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Das ist schön:Streit um Skulptur

Zott verhandelt mit Unterammergau

Von Sabine Reithmaier

Unterammergau kommt doch nicht in den Genuss seines ersten Bürgerbegehrens. Unternehmer Christian Zott, gebürtig im Dorf und Schöpfer der mSE-Kunsthalle, hat es zurückgezogen. Daher zieht die "Sichtung III", die im Dorf kontrovers diskutierte Raum- und Klangskulptur von Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier, bald wieder weiter. Im August wird sie abgebaut.

Der mehr als 32 Meter hohe, begehbare Turm ist ein fabelhaftes Kunstwerk, hergestellt aus 13 stählernen Kuben, die ohne eine einzige Schweißnaht übereinander verschraubt sind. Wer die 156 Stufen hinaufsteigt, erlebt einen ständigen Perspektivwechsel, hört seine Schritte klingen, fühlt den Wind, spürt die Schwingung des Materials - es gibt nicht viele Skulpturen, die so mit allen Sinnen erlebbar sind. Trotzdem war der "rostige Stängel", noch einer der sanfteren Kosenamen, mit denen die Gegner den Corten-Stahlturm belegten, nicht wenigen Einheimischen ein Dorn im Auge. Und seit Mitte April ist er auch ein Schwarzbau, die Genehmigung des Landratsamts für den fliegenden Bau war ausgelaufen.

Ursprünglich hat das Künstlerpaar die Sichtung zum Wandern geschaffen. Die römische Zahl markiert die Standorte. Sichtung I stand im Erdinger Land, die II im Münchner Kreativquartier, die III seit Eröffnung der Kunsthalle im Oktober in deren Skulpturengarten. Dort sollte sie, laut Newsletter der Kunsthalle gemäß der Intention der Künstler, ihren Heimatstandort finden. Daher bemühte sich Zott um eine Genehmigung zum Verbleib. Doch bevor der Gemeinderat noch mit Verweis auf die Festsetzungen des Bebauungsplans ablehnen konnte - inzwischen hat er es gemacht - , initiierte Zott ein Bürgerbegehren, hatte schnell die notwendigen Stimmen zusammen. Aber die Regierung von Oberbayern fand das Begehren unzulässig formuliert.

Zott zog zurück. Er mache das nur, weil er keinen Unfrieden im Dorf stiften will, lässt er wissen. Er hätte schließlich den Antrag neu fassen oder die Angelegenheit gerichtlich klären lassen können. "Der Aufwand und die bevorstehenden Kosten für die Gemeinde wären immer höher geworden und nicht gerechtfertigt gewesen." Klingt sehr edelmütig.

Immerhin hat er durch die Aktion viel Aufmerksamkeit auf seine Kunsthalle gezogen und geschickt davon abgelenkt, dass es dort, anders als angekündigt, nichts Neues gibt, also immer noch Beltracchis Kairos-Betrachtungen hängen. Zott diskutiert gerade mit Gemeinde und Landratsamt, ob die Sichtung nach ihren Ausflügen zumindest temporär wieder zurückkehren darf. Und das wäre auf jeden Fall schön.

© SZ vom 04.07.2020

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