Denkmalschutz Das Uhrmacherhäusl soll wieder aufgebaut werden

In der Oberen Grasstraße stand das denkmalgeschützte Uhrmacherhäusl - jetzt klafft dort eine Lücke.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Stadt will eine Verfügung erlassen, das Uhrmacherhäusl an der Oberen Grasstraße vollständig wiederherzustellen.
  • Dieter Reiter kündigte an, den Wiederaufbau des denkmalgeschützten Anwesens "mit allen rechtlichen Mitteln" durchzusetzen.
  • Im Stadtrat herrscht zu den Forderungen breiter Konsens.
Von Hubert Grundner

Auch wenn der Verlust des alten Uhrmacherhäusls an der Oberen Grasstraße nicht ungeschehen zu machen ist: Eine gewisse Befriedigung dürfte den Nachbarn, die nach dem illegalen Abriss eine harte Bestrafung des Eigentümers gefordert hatten, nun doch zuteil werden. Wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Mittwoch mitteilte, wird die Stadt eine Verfügung erlassen, das Haus vollständig wiederherzustellen - also in alter Form und Größe. Nach Möglichkeit sollten dafür auch die "ursprünglichen Baumaterialien" verwendet werden. Derzeit werde noch geklärt, ob dies machbar ist.

Münchens Rathauschef kündigte an, den Wiederaufbau des denkmalgeschützten Anwesens "mit allen rechtlichen Mitteln" durchzusetzen. "Der illegale Abbruch des alten Uhrmacherhäusls an der Oberen Grasstraße 1 in Giesing wird für die Verantwortlichen nicht folgenlos bleiben." Ein "derartig dreistes Vorgehen" dürfe dem Eigentümer am Ende nicht auch noch Geld bringen - etwa indem er an gleicher Stelle ein größeres Wohnhaus bauen darf.

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Nicht nur im Stadtrat herrscht breiter Konsens, dass das Haus wiederhergestellt werden müsse. Auch Reiter würde damit ein Versprechen einlösen, das er nach dem Zwischenfall vom 31. August und 1. September bei mehreren Gelegenheiten gegeben hat. Immerhin hatten der Eigentümer sowie die von ihm beauftragte Baufirma allem Anschein nach nicht nur die Anwohner, sondern auch den Denkmalschutz und die Lokalbaukommission (LBK) der Stadt über ihre wahren Absichten getäuscht: Statt wie beantragt das Haus zu sanieren, krachte im ersten Anlauf eine Baggerschaufel in die Fassade.

Doch selbst nachdem die LBK einen Baustopp verhängt und die Polizei die Baustelle gesperrt hatte, ließen sich die dafür Verantwortlichen nicht abschrecken: Tags darauf kehrten Bauarbeiter in die Obere Grasstraße zurück und machten das denkmalgeschützte Handwerkerhaus endgültig dem Erdboden gleich. "Ich finde es empörend, wie in einer Nacht- und Nebelaktion ein altes Stück Giesing zerstört wurde", sagte Reiter.

Um den Schaden zu beheben, sind nun nicht nur Handwerker, sondern auch Juristen gefragt: So soll es ein erstes Vorgespräch mit Vertretern der Stadt gegeben haben, zu dem der Eigentümer dem Vernehmen nach mit drei Rechtsanwälten an seiner Seite erschienen ist. Ähnliche Erfahrungen wie die Obergiesinger könnten aber auch schon Bewohner eines Hauses an der Fraunhoferstraße mit diesem Eigentümer gemacht haben. So meldete sich bei der SZ ein ehemaliger Mieter und berichtete, dass das Haus mit rabiaten Methoden "entmietet" worden sei. Auch dort habe es zwischenzeitlich einen Baustopp gegeben, den der Eigentümer ignoriert habe. Das städtische Planungsreferat nahm dazu bislang nicht Stellung.

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