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Der Pandemie zum Trotz:Gut besucht

Sendlinger Sommer 2020
nur 2spaltig möglich!!

Standkonzert in der Bäckerei Neulinger - im "Sendlinger Sommer" haben auch Geschäftsleute ihre Räume zur Verfügung gestellt.

(Foto: Privat)

Der Verein "Kunst in Sendling" zieht eine positive Bilanz seiner Ausstellung

Von Birgit Lotze, Sendling

In Zeiten wie diesen sind auch ausstellende Künstler weit mehr auf Fördermittel angewiesen als sonst. "Kunst in Sendling" mit offenen Ateliers und Ausstellungen, eine der wenigen Möglichkeiten, sich im größeren Rahmen in einem Stadtviertel zu präsentieren, hätte ohne Unterstützung aus dem Fördertopf "Sendlinger Sommer" gar nicht stattfinden können. Der Topf habe einen Großteil zur Finanzierung beigetragen, sagt Berit Opelt, die Vorsitzende des Vereins "Kunst in Sendling". Denn der Verein habe keine Werbung annehmen können, wegen Corona sei die Veranstaltung immer wieder infrage gestanden, daher wurde kein Katalog gedruckt.

Die Unsicherheit war anfangs groß bei den Sendlinger Künstlern, ob eine solche Veranstaltung mit fast 50 Locations angesichts der Pandemie überhaupt durchführbar und finanzierbar sei, ob die Hygieneregeln greifen, ob überhaupt Besucher kommen. An dem Wochenende selbst habe sich gezeigt, dass der Bedarf an solchen Veranstaltungen jedenfalls sehr hoch sei, trotz Auflagen, trotz Hygienemaßnahmen, sagt Berit Opelt. Das Interesse, auch an den Einzelausstellungen, sei groß gewesen. Die Menschen seien, so ihr Eindruck, gezielter in die Ateliers gekommen.

Noch gab es coronabedingt kein Treffen der Mitglieder, keine Evaluation, doch auch Vereinssprecherin Gertrud Fassnacht, die selbst auf Ausstellungen und in Ateliers unterwegs war, hat Positives zu berichten. Von höheren Verkaufszahlen als sonst weiß sie nichts, doch die Stimmung im Viertel sei ausgesprochen schön gewesen, das direkte Feedback der Künstler auf das Konzept gut. Sie habe den Eindruck, die Umstände hätten die Gruppe enger zusammengeschweißt, sie könne sich vorstellen, dass die große Mehrheit sich wieder dafür ausspreche, sollte eine Wiederholung unter Pandemie-Bedingungen im nächsten Jahr anstehen. In diesem Jahr fungierte Gertrud Fassnacht, die sonst Atelierführungen macht, als Aufsicht und Kunstauskunft in der Kirche St. Korbinian, wo eine größere Gruppe von Künstlern zum Thema "Sind Künstler systemrelevant?" zur Diskussion anregte. 642 Besucher hätten sich dort registriert, viele weitere hätten von der Tür aus zugehört. Auch von Ateliers habe sie Rückmeldungen bekommen, in denen von 200, sogar 300 Besuchern die Rede gewesen sei, berichtet Fassnacht.

101 Künstler und Kulturschaffende sind in Sendling in diesem Sommer aus einem eigens vom Bezirksausschuss geschaffenen Topf mit 30 000 Euro gefördert worden. Ein Großteil davon floss - weil viele Kunstschaffende sich dafür bewarben - in das Projekt Kunst in Sendling. Christina Hesse, Mitinitiatorin des Programms und Fraktionssprecherin der Sendlinger Grünen, sagte, der Topf sollte den Künstlern in der für sie besonders schwierigen Pandemie einen kleinen Verdienst verschaffen und gleichzeitig Stimmung ins Stadtviertel bringen. Unter dem Slogan "Sendlinger Sommer" konnte man über das Kunst-in-Sendling-Wochenende hinaus in diesem Sommer Musik, Tanz, Theater oder Kunst an sehr unterschiedlichen Orten erleben: im Bahnwärter Thiel, in den Neuhofener Anlagen, in der Kulturschmiede, der Bäckerei Neulinger oder den Kirchen.

Die Vorsitzende des Unterausschusses Budget, Elisabeth Robles Salgado (Grüne), hat inzwischen weitere Fördermittel angekündigt. "Es ist ein extrem schwieriges Jahr für alle Kulturschaffenden. Da wollten wir parteiübergreifend ein Zeichen setzen." Zu kämpfen hätten aber auch andere Vereine und soziale Einrichtungen. Bei Anschaffungen, die wegen Corona notwendig geworden seien, könnten auch sie sich mit einer Förderanfrage an den Bezirksausschuss wenden.

© SZ vom 03.11.2020
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