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Das ist schön:Kulturkampf

Das Projekt "Coding Da Vinci" spricht die Hacker-Jugend an

Kultur generiert keine Klicks. Jedenfalls nicht, sofern kein Popstar vom Kaliber David Bowie gestorben ist oder ein vermeintlicher Raubkunstschatz von einer Milliarde Euro Wert wie der des bedauernswerten Cornelius Gurlitt gefunden wurde. Klingt zynisch, ist aber das, was wir Kulturjournalisten seit Jahren zu hören bekommen. Gegen Terroranschläge, Viren-Epidemien und in Baumärkten kampierende Katerchen haben wir einfach keine Chance. Zu viel Mindf*** statt richtig Porno, zu kompliziert, zu versponnen, zu wenig hart in seinem News-Wert. Und das hat Folgen, wenn man sich nicht wehrt. Die Höchststrafe in unserer Welt der Bilder: Unsichtbarkeit.

Das geht freilich nicht nur über die Künste Reflektierenden so, sondern vor allem Kulturschaffenden und -erhaltenden selbst: Museen, Theatern, Verlagen. Wer die Übersetzung seiner Inhalte in die digitale Welt nicht schafft und sie nicht auffällig genug platziert, der verschwindet. Zunächst weil er im schrillen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit und die rare Zeit des immer gehetzten, modernen Menschen unterlegen ist. Dann weil kaum ein Verantwortlicher, der über die Verteilung von Steuergeldern herrscht, noch einen Heller für ihn ausgeben wird. Die Kultur jenseits gewisser Popularphänomene ist bedroht. Diesmal ist nicht das Wirken ehrbarer Einzelkämpfer und Künstler gemeint. Betroffen sind vor allem die Institutionen dessen, was die Leute gemeinhin - manche sogar in neidischem Groll - "die Hochkultur" nennen.

Glücklicherweise hat das die staatliche Seite zumindest ein wenig auf dem Radar. So fließen auch öffentliche Gelder in "Coding Da Vinci". Dieses Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung (digiS), der Open Knowledge Foundation und von Wikimedia hat zum Ziel, "technikaffine Communities mit Kulturinstitutionen zu vernetzen, um das kreative Potenzial in unserem digitalen Kulturerbe weiter zu entfalten". Kurz gesagt, es will helfen, Schätze aus Gemälden, Archivmaterial und Worten sinnstiftend und spielerisch ins Netz zu übertragen. 2019 wurde so ein Hackathon erstmals Mal in Bayern ausgetragen. Jetzt folgt die Version für kreative Leute von zwölf bis 18 Jahren: "Jugend hackt!" vom 6. bis 8. März in der Whitebox im Werksviertel. Das Motto ist "Code and Culture". Dafür arbeiten die Jugendlichen mit den offenen und spannenden Kulturdaten, die 31 Museen, Bibliotheken, Archive in Bayern und Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt haben. Die Datensets reichen von geografischen Karten bis zu Speisekarten, von Gemälden über Architekturzeichnungen bis zu Passbildern oder Wahlergebnissen. Das ist wichtig und schön.

© SZ vom 29.02.2020
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