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Demonstration:Demonstrationen sind die Zirkusleute schon gewöhnt

Für diesen Sonntag, 24. April, hat sich zusätzlicher "Besuch" angekündigt: Das Peta-Zwei-Streetteam München will vor dem Zirkus gegen die Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben protestieren, wie es in einer Pressemitteilung heißt. "Die Vorfälle auf Aktivisten von Peta zu schieben, ist der in unseren Augen klägliche Versuch von der eigenen Fahrlässigkeit abzulenken. Das sind keine traurigen Einzelfälle. Bei Zirkus Kaiser befreien sich die Tiere regelmäßig und jedes Jahr an verschiedenen Spielorten", kritisiert Maria Martens, die örtliche Leiterin des Peta-Streetteams.

Demonstrationen vor dem Kassenhäuschen ist man auch bei den beiden anderen Wanderzirkussen gewohnt, die zur Zeit in München gastieren. Diskussionen aber seien da zwecklos, sagt der Chef des Circus Baldoni, Anton Kaiser. Seine Tiere stammten alle seit Generationen aus Zoo- oder Zirkushaltung, "da ist kein einziger Wildfang dabei".

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"Zirkusleute arbeiten mit einem Elefanten wie der Bauer mit der Kuh", Zwang gebe es da nicht, das spreche man auch in den Vorstellungen und bei der Tierschau an. Baldoni macht derzeit Station in Oberföhring an der Cosimastraße, bis zum 8. Mai gibt es dort jeweils Freitag bis Sonntag Vorstellungen um 16 Uhr.

Seine Tiere seien "eigentlich Haustiere" sagt Anton Kaiser. Dromedare, Kamele, Lamas? "Ein bisschen Exotik" gehöre dazu. Den Tiger allerdings gibt es bei Baldoni nur in Gummi, er gehört zu dem großen Vergnügungspark aus Hüpfburgen und -figuren, der neben den Zelten gerade aufgeblasen wird.

Ein anderer Job? "Das wäre kein Leben für mich"

Die Luft ist also nicht raus aus dem Wanderzirkus-Betrieb? Mit solch zusätzlichen Attraktionen versuche man über die Runden zu kommen, erklärt Anton Kaiser. "Wir sind nicht verwöhnt." Den Zirkus gegen einen anderen Job tauschen? "Das wäre kein Leben für mich." Baldoni sei ein Wanderzirkus in der siebten Generation, "und wir brauchen uns nicht zu verstecken mit unserem Programm", sagt Kaiser stolz.

Robert Frank, Chef des Zirkus Roberto, sagt, dass man die Tourneen und Spielorte vorher untereinander abspreche, man wolle sich nicht Konkurrenz machen. Frank, den sie wegen seiner Körpergröße und den neun Kindern in der Branche "Fruchtzwerg" nennen, schwärmt viel von den früheren besseren Zirkus-Zeiten bei der Unterhaltung im Westpark, wo seine blauen Zelte und Transporter stehen.

Gleichzeitig nimmt er am Handy Reservierungen für die nächsten Vorstellungen entgegen, die noch bis zum Sonntag auf dem idyllischen Platz zwischen Wasser und Bäumen stattfinden. Er ist Realist: Mit 30 bis 70 Besuchern pro Vorstellung komme man so über die Runden, wenn nichts Außergewöhnliches passiere. Dass seine Plakate mit dem Hinweis "wegen Tierquälerei abgesagt" überklebt würden, das findet er inzwischen schon "normal".

Verstehen kann Frank den Zweck solcher Proteste nicht, immer gehe es gegen den Zirkus, "als ob man die Zirkusleute kaputt machen will". Auch Kommunen verweigerten inzwischen Auftrittsmöglichkeiten oder verlangten unbezahlbare Platzmieten. Warum der Zirkus einen so geringen Stellenwert hat in Deutschland, können alle drei Zirkusleute nicht verstehen. Eigentlich, so sagen sie, müsste er als Kulturgut gefördert werden wie in Frankreich oder Italien. Aber aufhören? "Es gibt kein schöneres Leben", da sind sie sich einig.