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Das ist nicht schön:Ein bisschen gefördert

Bayern hat für den Jazz nur wenig übrig

Von Oliver Hochkeppel

Vor ein paar Tagen kam frohe Kunde: "Der Freistaat stockt die Jazzförderung auf", stand in großen Lettern in einer Pressemitteilung. Oh, dachte man sich, ist also erkannt worden, dass der Jazz schon lange keine Subkultur mehr, sondern die zweite Kunstmusik-Gattung ist; dass er heute die innovativste Musikform ist, die inzwischen alle anderen Genres umarmt; dass es nicht nur in Berlin und Köln, sondern auch in Bayern eine gewachsene, international beachtete junge Szene gibt, die auch wieder ein junges Publikum erreicht. Klar, zumindest das Bayerische Ministerium für Kunst und Kultur muss das ja wissen, denkt man sich weiter, hat es doch über die Jazzabteilungen der drei bayerischen Musikhochschulen und das Landesjugendjazzorchester den Boden bereitet und die Hausse mitfinanziert.

Freilich, anders als bei anderen Kultursparten lässt man es seit jeher mit der Ausbildung gut sein. Nach wie vor gibt der Freistaat für Jazz pro Jahr insgesamt weniger aus als eine Kommune für einen einzigen Verkehrskreisel. Es gibt in Bayern keine nennenswerte Jazzinstitution oder -veranstaltung, bei der der Freistaat Hauptsponsor oder gar Träger wäre. Im Gegenteil, nicht nur hat man den Vorschlag des Bayerischen Jazzverbandes, die gut funktionierende Jazzförderung Baden-Württembergs zu adaptieren, seit Jahren abgebügelt, seit dem 1. Januar 2019 hat man die Jazzförderung sogar komplett an den Bayerischen Musikrat abgegeben.

Diese verdienstvolle, aber politisch untergeordnete Einrichtung verkündete jetzt also stolz, dass 2021 "zur bereits bestehenden ,Jazzfestivalförderung' als ergänzender Baustein die Prämierung von Jazzprogrammen mit einem Volumen in Höhe von 20 000 Euro an den Start gehen soll." Garniert mit dem Zitat des dem Jazz verbal stets wohlmeinenden Kunstministers Bernd Sibler, man wolle "den Jazz künftig in allen Ecken des Freistaats noch stärker zum Klingen bringen". Das wird gerade jetzt, da Corona die Jazzer mit am härtesten trifft, mit derartigen Almosen nicht funktionieren. Und das ist nicht schön.

© SZ vom 06.06.2020
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