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Debatte um Fahrverbot:"Der gleitet so schön auf der Autobahn"

Die Antidieselhysterie drückt die Preise. Dusun Musulin freut sich, dass er vor Kurzem einen gebrauchten Golf für wenig Geld bekam.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dusun Musulin, Restaurantleiter, grauer Golf TDI, Euro 6, Baujahr 2015, 14 000 Kilometer auf dem Tacho

Dusun Musulin fuhr 15 Jahre lang Passat, einen Benziner. Mitten hinein in die Debatte um Dieselverbote kaufte er vor vier Monaten einen Diesel, gebraucht, vom deutschen Zoll. Nur 16 000 Euro bezahlte er für den zwei Jahre alten Golf und ist sehr zufrieden: "Der gleitet so schön auf der Autobahn." Musulin hat den Wagen vor allem wegen des günstigen Preises und der niedrigen Steuern gekauft. Außerdem hält er seinen Diesel mit Euro-6-Standard für besonders umweltverträglich. Musulin ist überzeugt: "Weniger Abgase gehen nicht."

"Im Stau stehen, das macht doch keinen Spaß"

"Autos raus aus der Altstadt", fordert der Taxifahrer Sebastian Reiter.

(Foto: Stephan Rumpf)

Sebastian Reiter, Taxifahrer, elfenbeinfarbener VW Sharan TDI, Euro 5, 340 000 Kilometer, Baujahr 2014

Sebastian Reiter ist gelernter Maschinenschlosser und arbeitet seit drei Jahren als Taxifahrer. Das Familienunternehmen, bei dem er angestellt ist, macht vor allem Krankentransporte. Reiter fährt jeden Tag durch ganz Bayern, um Patienten zu Kliniken zu bringen. Er liebt es, Klassik zu hören, während Berge und Seen am Fenster vorbeiziehen. Nach den Krankenfahrten stellt er sich an den Viktualienmarkt, dort wartet er auch gerade auf Kunden. Privat verzichtet er aufs Auto, vor einem Jahr hat er seinen alten Golf abgeschafft. Er hat es nicht weit zur S-Bahn, "ich komme überall hin", sagt er. Ob er das Autofahren nicht vermissen würde, wenn er nicht jeden Tag im Taxi sitzen würde? Reiter überlegt und meint dann, dass er sein Auto auch abgeschafft hätte, wenn er nicht Taxifahrer geworden wäre. Denn aufs Autofahren in der Stadt könne er getrost verzichten. "Im Stau stehen, im Dreck, das macht doch keinen Spaß", sagt er und deutet auf den roten Touristenbus, der sich durch die enge Straße am Viktualienmarkt quetscht. Die normale Fahrzeit vom Viktualienmarkt zum Hauptbahnhof beträgt laut Reiter zehn Minuten. Wegen Stau und Baustellen würde es inzwischen eine halbe Stunde dauern. Wenn es nach Reiter ginge, sollte die Stadt ihr Verkehrskonzept rigoros ändern: Kein motorisierter Individualverkehr innerhalb des Altstadtrings. Nur Busse, Bahnen und Taxis sollten in der Innenstadt fahren dürfen - egal, ob sie mit Benzin oder Diesel angetrieben werden.

"Die würden auf die Barrikaden gehen"

Roland Wania hat sechs Firmenwagen - alle fahren mit Diesel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Roland Wania, Geschäftsführer, roter Renault Kangoo Rapid dCi, Euro 4, Baujahr 2006, 90 000 Kilometer

1963 hat Roland Wania seine Firma im Glockenbachviertel gegründet, er verkauft und wartet Feuerlöscher. Um die Mittagszeit parkt vor der Tür ein roter Renault Kangoo. Mit seinen elf Jahren ist er das älteste Firmenfahrzeug. Die anderen fünf Autos sind neuer, alle werden mit Diesel betankt. "Ich bin absolut gegen ein Dieselfahrverbot", poltert Wania am Mittagstisch auf die Dieseldebatte angesprochen los. Viele Jahre sei propagiert worden, dass Diesel für Vielfahrer die beste Lösung seien, auch privat fährt er einen Diesel. Dass in absehbarer Zeit ein Dieselfahrverbot kommen werde, kann er sich absolut nicht vorstellen, er setzt auf Übergangsfristen. "Alle kleinen Handwerksbetriebe haben Dieselautos. Die würden auf die Barrikaden gehen", prophezeit er. Noch ist er ganz locker. Der Paketbote fährt vor, auch im Diesel. Wania nimmt ein Päckchen entgegen und sagt: "Post würden wir dann auch nicht mehr bekommen." Es klingt nicht so, als könnte er sich das ernsthaft vorstellen.