Dehbaschi Rohe Zwiebel als Appetizer

Das Dehbaschi ist gemütlich eingerichtet. Gedimmtes Licht, Tonkrüge, Keramiktöpfe mit Ähren, dazu rustikale Holzmöbel erinnern an das antike Persien.

(Foto: Sara Zinnecker)

Tonkrüge, getrocknete Ähren, Ziegelsteinmauern: Das persisches Restaurant Dehbaschi setzt auf Ursprünglichkeit und Regionalität. Doch das reicht nicht immer.

Von Isabel Meixner

Das Dehbaschi wirkt auf den ersten Blick sehr gemütlich: Gedimmte Wandleuchter strahlen die Ziegelsteinmauern in einem warmen Braun an, große Kissen auf den Bänken laden dazu ein, es sich gemütlich zu machen. An der Wand hängen Keramiktöpfe mit getrockneten Ähren und Herbstblumen. Alte Holzbalken, auf denen Tonkrüge platziert sind, runden das antike Erscheinungsbild eines der ältesten persischen Restaurants der Stadt ab.

Doch schon nach kurzer Zeit trübt ein grelles Pfeifen den positiven Eindruck. Ein Tinnitus? Nein, der hohe Ton kommt aus der Küche des Restaurants, wohl von einem Pürierstab oder anderem Kochgerät. Dass wir das Pfeifen während des gesamten Abends im Lokal hören, liegt daran, dass die Küche nur durch eine halbhohe Schwingtür abgetrennt ist. Und noch etwas stört die Atmosphäre: die Tram, die alle fünf Minuten vorbeirauscht.

Dehbaschi

Wie im alten Persien

Wir haben einen Tisch reserviert, doch das wäre nicht nötig gewesen. Nur ein älteres Ehepaar, eine Familie mit Kleinkind und drei Männer sind da. Die Kellnerin bringt als Appetizer auf Kosten des Hauses Fladenbrot, Oliven, Pepperoni - und eine halbe Zwiebel pro Person. Roh, versteht sich. Unsere Tischnachbarn scheinen sich über den ungewöhnlichen Appetizer nicht zu wundern: Sie schälen einzelne Zwiebelscheiben ab und legen sie auf das Fladenbrot. Das probieren wir auch, lassen es aber nach einem Bissen sein.

Stattdessen widmen wir uns der Speisekarte. Die Bedienung hält sich dezent im Hintergrund, ist aber gleich zur Stelle, als wir die Karte zuklappen.

Als Vorspeise wählen wir eine persische Suppe (3,90 Euro) und Weinblätter mit Reis-Gemüse-Füllung (5,50 Euro). Dazu gibt es Dugh (2,40 Euro), einen Joghurtdrink mit Kräutern. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Ein Feuerwerk der Gewürze vielleicht? Wir sind ein bisschen enttäuscht, als die Suppe kommt: Sie ist dickflüssig und schmeckt nichtssagend, die Gerste, die laut Speisekarte nach persischer Art zubereitet wurde, erinnert eher an verkochten Reis. Anders hingegen die Weinblätter: Sie werden mit Limetten und einer Knoblauch-Joghurt-Sauce serviert, wodurch die Reis-Gemüse-Füllung einen leicht säuerlichen Geschmack erhält.

Während die Vorspeise joghurtlastig ist, steht beim Hauptgericht der Safran-Reis im Mittelpunkt. Dazu gibt es mariniertes Lammfilet (11,90 Euro), zwei Hackspieße aus Hähnchenfleisch (9,90 Euro) und jeweils eine gegrillte Tomate, die außen schwarz, innen aber kalt ist.

Das zarte und saftige Hähnchenfleisch erfüllt unsere Erwartungen - im Gegensatz zum Lammfleisch, das anscheinend zu lange auf dem Grill gelegen hat. Auch hätte der Koch gerne tiefer in die Gewürztasche greifen können. Ein Glück, dass noch die rohen Zwiebeln vom Appetizer auf dem Tisch stehen. So erhält das Gericht ein bisschen Pepp.

Auch der Nachtisch wird typisch persisch. Wir bestellen eine Pistazien-Nuss-Mischung in Blätterteig (4,90 Euro) und ein persisches Eis (4,50 Euro), dessen Zutaten sich exotisch anhören: Safran, Pistazien und Rosenwasser. Die Desserts sind ein ungewohntes, extrem süßes Geschmackserlebnis: Das Blätterteig-Gebäck ist in Honigsirup eingelegt; das Eis schmeckt mit seinem Rosenwasser-Konzentrat ungewöhnlich intensiv und wie Parfüm.

Die Portionen sind groß genug, dass man zu zweit daran essen kann. Das wussten wir nicht, sodass wir einen Teil zurückgehen lassen. Das nimmt die Kellnerin anscheinend persönlich und wirft uns einen vorwurfsvollen Blick zu.

Eine Tasse Schwarztee, der bereits den ganzen Abend in einem Samowar, einer Art riesigen Wasserkocher, brodelt, bildet den Abschluss unseres persischen Abends. Danach geht es nach Hause. Die Tram ist ja nicht weit.