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Das ist schön:Bayern in der Mongolei

Die Musikhochschulen München und Ulan Bator vertiefen die Kooperation

Kolumne von Oliver Hochkeppel

2014 startete das Goethe-Institut in Ulan Bator ein "Musik-Labor". Das sollte eine musikalische Zusammenarbeit mit der Mongolei anregen, die ja, obwohl zwischen den Großmächten Russland und China eingekeilt, kulturell beeindruckend autark ist und mit seinem berühmten Obertongesang und Instrumenten wie Pferdekopfgeige, Tsuur-Flöte oder Wölbbrettzither einzigartige Traditionen besitzt. Man betraute den weitgereisten Jazzbassisten Martin Zenker, der zuvor bereits vier Jahre lang Dozent in Südkorea war, mit der Projekt-Praxis. Zenker begeisterte junge mongolische Musiker für den Jazz, der ja per se eine Hybridmusik ist und dem nun auch ein mongolischer Akzent gut stand. Am Mongolian State Conservatory entstand der erste Jazz-Studiengang, in Ulan Bator mit dem "Fat Cat" ein inzwischen asienweit legendärer Jazzclub. Austausch- und Kurzdozenturreisen folgten, und mehrere junge Mongolen kamen zum Studium an die Münchner Musikhochschule. Unter ihnen die Sängerin Enkhjargal Erkhembayar, die als Enji bald die Münchner Szene eroberte und ein Album beim renommierten Label Enja aufnahm.

All dies kulminierte jetzt in der Förderung dieser Kooperation der beiden Musikhochschulen durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die am Donnerstag bei einer deutsch-mongolischen Video-Pressekonferenz mit allen Beteiligten erläutert wurde. Mit fast 90 000 Euro kann man nun über den Jazz hinaus die Klassik-, Pädagogik- und Volksmusik-Abteilungen beteiligen, zwei Jahre lang jeweils drei Dozenten (darunter Zither-Professor Georg Glasl und Musikethnologin Christine Dettmann) ins andere Land verschicken und jeweils drei volle Austausch-Studienplätze einrichten. Die Mongolei, bislang fast ein Synonym für Exotik und unerreichbare Ferne, wird so zum Teil des Münchner Musiklebens. Eine Perspektive, die gerade in Zeiten des Reiseverbots und der heruntergelassenen Schlagbäume besonders schön ist.

© SZ vom 16.05.2020
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