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Demonstration:Ein Masskrug voller Möglichkeiten

Wiesneinzug der Klimahelden

Mit dem Dreirad fuhr diese Mutter mit ihren Kindern auf die Theresienwiese, um zu zeigen, dass Radeln Spaß und saubere Luft macht.

(Foto: Florian Peljak)

Das Aktionsbündnis "Netzwerk Klimaherbst" wirbt mit einem alternativen Wiesn-Einzug für seine Ziele

Von Franz Kotteder

Der Esel vom Ernährungsrat, beladen mit Körben voller Gemüse und Früchten aus der Region, kann es kaum erwarten, dass die Demo beginnt und stärkt sich schon mal aus den eigenen Beständen, bis er von seinen Besitzern zur Ordnung gerufen wird. Soll ja noch was drin bleiben, in den Körben, bis man um zwölf Uhr endlich auf der Theresienwiese ist.

Das Aktionsbündnis Netzwerk Klimaherbst hatte am Samstag zum "Wiesneinzug der Klimaheld*innen" aufgerufen, exakt 100 Teilnehmer waren von der Stadt genehmigt worden und zogen vom riesigen Staccioli-Ring vor dem Luxushotel The Charles beim Hauptbahnhof über den Stachus und die Sonnenstraße auf die Theresienwiese. Aus dem geplanten Ausschank von nachhaltigem Gerstensaft wurde dort wegen des kurzfristig verhängten Alkoholverbots zwar nichts, aber den Initiatoren gelang es trotz der arg beschränkten Teilnehmerzahl doch, einen ganzen "Masskrug voller Möglichkeiten" (Mitorganisatorin Susanne Seeling) anzubieten.

Von besagtem Esel über das bekannte Feuerwehrauto von Fridays for Future, vom ersten Elektro-Fiaker mit Stromkutsche von den Pedalhelden bis zu den fahrbaren Wanderbäumen von Green City gab es nicht nur viel fürs Auge, sondern auch viele Anregungen zum Mitmachen. "Auch wenn gerade viel Schlimmes passiert", so Antonia Messerschmitt von Fridays for future und neues Klimaherbst-Vorstandsmitglied, "es gibt bereits sehr viele Lösungsideen und gelebte Projekte für Klimaschutz". Durch Corona sei die Problematik etwas in den Hintergrund gerückt, das Oktoberfest habe man nun bewusst als Aufhänger gewählt, so Susanne Seeling, um aufmerksam darauf zu machen: "Beim Oktoberfest kommen Menschen aus aller Welt zusammen und sitzen an einem Tisch. Bei der Klimakrise sitzen wir auch an einem Tisch."

© SZ vom 21.09.2020

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