einen Burger? Schick ist garantiert überhaupt nichts, an den Wänden hängen Zeitungsausschnitte und Plattencover aus den Neunzigern, in den abgeranzten Sofas versinkt man fast. Wer mag, kann Kicker spielen. Und wenn man Glück hat - oder gut geplant -, spielt ein semi-bekannter Singer-Songwriter ein Konzert. Das liefert genug Gesprächsstoff, entweder, weil es sehr gut ist, oder weil man dringend darüber lästern muss. Das große Plus an der Südstadt aber ist: Trifft man Bekannte, werden die nie auf die Idee kommen, dass das ein Date ist. Elisa Britzelmeier

Unverkrampfte Atmosphäre in der "Loretta Bar".

(Foto: Stephan Rumpf)

(Südstadt, Thalkirchner Straße 29, Telefon 725 01 52).

Knutschpotential

Im Winter beschlägt die Fensterscheibe, das sieht von außen nach Sauna aus, wirkt aber vor allem nach innen. Wer hinter der breiten Fensterfront Platz nimmt, fühlt sich unbeobachtet. Und wer sich unbeobachtet fühlt, denkt nicht ständig darüber nach, ob gleich ein Arbeitskollege oder die Ex gleich zur Tür hereinspaziert. Kurzum: Er wirkt unverkrampft, ein wenig so wie die Loretta Bar selbst. Sie lebt von ihrem Charme, von der Werkbank in der Mitte, den Hockern im Industriedesign, dem dezenten Licht. Tagsüber sitzen hier die Kreativen mit dem MacBook und schlürfen ihren Kaffee, doch erst abends entfaltet die Loretta ihre wahre Macht. Vorne an der Bar zum Beispiel: Hier sitzt man ungewöhnlich tief, dafür kann man den Barkeepern dabei zuschauen, wie sie Drinks mixen und in alten Marmeladengläschen servieren. In der Ecke hinten links lässt es sich dafür prima knutschen - bis dann doch die Arbeitskollegin kommt. Ach, München, du bist ein Dorf. Thierry Backes

(Loretta Bar, Müllerstraße 50, www.loretta-bar.de)

Schmeichelei

Wie sagte eine der Schönheiten in dem Film "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief": "Das Licht hier ist frauenfeindlich." Viel zu hell. Von einem bestimmten Alter an, sagen wir mal 41, empfiehlt es sich daher, ein frauenfreundliches Licht im Lokal für das erste Date zu wählen. Schließlich will man erst mal einen guten Eindruck machen. Sehr zu empfehlen ist in dieser Hinsicht das Tanzlokal Maratonga im Untergeschoss des Hofbräukellers am Wiener Platz. Im bunten Licht der nagelneuen Discokugel im ansonsten wunderbaren Retrolook kann man sich jedes Make-up sparen. Auch Blicke in die Spiegel an der Tanzfläche bei den ersten Bewegungsversuchen mit dem Neuen fördern das Selbstbewusstsein, denn sie machen jeden um zwei Kleidergrößen schlanker.

Mit wem man sich hier verabreden sollte? Auf jeden Fall jemand, der den Foxtrott-Grundschritt beherrscht und gerne bei Schlagermelodien wie "Atemlos" oder "Ein Stern, der deinen Namen trägt" mitsingt. In den Pausen nach drei Schlagern kann man sich mit ihm dann in die altmodischen Polster kuscheln. Aber Vorsicht vor den Lampen über den Tischen. Claudia Wessel

(Tanzlokal Maratonga, Innere-Wiener-Strasse 19, Telefon 488 425).

Wunderbar resolut: Clayton Gomez im "Mister Mumbles".

(Foto: Stephan Rumpf)

Fläzerei

So ein Date muss ja nicht immer am Abend sein, wenn es schummrig wird. Wie wäre es denn mal am Nachmittag? Muss ja nicht gleich ein Samstag gegen 15.30 Uhr sein, obwohl es auch dann im Sax im Glockenbach-Viertel ganz lustig sein kann. Dann fläzen sich die Bayern-Fans auf Sofas oder Biertischen und genießen - meist - die Aussicht auf die Großbildleinwand. Ist ja auch irgendwie ein Date - so unter Roten. Aber das Sax bietet sich tatsächlich bereits am Nachmittag als optimale Date-Location an; als gediegene Mischung aus Biergarten, Kneipe, Bar und Café. Im eigentlichen Biergarten unter den Kastanien ist es nachmittags tatsächlich noch ruhig, wer etwas mehr mag, kann es sich auf der Sonnenterrasse gemütlich machen. Und wer es dann doch etwas schummrig mag, der sollte einfach bis abends bleiben, so lange lässt es sich hier ganz sicher zu zweit aushalten. Martin Mühlfenzl

(Sax, Hans-Sachs-Straße 5, Tel. 26 88 35)

Körperkontakt

Manchmal ist der direkte Weg eben doch der beste. Wer keine Lust auf komplizierte Drinks hat, sich nicht um den dem Anlass angemessene Sitzwinkel und geistreich verklemmte Unterhaltung schert, schleppt sein Date einfach ins "X-Cess". Dort geht es für Münchner Verhältnisse wild und zügellos zu, es gibt keinen Dresscode und keinen Verhaltenskodex. Der stadtbekannte Betreiber Isi macht selbst mit Party zur Musik, die die Gäste auflegen dürfen.

Im X-Cess ist es spät Abends nicht mal möglich, sich nur am Kopf zu kratzen, ohne mit mindestens drei Menschen Körperkontakt zu verursachen. Also: Einfach ein Bier holen, mit dem Date auf die Tanzfläche quetschen und los. Frei nach dem Motto: Wer betrunken genug ist, fällt dem anderen irgendwann von allein auf den Mund. Christiane Lutz

(X-Cess, Sonnenstraße 8, Telefon 0179/ 695 93 37)