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Demonstration Der Puls schlägt für Europa

Ein paar Hundert Europa-Unterstützer kommen am Sonntag wieder zu "Pulse of Europe" auf dem Max-Joseph-Platz zusammen.

(Foto: Florian Peljak)
Von Pia Ratzesberger

Es sind in diesem Moment noch 112 Tage, sechs Stunden und 57 Minuten bis zur Europawahl und der Puls beginnt zu schlagen. Die Menschen auf dem Platz vor dem Residenztheater klatschen, und stampfen mit den Füßen, das immer gleiche Ritual schon seit mehr als zwei Jahren. Ein Puls für Frieden, für Freiheit und für Rechtsstaatlichkeit. Ein Puls für Europa. Doch vielleicht war dieser Puls noch nie so wichtig wie jetzt.

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Viele kommen schon seit Monaten auf den Max-Joseph-Platz, manche sogar seit Jahren, doch Lena Schneider ist zum ersten Mal beim "Pulse of Europe" dabei, der an jedem ersten Sonntag im Monat stattfindet. Sie ist 16 Jahre alt und mit einer Freundin da. Schneider sagt: "Ich finde toll, dass wir zu Europa gehören und will mich für die Werte einsetzen." Ihre Freundin Nicola Hahn sagt: "Europa ist nicht selbstverständlich und man muss sich darum kümmern." Es sei wichtig, dass man solche Dinge lerne, und dass man das Bewusstsein auch anderen vermittle. Letztendlich macht Hahn damit genau das, worum es der Pulse-of-Europe-Bewegung in den kommenden Wochen gehen wird.

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Zum ersten Mal findet in der noch so jungen Geschichte der Bewegung nun eine Europawahl statt; und noch dazu eine, bei der sich so grundlegend wie nie zuvor entscheiden wird, wie es mit dem Projekt Europa weitergehen wird. Die Bewegung will so viele Menschen wie möglich davon überzeugen, Ende Mai zur Wahl zu gehen und für Europa zu stimmen. Sie will auch die Menschen überzeugen, die an diesem Tag nicht vor dem Residenztheater stehen und die blaue Fahne ohnehin schon hochhalten.

Die Organisatorinnen und Organisatoren sind in diesen Wochen viel in der Stadt unterwegs, um zu informieren, zu debattieren. Es sei schade, sagt Michael Bögl, dass man noch immer darüber reden müsse, wer für und wer gegen Europa sei. Er ist einer der Gründer von Pulse of Europe in München und hofft, dass in den kommenden Monaten vielleicht wieder Tausende auf dem Platz zusammenkommen werden, wie noch vor zwei Jahren.

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Heute sind es trotz des vielen Schnees immerhin ein paar Hundert geworden. Auch in anderen Städten beginnt an diesem Tag die neue Pulse-Saison: In Berlin und Köln, in Freiburg, Stuttgart und in Düsseldorf. Und selbstverständlich auch in Frankfurt - in jener Stadt, in der ein Ehepaar nach dem Votum für den Brexit und nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Winter des Jahres 2016 zur ersten Demonstration aufrief. Damals versammelten sich nur wenige Hundert Menschen, doch es dauerte nicht lange, bis sie im Frühjahr 2017 zu Tausenden am Römerberg standen. Dann begann der Puls auch in anderen Städten zu schlagen, und auch in München.

Ein klares Zeichen für Europa

Es ging den Demonstranten um ein klares Zeichen für Europa, nachdem das erste Mitglied in der Geschichte der Europäischen Union beschlossen hatte, wieder auszutreten. Im Jahr 2017 standen noch dazu in Frankreich und in den Niederlanden Wahlen an, zu dieser Zeit versammelten sich bei Pulse of Europe die meisten Menschen auf der Straße. Anschließend nahm die Zahl zwar ab, doch in München kamen immer ein paar Hundert zusammen. Im Winter 2017 sagte Michael Bögl noch: "Sobald es wieder ernst wird, haben wir die 4000 Leute auch wieder zusammen." Jetzt wird es ernst und Bögl ist nach wie vor zuversichtlich: "Die Leute werden kommen."

Einer der treuen Teilnehmer ist zum Beispiel Heinz Mravlag. Der Architekt im Ruhestand kommt schon seit mehr als zwei Jahren regelmäßig vor das Residenztheater. Heute hat er ein Schild mit dabei, auf dem steht: "Opa gegen Rechts" - in Anlehnung an die Gruppe der "Omas gegen Rechts", die wie bei so vielen Demonstrationen auch an diesem Sonntag wieder mit dabei sind. Mravlag sagt, es verstoße doch gegen alles Wissen, gegen Europa zu sein. Wenn man die Welt vom Mond aus betrachte, sehe man ohnehin nur einen kleinen Planeten - und den müsse man gemeinsam erhalten.

Ein paar Meter weiter stehen die Schülerinnen Lena Schneider und Nicola Hahn. Auch sie haben ein Schild dabei. Auf dem steht: "FrEUnde".

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