DEL2Alle für einen

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Die Mischung macht's: Zwei Tage nach einem 1:7 bleibt Löwen-Torhüter Ben Meisner beim Tölzer 5:0-Sieg gegen Freiburg erstmals in dieser Saison ohne Gegentor.

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz

Ben Meisner lächelt nicht. Die Nummer eins der Tölzer Löwen hat soeben sein erstes Spiel in dieser Saison ohne Gegentor überstanden, er war "Man of the Match" beim 5:0 gegen die Wölfe Freiburg, das die Löwen auf Platz acht klettern lässt. Für einen Torwart ist so ein Shutout eine schöne Sache, "wie ein Hattrick für einen Stürmer", sagt Trainer Markus Berwanger. Macht sich gut in der Statistik.

Die Tölzer Statistik in der DEL2 ist mit 88 Gegentreffern in 22 Spielen nicht die beste. Vier Gegentreffer pro Partie sind nach gängiger Branchenmeinung auf Dauer mindestens einer zu viel. Umso schöner muss so ein Abend für einen Torwart sein, wenn die Kollegen sich zwei Tage nach einem frustrierenden 1:7 in Kaufbeuren alle für einen in jeden Schuss werfen, oder, Ben Meisner? Aber Meisner bleibt nach dem Spiel genauso ungerührt wie zuvor auf dem Eis. "Es ist schön zu sehen, was möglich ist, wenn wir über 60 Minuten konzentriert spielen", sagt der Deutschkanadier.

Meisner ist nicht der Typ einer für alle. Er stellt hohe Ansprüche, an sich selbst und an sein Umfeld. Wer mit ihm spricht, glaubt einen Veteranen vor sich, den seine Erfahrungen unerschütterlich gemacht haben. "Gewinnen tut weh", lautet so einer seiner Erfahrungssätze. "Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir Schüsse blocken." Oder: "Eishockey ist keine Wissenschaft. Manchmal läuft es für dich, manchmal nicht." Es sind die kleinen Gewissheiten im Leben des Torwarts Ben Meisner, auf die er sich verlassen kann.

Im Sommer, als er aus Augsburg nach Tölz kam, hat er mit einem Artikel in der Players' Tribune, in dem er offen von Selbstmordgedanken berichtete, weltweit Aufsehen erregt. Meisner drohte am Druck im Profisport zu zerbrechen. Am Dienstagabend steht er aufgeräumt vor der Kabine und sagt: "Ich versuche, nicht zu sehr auf die Statistiken zu schauen" - was ein bisschen geflunkert sein könnte - "sondern die Scheiben zu halten, die ich halten sollte." 38 waren es am Dienstag.

Schießt Tore und blockt Schüsse: „Ich versuche zu helfen“, sagt Stephen MacAulay, hier zwischen Freiburgs Torwart Hertel und Kapitän Rießle.
Schießt Tore und blockt Schüsse: „Ich versuche zu helfen“, sagt Stephen MacAulay, hier zwischen Freiburgs Torwart Hertel und Kapitän Rießle. Manfred Neubauer

In Tölz scheint der 28-Jährige, der zu Beginn seiner Karriere von schlimmen Existenzängsten getrieben wurde, zu seiner inneren Ruhe zu finden. "Ich fühle mich wohl hier. Ich bin mit offenen Armen empfangen worden." Dass der neue Anlauf nicht problemlos war, deutet er nur an. "So ein Übergang ist immer schwierig. In Augsburg hatte ich drei Jahre denselben Trainer, dasselbe System, dieselben Abläufe, jeden Tag. Hier war alles neu. Das braucht Zeit." Aber Zeit haben sie in Tölz (jedenfalls mehr als Geld) und geben sie ihm. "Wir müssen das Rad nicht neu erfinden", sagt Meisner. Die Mannschaft habe alles, Speed, Talent, Mumm: "Der Mix stimmt." Nur müsse alles zusammenkommen. So wie am Dienstag. "Heute war jede Reihe voll im Spiel. Das brauchen wir."

Schnitt. Vor die Kabine tritt Stephen MacAulay. Der 26-Jährige strahlt. MacAulay hat gegen Freiburg das 5:0 (47.) geschossen, nicht das wichtigste Tor, aber eins der schöneren. Zuvor hat er Kyle Beach das 4:0 (44.) aufgelegt, ein perfekter Konter über Kevin Wehrs, der das 1:0 (15.) erzielt hatte. "Kyle und ich kannten uns vorher nicht, aber die Chemie stimmt", sagt MacAulay. Auch die beiden Kanadier sind neu in Tölz. Mit 35 (Beach) und 29 Punkten sind sie die Topscorer im Team, aber auch Andreas Pauli (26), der dritte Mann in ihrer Reihe, spiele eine großartige Saison. "Es war unser erster Shutout, aber alle haben gut gespielt", sagt MacAulay.

Der Wechsel von Nordamerika nach Südbayern war für ihn kein Problem. "Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Ich wusste nur ein bisschen was von Kony Abeltshauser." Der Tölzer Abeltshauser, Verteidiger beim EHC Red Bull München, war einst in Halifax sein Teamkamerad und habe ihm erzählt, wie schön es im Oberland sei. Die Umstellung auf die größeren Eisflächen in Europa kommt MacAulay entgegen. "Ja, ich bin ein guter Schlittschuhläufer. Man hat hier ein bisschen mehr Zeit und ich kann was damit anfangen. Aber es ist immer noch Eishockey." Das klingt nach Ben Meisner. Der Unterschied: MacAulay hört nicht auf zu grinsen, wenn er spricht. Das einzige, was ihn stört: "Ich spreche noch zu wenig Deutsch, um alles zu verstehen, was die Jungs sagen. Aber ich versuche zu helfen." Dafür büffelt er einmal pro Woche. "I try to learn a little bit of Deutsch", sagt MacAulay.

Ein Mittelstürmer, der vorne Tore schießt, hinten Schüsse blockt und dazwischen noch die Mitspieler führt - wenn man Markus Berwanger fragt, wie dieser Stephen MacAulay sei, der von den Florida Everblades aus der drittklassigen ECHL nach Tölz gekommen ist, schwärmt der Trainer: "Sehr angenehm. Intelligent. Unkompliziert. Es ist sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten." Wenn ein Angebot kommen sollte aus der DEL, "würde ich mich freuen", sagt MacAulay, und zwar "ekstatisch". Aber jetzt konzentriere er sich erst einmal darauf, mit Tölz in die Playoffs zu kommen. Was schwer genug ist. Die Tabelle ist eng, die Mannschaft jung, Leistungsschwankungen seien normal. Dann verabschiedet er sich mit einem fröhlichen "Servus" in die Kabine.

Meisner und MacAulay, der Torwart und der Stürmer, introvertiert der eine, ein Leader der andere: Unterschiedlicher könnten zwei Spieler kaum sein. Auf den Mix kommt es an.

© SZ vom 29.11.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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