Das Grünwalder Stadion Perfekte Lage

Solche Sätze kommen nicht nur Roman Beer gleichermaßen bekannt wie tröstlich vor. Denn in der ewigen Stadiondebatte ist jetzt von schicksalhaften Entscheidungen die Rede, wieder einmal: Nach dem endgültigen Abschied der Sechziger-Profis aus dem Grünwalder Stadion 2005 und dem endgültigen Umzug in die Allianz-Arena hat sich der Stadtrat im März 2010 gegen eine Rückkehr des Bundesligafußballs nach Giesing ausgesprochen, und zwar endgültig. Zum Trost unterstützt Oberbürgermeister Christian Ude den Umzug der Löwen ins Olympiastadion - vorausgesetzt, sie bleiben dort für wenigstens zehn Jahre, am besten aber bis zum Ende der Welt.

Damit zeigt Ude, dass er gedanklich noch nicht ganz so weit ist wie der Vorstand des TSV 1860. Die Verantwortlichen haben - wenn auch zu spät - eingesehen, was die Fans schon lange wussten: Ohne ein eigenes und wesentlich kleineres Stadion kann der Verein auf Dauer kaum überleben. Denn auch die Zwischenspiele im Olympiastadion sind dem Publikum noch in zwiespältiger Erinnerung geblieben. Bei Föhnwetter zählt das ausverkaufte Olympiastadion zu den schönsten Stadien der Welt. Nur leider fallen Föhn- und Spieltage nicht immer zusammen. Und ausverkauft ist es bei den Sechzigern auch nie. Eine Dezember-Partie zwischen 1860 und Paderborn vor 12 000 Zuschauern im Olympiastadion hat allenfalls den Vorteil, das man von den oberen Rängen nur erahnt, was in der Ferne geschieht.

Menschen wie Roman Beer, die es gut mit dem Verein meinen, klammern sich deshalb an die Hoffnung, dass in Zukunft alles besser wird - eine unter den Löwen-Fans weit verbreitete Tugend, die von einer Generation auf die nächste vererbt wird. Er hofft also, dass die Politik doch noch irgendwann kapiert, welch große Vorteile ein renoviertes Bundesligastadion mitten in der Stadt haben könnte. Beer beruft sich dabei auf den britischen Stadion-Architekten Rod Sheared, der prophezeit, dass der Fußball wieder zu den Fans kommen wird: "Wenn sie das Stadion nach ihrer Einkaufstour innerhalb von 10 bis 15 Minuten zu Fuß erreichen können, dann liegt es perfekt in der Stadt", sagt Sheared.

Das Grünwalder Stadion liegt perfekt in der Stadt. Nur ist es mittlerweile in einer ähnlich desolaten Verfassung wie die Löwen; für zehn Millionen Euro soll es wenigstens drittligatauglich gehalten werden. Beer packt nochmal die Machbarkeitsstudie aus, die der Stadtrat in der Luft zerrissen hat. Er ist sich sicher: Es könnte funktionieren - neue Tribünen, neue Dächer, eine Löwen-Arena in Giesing für 30.000 Zuschauer. Wenn die Stadt und ihr Oberbürgermeister Ude nicht bloß dauernd nach Gegenargumenten suchen würden: Lärmschutz, Brandschutz, Bestandsschutz. Und vor allem: Wenn das Geld dafür da wäre. Es muss doch irgendwo auf dieser Welt einen niederbayerischen Spediteur geben, der zu viel davon hat. Oder einen Bauunternehmer. Zur Not auch einen Großgastronomen. Wahrscheinlich wird das Grünwalder Stadion deshalb bleiben, was es ist: Sehnsuchtsort. Stückwerk. Stadion-Bastard.

Selbst wenn es im Moment nicht danach aussieht: Der Stadtrat wird seine Meinung wieder ändern, weil er das immer so getan hat, wenn es um das Grünwalder Stadion ging. Und die Profis der Sechziger, sie werden in ihre Heimat zurückkehren. Wetten? Natürlich wird es wie immer eine Notlösung sein, aber diesmal eine endgültige.