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Daglfing:Ins Rohr gepresst

Grundsätzlich bejaht der Bezirksausschuss Bogenhausen den Bau von Daglfinger und Truderinger Kurve. Massive Kritik äußert das Gremium hingegen an der von der Bahn geplanten Tieferlegung des Hachinger Bachs

Von Nicole Graner, Daglfing

Die Deutsche Bahn (DB) nennt sie kurz DTK - sprich, die Daglfinger und die Truderinger Kurve. Mit der Daglfinger Kurve, die man dann also folgerichtig mit DK abkürzen könnte, soll der Münchner Eisenbahn-Nordring an den Umschlagbahnhof Riem sowie an die Strecke München-Mühldorf-Freilassing angebunden werden. Die Truderinger Kurve soll zwischen München-Trudering und München-Riem (Umschlagbahnhof) eine direkte Verbindung für die Güterverkehre aus Italien und Österreich schaffen. Baubeginn: 2026. Von beiden Kurven, die etwa einen Kilometer lang sein werden, verspricht sich die DB nicht nur eine Verbesserung des Eisenbahnverkehrs, sondern eine Entlastung des Südrings und die Stärkung des Schienengüterverkehrs.

Das glauben auch die Lokalpolitiker des 13. Stadtbezirks. Auch wenn der Neubau einer zweigleisigen, elektrifizierten Verbindungskurve, weitgehend in Troglage, zwischen den Bahnhöfen München-Daglfing und München-Riem nicht nur ein Kreuzungsbauwerk in Daglfing vorsieht, sondern weit mehr: den Neubau einer Personenunterführung anstelle des Bahnübergangs an der Xaver-Weismor-Straße zum Beispiel. Oder die Erweiterung des eingleisigen Streckenabschnitts von München-Daglfing nach München-Trudering um ein zweites Gleis, von Straßenüberführungen und Personenunterführungen ganz zu schweigen.

Umschlagbahnhof München Riem, 2018

Die Truderinger Kurve soll eine direkte Verbindung zwischen München-Trudering und dem Umschlagbahnhof München-Riem für die Güterverkehre aus Italien und Österreich schaffen.

(Foto: Florian Peljak)

Dass diese Baumaßnahmen kommen - auch das kann der Bezirksausschuss Bogenhausen mittragen. Was aber das örtlich zuständige Gremium erzürnt, ist der bauliche Eingriff im Hüllgraben beziehungsweise Hachinger Bach. Was die DB dort vorhat, wird auf den Flyern zum Vorhaben der DTK nicht gezeigt, aber, so erklärt es Xaver Finkenzeller (CSU), bei der Präsentation der DB Ende Januar deutlich gemacht: Das Wasser soll unter dem Trog, also unter der Trasse in zirka vier Metern Tiefe für zwei Kilometer in Rohre geleitet werden. Aus Kostengründen, wie die Bahn erklärt. Eine Höherlegung des Bachs sei zu teuer, ebenso eine Untertunnelung der Trasse.

"Für uns ist das ein Eklat", sagt CSU-Fraktionssprecher Finkenzeller in der jüngsten BA-Sitzung. Jahrelang würde man sich bemühen, die Gräben zu renaturieren und offen zu legen. Und dann das. Die angelegten Sträucher und Bäume würden beschädigt, wenn nicht sogar ganz verschwinden. "Und kein Fisch", sagt er, "schwimmt dann zwei Kilometer in einem Rohr." Bedenken äußerte auch BA-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser (Grüne). Die Kurven trügen sicher zur "Verschlankung des Verkehrs bei, aber die "Verrohrung" habe Auswirkungen auf die Natur. Möglicherweise würde der Bach, so habe man es ihr seitens der DB gesagt, nämlich kaum mehr fließen. Man müsse sowieso schon mit Pumpen arbeiten, erklärt Finkenzeller, um die Fließkraft zu erhalten. Daher forderte die CSU die Stadt auf, in weiteren Gesprächen mit der DB Netz AG darauf hinzuwirken, von einer "Verrohrung" des Hüllgrabens/Hachinger Bachs abzusehen.

Hüllgraben zwischen Riem und Daglfing, 2010

Die Planungen gehen offenbar zu Lasten des Hachinger Bachs: der soll in Rohren unter der geplanten Trassefließen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Kurve wird gebaut, der Güterverkehr auf die Schiene verlegt - aber was sind die Folgen für den Verkehr? Dazu möchte die CSU genauere Zahlen von der Bahn haben. Zum Beispiel wie viele Züge dann mehr fahren. Auch müsse die Realisierung des Projekts nördlich von Daglfing, also des Streckenabschnitts von Daglfing bis Johanneskirchen, unbedingt gemeinsam mit der DTK erfolgen. Die Bahn plant die Realisierung der Strecke Daglfing/Johanneskirchen erst 2040, die Daglfinger Kurve soll, laut DB, 2030 realisiert sein. Zehn Jahre ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen, und lange Wartezeiten an den Bahnübergängen wären die Folge: "Dann", so glaubt Finkenzeller, "ist die Schranke nur noch unten." Alle Anträge wurden im Gremium einstimmig angenommen. Karin Vetterle (SPD) fasste es mit dem Wort "einmütig" zusammen.

© SZ vom 18.02.2019

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