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Das ist schön:"Es dauert, dauert, dauert"

Ex-Kunstminister Heubisch fordert schnellere Hilfe für die Kultur

"Wir sind vor Ort, in einem Künstleratelier, hier in den Domagk-Ateliers, und das ist grandios." Diese Worte schickte Wolfgang Heubisch einem Gespräch voraus, das unter dem Titel "Kunst in Zeiten von Corona" im Atelier der Malerin und Mixed-Media-Künstlerin Zhenya Li stattfand. Neben Heubisch und Li waren dazu das "Kunst-Urgestein" Zamp Wimmer eingeladen, Alfred Altenburger, ebenfalls Künstler, Ingenieur und außerdem Lis Ehemann, und dann noch jeder, der ein internetfähiges Handy oder einen Computer hat. Denn das Gespräch wurde wie vieles derzeit gestreamt. Man konnte es sich auf der Facebook-Seite des FDP Kreisverbandes München-Nord ansehen und mit etwas Glück auch hören, weil der Ton leider sehr leise war.

Dabei sollte es doch auch darum gehen. Der Kunst mehr Gehör zu verschaffen. Sie sichtbar zu machen, weil man sie beim Corona-Krisenmanagement zu lange übersehen hat. "Langsam kommt das Bewusstsein, dass Kultur und Kunst etwas ganz Besonderes sind", sagte der ehemalige Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst und jetzige Vizepräsident des Bayerischen Landtags Heubisch denn auch in Richtung Staatsregierung. Er kritisierte, dass viele Künstler "immer noch kein Geld bekommen" hätten, während ein Konzern wie Adidas ohne große Diskussion Millionen erhält. Er erzählte, dass viele Musiker oder Schauspieler vor dem Nichts stünden und Unterstützung bräuchten. "Aber es dauert, dauert, dauert." Dass er etwa auch die Corona-Besucherregeln für Theater als zu starr und kurzsichtig empfindet, das hatte Heubisch schon vorher öffentlich gesagt. Ein Vorwurf, den er nun ebenfalls indirekt wiederholte.

Aber es ging bei dem eher im Plauderton geführten Gespräch nicht nur um Kritik. So hörte man auch Li, Wimmer und Altenburger über ihre Situation reden, die wohl schwierig, aber keineswegs hoffnungslos ist. Li hat wieder eine Ausstellung in Bamberg. Wimmer glaubt, dass durch die Pandemie in den nächsten Wochen neue Dinge entstehen werden, "von denen wir noch keine Ahnung hatten". Auch Altenburger sieht die Chance, sich für neue Formate der Kunst und Kunstvermittlung zu öffnen. Und Heubisch rief mehrfach dazu auf, konkret die durch die Lockerungen entstandene Chance zu nutzen, in Galerien und Ateliers zu gehen.

Damit meinte er insbesondere die Münchner Domagk-Ateliers, in denen an diesem Wochenende wieder der Künstler-Sonntag stattfindet. Zwischen 15 und 18 Uhr kann man sich Werke ansehen und mit Künstlern reden. Etwas, was die Politik lange versäumt hat. Dabei wäre das doch eigentlich der Weg, um zu erfahren, wo die Probleme liegen oder was das reale Erleben von Kunst bedeutet. Dann würden vielleicht auch weniger absurde, starre, alltagsferne Regelungen für Künstler oder Kulturveranstalter entstehen. Und das wäre doch schön.

© SZ vom 20.06.2020

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