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Demonstration:Protest gegen Altersarmut

Für viele Münchner ist die Angst vor Altersarmut ein wichtiges Thema, doch auf die Straße gingen nur wenige.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der weiße Doppeldeckerbus ist startbereit, auch die Trommler der Münchner Ruhestörung sind schon da - nur die Demonstranten fehlen. Die Demo gegen Altersarmut sollte um 13.30 Uhr vor dem Siegestor beginnen. Laut einer Emnid-Umfrage vom vergangenen Juli gibt es kein Thema, das die Menschen in Deutschland mehr beschäftigt. Und trotzdem sind nur rund 50 Leute gekommen, um zu demonstrieren. Angemeldet hatten die Organisatoren beim Kreisverwaltungsreferat 2000.

Nicole Britz ist enttäuscht. Immer wieder hilft sie bei der Tafel und kennt viele Leute, die von Altersarmut betroffen sind. Als Gründungsmitglied der "Mut"-Partei sei ihr das Thema besonders wichtig, meint Britz. "Gerade für Frauen ist die Altersarmut gravierend, weil sie in schlechter bezahlten Jobs arbeiten." Sie glaubt, dass der Termin für die Demonstration einfach schlecht gewählt war. "Eine Woche nach der Landtagswahl sind die Leute müde von der Politik."

Dann setzt sich das kleine Grüppchen gegen viertel vor zwei in Bewegung. Inzwischen haben sich einige Mitglieder der Piratenpartei und der ÖDP mit ihren Fahnen angeschlossen. Eine Frau, die namentlich nicht genannt werden will, sagt, sie als Frührentnerin habe selbst große Angst vor der Armut im Alter. "Ich habe das Glück, in einer Wohnung zu leben, die meinem Bruder gehört, sonst würde es bei mir echt knapp werden," erzählt sie. "Dass junge Leute eine Demo gegen Altersarmut auf die Beine stellen, rührt mich. Ich glaube, sie machen das echt aus Mitgefühl und Sorge um die Gesellschaft." Einer dieser "jungen Leute" ist Gianluca Errico. Der 29-Jährige hat die Demonstration organisiert, Veranstalter ist die paneuropäische Partei "Volt", bei der er Mitglied ist. Die Bewegung ist mittlerweile in zehn europäischen Ländern als Partei registriert und setzt sich nach eigener Aussage "für mehr Zusammenarbeit in Europa" ein. In den vergangenen Wochen haben sie in München Fragebögen ausgegeben, um herauszufinden, was die Leute bewegt. Und an erster Stelle sei "Altersarmut" genannt worden, sagt Errico.