Debatte ums "kleine Derby":Verärgerte Fußballfans

Diskussion um Gewalt von Fußballfans vor dem kleinen Derby im Grünwalder Stadion

"Aufgebauscht" sei die Aufregung um das Derby, meinen Fans.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Von "Machtdemonstration" und "Polizeihauptstadt" ist die Rede: Bayern- und Sechzig-Fans lehnen den Vorschlag ab, das "kleine Derby" aus Sicherheitsgründen nicht mehr im Grünwalder Stadion auszutragen - und wittern Stimmungsmache.

Von Andreas Glas

Markus Drees ist keiner, der laut poltert, wenn er sich ärgert. Aber in seiner Stimme liegt etwas Bitteres, wenn er über das Derby vom Ostermontag redet, über den Polizeiaufmarsch und über die Gedankenspiele, die jetzt im Raum stehen. "Aufgebauscht" sei das alles, sagt Drees, der Vorsitzende des Vereins "Freunde des Sechzger-Stadions".

Er meint die Berichte der Polizei, in denen viel von Gewalt die Rede ist, und er meint die Überlegungen, das Regionalliga-Fußballspiel zwischen den U-23-Teams des FC Bayern und des TSV 1860 künftig nicht mehr im Grünwalder Stadion auszutragen - sondern in der Fröttmaninger Arena. Und mit diesem Ärger ist Drees nicht allein.

Auch auf Facebook machen Fans beider Lager ihrem Ärger Luft. Von "Stimmungsmache" der Polizei ist die Rede, von der "Polizeihauptstadt München" und davon, dass die Polizei die Fußballfans pauschal "zu potenziellen Schlägern, Pyrotechnikern und sonst noch was abstempelt". Ähnlich sieht das ein offizieller Vertreter der Fanszene des FC Bayern, der nicht namentlich genannt werden will. Dass rund um das "kleine Derby" 1200 Einsatzkräfte im Einsatz waren, sei eine "reine Machtdemonstration" der Polizei gewesen, die in keinem Verhältnis zur Wirklichkeit stehe. In der Rückschau auf den Ostermontag, sagt der Fan-Vertreter, könne er "nichts Verwerfliches erkennen, kein Fehlverhalten der Fans".

Was Fans über die Polizeiaktion denken

Dass der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) das Fan-Verhalten trotzdem als "nicht akzeptabel" bezeichnete, ist für den Fan-Vertreter eine "öffentlichkeitswirksame Strategie", um Fußballspiele im Grünwalder Stadion künftig ganz zu verbieten. Daran hat auch Löwen-Fan-Vertreter Markus Drees keinen Zweifel. Da die Stadt seit Wochen über eine mögliche Rückkehr der Löwen-Profis ins Grünwalder Stadion diskutiere, wolle die Polizei nun "mit einem martialischem Aufgebot den Anliegern signalisieren, dass das bald alle zwei Wochen so sein könnte". Dabei sei das Amateur-Derby nicht vergleichbar mit Zweit- und Drittligaspielen, zu denen "nur ein paar hundert Gästefans kommen".

Sollte das "kleine Derby" tatsächlich bald in der Arena stattfinden, ginge viel Atmosphäre verloren, fürchtet einer aus der Fanszene des FC Bayern: "Es würde den Hype herunterkochen." Die gleiche Befürchtung hat ein Facebook-Nutzer: "Weder im Oly (Olympiastadion, Anm. d. Red.) noch in der Arena herrscht Stimmung, außerdem ist und bleibt das Grünwalder Kult!"

Was ein Umzug in die Arena bewirken könnte

Dagegen glaubt 1860-Fan-Vertreter Drees, dass die Massen auch in die Arena pilgern würden - und damit neue Schwierigkeiten entstehen. "Bei ihrer Jammerei bedenkt die Polizei nicht, dass die beiden Fangruppen zusammen mit der U 6 zum Spiel fahren müssten", sagt Drees. Das habe schon beim DFB-Pokal-Derby im Jahr 2008 für Chaos gesorgt, als vor Spielbeginn drei U-Bahnen mit eingeschlagenen Fensterscheiben liegenblieben.

Und auch an der Situation in der Innenstadt würde sich nichts ändern, glaubt Drees. Er erwartet, dass sich die Fangruppen vor dem Spiel trotzdem an den üblichen Plätzen treffen: "Die Bayern-Fans werden weiterhin am Viktualienmarkt sein und die Sechzger in Giesing. Da ändert sich überhaupt nichts", sagt Drees. Außer eben, dass die Polizei dann gleichzeitig "auf zwei große Gruppen aufpassen muss", wenn die verfeindeten Lager zusammen U-Bahn fahren.

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