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Das ist schön:Hürdenlauf

Amanda-Quartett

Das Amanda-Quartett spielte am Mittwoch in der Staatsoper.

(Foto: Wilfried Hösl)

Die Konzerte der Staatsoper zeigen, was möglich ist

Viele freischaffende Künstler verzweifeln derzeit an der Bürokratie. Ja, irgendwie gibt es Hilfe vom Staat, aber wann wie viel wofür, ist eher rätselhaft. Im Minutentakt bessert die Politik nach, ohne, so scheint es, den Kern zu treffen. Die Anzahl der Mails finanzielle Notlagen in teils prekärem Ausmaß betreffend übersteigt inzwischen die derer, die den nächsten Stream ankündigen.

Freie Künstler haben im Umgang mit Bürokratie die eigene Existenz betreffend gerade wenig Spielraum. Im Prinzip trifft das anders, aber ähnlich, auch auf die Institutionen zu. Aber da stimmt halt auch der Satz von Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper, dass man im Theater ohnehin Regeln aller Art habe, da komme man doch mit den neuen, Corona betreffend, auch noch zurecht. Fragen nach Auslastung und Einnahmen verbieten sich derzeit ja ohnehin, da kann man auch nur ein paar wenige Menschen glücklich machen. Wie es die Staatsoper nun mit ihren "Streifzügen am Mittwoch" tut.

Man hat ja den Riesenapparat der Oper nicht für den Stillstand, den die Mitarbeiter am allerwenigsten wollen. Und, ganz ehrlich: Man will auch keinen Stream mehr sehen. Stream ist Konzert oder Aufführung im kleinen Rahmen des Laptops, und wo ein Rahmen drumherum ist, ist immer nur ein Bild drin. Das Bild eines Konzerts ist aber nicht das Konzert selbst. Nebenbei: Das Merkwürdige an den meisten Streams ist ja, experimentelle Ausnahmen ausgenommen, dass ihnen meist etwas Museales und Konservatives innewohnt. So viel Beethoven war selten. Nichts gegen Beethoven, aber was für eine Wohltat, diesen Mittwoch zwei Stücke von Scarlatti und Erwin Schulhoff gehört zu haben, live, gespielt vom Amanda-Quartett in der Staatsoper. Kein Mainstream, und auch noch eine kleine, wohldurchdachte Subversion gegen die Bürokratie. Das ist schön.

© SZ vom 23.05.2020

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