bedeckt München 16°

Literaturagent Michael Meller:Teppichhändler der Belletristik

Immer wieder Bestseller: Der Münchner Michael Meller zählt zu den renommiertesten Literaturagenten Deutschlands. Dank ihm wurden die Werke vieler Autoren zu Bestsellern. So auch das Buch von Carmen Thomas - eine Million Mal wurde es gekauft.

Die Bücher der angloamerikanischen Autoren, die in den Stahlregalen im Chefzimmer stehen, bedecken fast die ganze Wand. In der Küche sind die Kinder- und Jugendbücher eingeräumt. Und im Besprechungszimmer hat man die Werke deutscher Autoren ins Regal geschichtet.

Tausende Bände stehen in den Büroräumen in der Landwehrstraße. Wie viele Bücher es sind, die er vermittelt hat, weiß Michael Meller allerdings nicht.

(Foto: Stephan Rumpf)

Buch an Buch, Hunderte, ja, Tausende Bände stehen in den Büroräumen in der Landwehrstraße. Darunter historische Romane, Autobiographien, Sachbücher, aber auch Bestseller wie Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter" oder Jonathan Franzens "Die Korrekturen". Michael Meller streift all die Buchrücken nur mit einem kurzen Blick. "Ja, da ist einiges zusammengekommen", sagt er. Wie viele Bücher es sind, die er vermittelt hat? "Ich weiß es nicht. Habe sie nie gezählt."

1988 hat Michael Meller seine Literaturagentur gegründet, heute zählt die "Michael Meller Literary Agency" längst zu den wichtigsten und renommiertesten des Landes. Und wenn an diesem Donnerstag die Buchmesse in Leipzig beginnt, dann wird natürlich auch Mellers Agentur dabei sein.

Agenturen wie diese sind die Mittler zwischen Autoren und Verlagen. "Jeder Musiker, jeder Schauspieler hat einen Agenten", sagt Meller, "doch Autoren dachten lange, sie könnten alles selbst." Wie so vieles stammt auch das Prinzip der Literaturagenturen aus dem angloamerikanischen Raum. Meller, gelernter Buchhändler, verließ Deutschland 1966. Erst ging er zum Residenzverlag nach Salzburg, dann nach England und 1975 schließlich in die USA. Schon 1971 hatte er sich selbständig gemacht und war als freier Agent für mehrere europäische Verlage tätig. 1986 kehrte er nach Deutschland zurück. "Ich ließ mich locken", sagt er.

Doch der Job als Verlagsleiter bei Bertelsmann entsprach dann doch nicht seinen Vorstellungen - und so gründete er 1988 seine eigene Literaturagentur. Hierzulande waren Literaturagenturen noch wenig bekannt. Meist hatten Verlage und Autoren direkt miteinander verhandelt, und nicht wenige tun das noch heute.

Doch das Geschäft ist kompliziert, die Verträge häufig auch - und welcher Schriftsteller setzt sich schon gerne mit Vertragsdetails auseinander oder überprüft Abrechnungen? "Am Anfang hatte ich nicht wenige Pfeile im Rücken", erzählt Michael Meller und lächelt ein kleines, aber auch zufriedenes Lächeln.

In den Verlagen fand man naturgemäß kein Vergnügen daran, anstatt mit ahnungslosen Schriftstellern neuerdings mit Profis verhandeln zu müssen. Es profitierten häufig die Autoren - und Meller selbst, der wie die meisten anderen Agenturen 15 Prozent des Honorars als Lohn für seine Arbeit berechnet. "Zwischen den Verlagen und uns herrschte eine freundliche Feindschaft", sagt Meller über seine Anfänge.