TheaterkritikDie Verrechnung der Verhältnisse

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Hat ihn Hauptdarstellerin Judith Richter (vorne links) nun gegrüßt oder nicht? Diese Frage stellte sich dem Mit-Inhaber Pekny vor kurzem bei einer zufälligen Begegnung in der Komödie.
Hat ihn Hauptdarstellerin Judith Richter (vorne links) nun gegrüßt oder nicht? Diese Frage stellte sich dem Mit-Inhaber Pekny vor kurzem bei einer zufälligen Begegnung in der Komödie.
Alvise Predieri

In der Uraufführung "Das Brautkleid" in der Komödie im Bayerischen Hof werden flink und frech sowohl Waren als auch Partner getauscht.

Von Barbara Hordych

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Wie so häufig im wahren Leben, geht es auch in der fiktiven Wirklichkeit der Uraufführung des Stücks "Das Brautkleid" in der Komödie im Bayerischen Hof um die Frage der verkehrten Schauplätze: Wenn Controller Philipp (Jan Sosniok) und seine frisch Angetraute Juliane (Judith Richter) miteinander über einen 8000 Euro teuren "Traum in Weiß" in Streit geraten, verhandeln sie nur vordergründig das Preis-Leistungsverhältnis für ein einmalig getragenes Designer-Stück: Während Phillipp nach dem ersten Schreck darüber, was "der Fetzen Stoff" das gemeinsame Konto gekostet hat, für den Verkauf desselben auf Ebay plädiert, möchte Juliane das Kleid lieber mitsamt den dazugehörigen Emotionen für immer in ihrem Schrank aufbewahren.

Schon jetzt wird klar, um Geld (das die jungen Eheleute ausreichend zur Verfügung haben) geht es in dieser verpatzten Hochzeitsnacht - in der nicht nur der Reißverschluss in Julianes Kleid klemmt - nur bedingt. Vielmehr werden hier Grundsatz-Positionen verhandelt. Zum Eklat kommt es, als der Bräutigam im Whiskey-Wahn das edle Teil für einen Euro verkauft. Eine Verrechnung der Verhältnisse, die der Autor Stefan Vögel mit freimütig-frechem Dialogwitz amüsant und treffsicher in immer absurdere Höhen schraubt.

Denn da sind die neuen Besitzer des Ein-Euro-Designer-Schnäppchens, der sympathisch menschelnde Tischler Roland (Maximilian Laprell) und seine berechnende Zukünftige Elke (Genoveva Mayer). Die ist in allen Lebenslagen auf ihren Vorteil bedacht und flink im Abwägen von Preis-Leistungs-Verhältnissen, muss sie auch, als Kellnerin und zukünftige Ehefrau eines eher blauäugigen Handwerkers. Von daher ist sie keineswegs gewillt, ihr glücklich ersteigertes Ein-Euro-Schnäppchen wieder herzugeben. Und wenn, dann bitte nur mit entsprechendem Gewinn.

Rasch zeichnet sich ab, dass in diesem Vexierspiel zwei Paare aufeinandertreffen, die eigentlich umsortiert gehören: Die wunderbar komisch aufspielende Judith Richter, bekannt auch durch ihre Comedy-Auftritte bei "Ladykracher", findet als Juliane ihr Pendant in dem von Laprell verkörperten, gutmütig-bodenständigen Roland; dem wiederum ist die Vorstellung, von einem nächtlichen Kurzschluss-Akt unter zerstrittenen Brautleuten zu profitieren ein Graus. Da das Ganze auf einer Boulevardbühne und damit nach deren Gesetzen abläuft, gerät Vögels Komödie selbstverständlich nicht zu einem Drama mit letalem Ausgang wie etwa bei Goethes "Wahlverwandtschaften". Sondern alle Beteiligten steuern in diesem vom neuen Komödien-Chef René Heinersdorff mit viel Tempo und auf hohem Energie-Level inszenierten Stück frohgemut auf ein glückliches Partnertausch-Ende in Venedig zu. Die passende Gondel dazu trägt eine Statistin in schwarzem Overall unter dem Arm. Sie ist so etwas wie die heimliche Heldin des Abends, wenn sie zwischendurch mit stoischem Gesichtsausdruck Requisiten herbei- oder beiseite schafft. Nur einer der schönen Regie-Einfälle, mit denen Heinersdorff seinen gelungenen Einstand im Münchner Haus gibt.

Das Brautkleid, bis 19. Juni, Komödie im Bayerischen Hof

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